Experten fordern Null-Promille im Straßenverkehr, nicht nur für Autofahrer, sondern auch für E-Scooter und Fahrradfahrer.
Nach Bollerwagen und Bier kommt heute auf vielen Straßen in Deutschland das Blaulicht. Eine neue Studie zeigt, dass am Vatertag die Zahl der Alkoholunfälle auf das Dreifache ansteigt. Laut dem Statistischen Bundesamt führt der Alkoholkonsum am Männertag zu etwa 300 Unfällen, an normalen Tagen gibt es rund 100.
Zu diesem Ergebnis kamen die Forscher von Motointegrator und DataPulseResearch. Sie werteten Daten im Zeitraum von 2011 bis 2024 aus mehreren europäischen Ländern aus. Das Ergebnis ist eindeutig, an Christi Himmelfahrt gibt es die meisten Alkoholunfälle in Deutschland.
Der Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) teilte mit, dass die Polizei am Vatertag 2025 bundesweit 284 Unfälle unter Alkoholeinfluss registrierte. Damit sei das Risiko etwa dreimal so hoch wie an einem durchschnittlichen Tag, so der DVR.
DVR-Hauptgeschäftsführer Stefan Grieger ruft zur Vorsicht auf: "Das Grundrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit hat auch an Feiertagen Vorrang vor jeder Trinktradition." Ganz egal, ob man mit dem Auto, dem Motorrad, dem E-Scooter oder dem Fahrrad unterwegs sei, man müsse sich verantwortungsvoll verhalten.
Null-Promille im Straßenverkehr
Die Botschaft, dass es keine gute Idee ist, sich trunken ans Steuer zu setzen, ist mittlerweile bei vielen angekommen. Doch viele schwingen sich, insbesondere am Vatertag, dann aufs Rad. Und das ist nicht ungefährlich. Laut einer Destatis-Statistik von 2024 sind bei 34 Prozent der Unfälle unter Alkoholeinfluss Fahrradfahrer beteiligt.
Fani Zaneta, Referentin für Verkehrssicherheit beim TÜV-Verband, erklärte auf Spiegel-Anfrage: "Für viele Menschen ist es selbstverständlich, nach dem Feiern mit dem Fahrrad oder E-Scooter nach Hause zu fahren."
Immer wieder im Gespräch ist die Frage, ob man nicht einfach Alkohol komplett im Straßenverkehr verbieten sollte. Derzeit haben Fahrradfahrer, die ein oder mehrere Gläschen getrunken haben, wenig zu befürchten. Bis 1,6 Promille dürfen sie ganz legal Rad fahren, solange sie durch ihr Verhalten nicht auffällig werden.
Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat fordert eine Grenze von 1,1 Promille. Der TÜV-Verband geht einen Schritt weiter und strebt eine Null-Toleranz bei Alkohol und Drogen für alle Verkehrsteilnehmer an. Zaneta erklärte im Spiegel: "Wer Alkohol trinkt, sollte grundsätzlich kein Fahrzeug mehr führen, unabhängig davon, ob es sich um ein Auto, Fahrrad oder einen E-Scooter handelt." Ziel sei es nicht, den Menschen das Feiern zu verbieten, sondern dafür zu sorgen, dass alle sicher und wohlbehalten zu Hause ankommen.
Vatertag an Christi-Himmelfahrt
Der Vatertag wird in vielen Ländern gefeiert, allerdings an unterschiedlichen Tagen und nur in Deutschland fällt er auf denselben Tag wie Christi-Himmelfahrt. Der Vatertag entwickelte sich vor allem im Berliner Raum im 19. Jahrhundert, dort kam auch der Begriff "Herrentag" auf, der somit alle Männer umfasst, egal, ob sie nun Väter sind oder nicht.
Der BR hat nachgeforscht und herausgefunden, dass die Allianz zwischen Vatertag und Christi Himmelfahrt bereits im 17. Jahrhundert entstanden ist. Laut dem Brauchtumsforscher und Theologen Manfred Becker-Huberti hat sich eine "Art Prozession ohne Geistlichkeit entwickelt." Er erzählt, dass nur die Männer zu einem Ort zogen, allerdings mit Alkohol statt mit Weihwasser. Das Ganze wurde sehr trunken, worauf die Pfarrer dann entschieden, nicht mehr an der Prozession teilzunehmen.
Es bleibt bis heute die Tradition unter Männern einen Ausflug ins Grüne zu machen, bei dem der Bollerwagen gefüllt mit Bier natürlich nicht fehlen darf.