Es handelt sich um die erste Anklage im Nord-Stream-Fall. Die Bundesanwaltschaft wirft einem Ukrainer nicht mehr nur verfassungsfeindliche Sabotage, sondern Kriegsverbrechen vor. Das berichten mehrere Medien übereinstimmend.
Der Ukrainer Serhij K. soll maßgeblich an der Sprengung der Nord-Stream-Pipeline beteiligt gewesen sein. Bereits seit mehreren Monaten sitzt er deshalb in Untersuchungshaft. Jetzt hat die Bundesanwaltschaft ihren Tatvorwurf hochgestuft, von "verfassungsfeindlicher Sabotage" zu Kriegsverbrechen. Das berichten unter anderem Spiegel und ARD in Berufung auf interne Quellen.
Der Ukrainer K. gilt als einer der mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge auf die Gaspipelines aus Russland im September des Jahres 2022. Mehrere Explosionen am Grund der Ostsee zerstörten dabei drei von vier Strängen der Pipelines. Beide Leitungen verlaufen weitgehend parallel durch die Ostsee und verlaufen vom russischen Wyborg bis nach Lubmin bei Greifswald in Deutschland und sind seither stark beschädigt.
Die Bundesanwaltschaft warf dem Ukrainer damals gemeinschaftliches Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion und verfassungsfeindliche Sabotage vor. Deshalb soll er in Hamburg vor Gericht gestellt werden. K. bestreitet die Vorwürfe.
Neuer Tatvorwurf des Kriegsverbrechens
Jetzt geht es auch um den Tatvorwurf des Kriegsverbrechens, wie verschiedene Medien berichten. Ihnen zufolge führte nach Erkenntnissen des Ermittlerteams K. das Sabotageteam an und soll auch das Segelschiff "Andromeda" angeführt haben. Damit soll der Ukrainer und ein Team aus weiteren Personen die Anschläge auf die Pipeline angesteuert haben.
Nun geht der Generalbundesanwalt nach Informationen von Spiegel und ARD von einem Angriff auf zivile Infrastruktur aus. Nach Völkerstrafrecht könnte das als Kriegsverbrechen gewertet werden. Es handelt sich um die erste Anklage im Nord-Stream-Fall. Darüber hinaus lautet der Vorwurf: Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie Zerstörung von Bauwerken.
Ein europäischer Haftbefehl hatte im Sommer dazu geführt, dass K. in Italien festgenommen wurde, wie Euronews berichtete. Er machte zu diesem Zeitpunkt mit seiner Familie Urlaub an der Adriaküste und hatte offenbar nicht damit gerechnet. Seitdem sitzt er in einem Hochsicherheitsgefängnis in Italien hinter Gittern.