Mit häufigeren und heftigeren Hitzewellen durch den Klimawandel steigen die Gefahren für Schwangere und ihre Babys deutlich. Wo besteht das höchste Risiko?
Europa hat in der letzten Maiwoche eine "beispiellose, historische" Hitzewelle erlebt. In mehreren Ländern lagen die Temperaturen rund 10 bis 15 Grad über dem für diese Jahreszeit üblichen Durchschnitt.
In der zentralportugiesischen Stadt Mora wurde am 27. Mai ein neuer Monatsrekord von 40,3 Grad Celsius gemessen.
Eine neue Studie zeigt, dass Schwangere und ihre Neugeborenen besonders unter hohen Temperaturen leiden. Hitze ist demnach ein wichtiger Umweltfaktor, der vorzeitige Wehen auslösen kann.
Schätzungen zufolge gehen 1,41 Prozent aller Frühgeburten im Sommer auf Hitze zurück.
An Tagen mit moderater Hitze steigt dieses Risiko um 2,8 Prozent. An Tagen mit extremer Hitze ist es um 3,8 Prozent erhöht.
Babys, die vor Ablauf von 37 Schwangerschaftswochen zur Welt kommen, haben ein deutlich höheres Sterberisiko. Hinzu kommen Gesundheitsprobleme, die Frühgeborene oder Frühchen ein Leben lang begleiten können.
Die Studie ist in der Fachzeitschrift "Environment International" erschienen. Das Forschungsteam wertete 36,6 Millionen Sommergeburten in 250 Städten und Gemeinden in 13 Ländern im Zeitraum von 1979 bis 2019 aus, darunter in Estland, Italien und Spanien.
Frühgeburten durch Hitze: Welche Länder sind am stärksten betroffen?
Unter den untersuchten europäischen Ländern verzeichnet Spanien die höchste Quote: 1.080 Frühgeburten pro 1 Million Geburten in der warmen Jahreszeit. Am stärksten betroffen ist die Stadt León.
Es folgen Italien mit 974 und Estland mit 814 Frühgeburten pro Million.
Die Schweiz weist den niedrigsten Wert aller untersuchten Länder auf: 628 Frühgeburten pro Million.
Hitze trifft jedoch nicht alle Frauen gleichermaßen. Faktoren wie Klima, soziale und wirtschaftliche Lage oder die Ausstattung des Gesundheitswesens beeinflussen laut Studie, wie verwundbar Schwangere gegenüber hohen Temperaturen sind.
Besonders gefährdet sind der Untersuchung zufologe junge, alleinerziehende Mütter mit wenig Bildung in prekären sozialen Verhältnissen. Bei ihnen steigt das Risiko einer hitzebedingten Frühgeburt.
Am empfindlichsten ist der Zeitraum zwischen der 31. und der 40. Schwangerschaftswoche. In dieser Phase ist eine Frühgeburt am wahrscheinlichsten.
Hitze und Frühgeburt: Wie hohe Temperaturen Wehen auslösen
Hitze erhöht die Körpertemperatur und kann Gebärmutterkontraktionen auslösen.
Hitzebedingte Dehydrierung bringt den Mineralhaushalt aus dem Gleichgewicht. Die Konzentration wichtiger Stoffe wie Kalzium und Magnesium gerät durcheinander, zugleich nimmt die Durchblutung der Plazenta ab.
Hinzu kommt: Hohe Temperaturen fördern Entzündungsprozesse und verschieben das Gleichgewicht zwischen der Bildung und dem Abbau aggressiver Sauerstoffverbindungen in Zellen und Geweben. Das kann die Entwicklung des Fötus beeinträchtigen.
Schwangere Frauen sind besonders gefährdet. Durch das Wachstum des Fötus produziert der Körper mehr Wärme als sonst. Gleichzeitig kann er wegen der Gewichtszunahme überschüssige Hitze schlechter abgeben.