Zum AfD-Bundesparteitag in Erfurt erwartet die Polizei bis zu 60.000 Demonstranten und schließt gewaltsame Auseinandersetzungen nicht aus. Tausende Einsatzkräfte sind im Einsatz, während Aktivisten Blockaden des Parteitags ankündigen.
Beim AfD-Parteitag am 4. und 5. Juli in Erfurt rechnet Thüringens Polizei mit einem "Endzeit-Szenario". Unter den bis zu 60.000 erwarteten Demonstranten sollen auch gewaltbereite Gruppen sein, die sich "aus den Blockadebereichen lösen und sich in Richtung Messegelände bewegen könnten", wie Focus Online aus einem internen Lagepapier der Polizei zitiert. Mehrere tausend Einsatzkräfte sollen vor Ort sein.
Der Großteil der Aktivisten sei jedoch dem studentischen sowie zivilgesellschaftlichen Milieu zuzuordnen, das wenig Erfahrung "mit gewaltsamen Auseinandersetzungen oder dem aktiven Überwinden polizeilicher Sperren" habe.
Eine der größten Gruppierungen, die vor Ort sein werden, ist das bundesweite Aktionsbündnis "widersetzen". Dessen Aktivisten planen, den Parteitag mit Sitzblockaden zu behindern. Daran teilnehmen will unter anderem Klimaaktivistin Luisa Neubauer, wie sie dem Spiegel erklärte. Ziel sei es, den Parteitag "so lange wie möglich aufzuhalten".
Wegweisender Parteitag für AfD
Zu Demonstrationen in Erfurt haben unter anderem auch die Grünen, die Linke Thüringen und die SPD aufgerufen. "Am 4. Juli hält die AfD ihren Parteitag in Erfurt ab – exakt 100 Jahre nach dem Reichsparteitag von Hitler und seiner NSDAP im benachbarten Weimar. Doch die AfD setzt nicht nur auf rechtsextreme Symbolik, sondern auch auf rechtsextreme Politik", so die SPD auf ihrem Instagram-Account. Die Partei verwies auf ein kürzlich erschienenes Gutachten der Gesellschaft für Freiheitsrechte, laut dem die AfD "nachweislich verfassungswidrig" sei.
Im Vorfeld erklärte Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD), dass die Polizei sowohl für den AfD-Parteitag als auch für friedliche Demonstranten das Recht auf Versammlungsfreiheit durchsetzen werde. Einschätzungen von Björn Höcke, dem Landesvorsitzenden der vom Thüringer Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuften Thüringer AfD, es werde im Rahmen des Parteitags "bürgerkriegsähnliche Zustände" geben, wies Maier zurück.
Bei dem Parteitag planen die AfD-Co-Parteivorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla erneut für den Parteivorsitz zu kandidieren. Ihre Wiederwahl gilt als sehr wahrscheinlich.
Zudem versucht der Rechtsaußen-Flügel der Partei seinen Einfluss zu stärken: Mehrere rechtsextreme Parteimitglieder haben angekündigt, für Posten im Bundesvorstand kandidieren zu wollen, darunter Jean-Pascal Hohm.
Hohm sitzt der im November 2025 neu gegründeten AfD-Jugendorganisation "Generation Deutschland" vor und ist Mitglied des brandenburgischen Landesverbands der AfD, der vom Brandenburger Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird. Unterstützung bekommt der AfD-Jugend-Chef unter anderem von Höcke.
Neben Hohm wollen mit Dennis Hohloch, aktuell bereits Teil des Bundesvorstands, und Hannes Gnauck weitere Mitglieder der rechtsextremen Brandenburger AfD für Posten im Bundesvorstand kandidieren, so die Bild. Auch Stefan Möller, der der vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Thüringer AfD angehört, plant sich für ein Amt aufstellen zu lassen.