Ab November will die US-Regierung Hafengebühren für in China gebaute Schiffe erheben. Einer neuen Studie zufolge könnte die deutsche Wirtschaft davon profitieren und die Exporte in die USA könnten um 1,7 Prozent wachsen.
Einer neuen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge schadet US-Präsident Donald Trump mit den ab November geplanten Hafengebühren, die für in China gebaute Schiffe erhoben werden sollen, vor allem der Wirtschaft im eigenen Land. Von den neuen US-Auflagen gegen China profitieren sollten dagegen deutsche Unternehmen.
Laut der DIW-Untersuchung könnten die Exporte aus Deutschland in die USA sogar um 1,7 Prozent steigen. Denn Volkswirtschaften, die auf nicht-chinesische Schiffe umsteigen können oder weniger von chinesischen Schiffen abhängig sind, gewinnen Marktanteile auf Kosten derjenigen, die stärker darauf angewiesen sind. Das erklärt die Ökonomin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Sonali Chowdhry.
In den ersten drei Monaten des Jahres 2026 waren die EU-Exporte in die USA wegen der Strafzölle von Donald Trump um etwa ein Drittel eingebrochen.
"Eine neue Eskalationsstufe"
"Die Hafengebühren auf in China gebaute Schiffe sind eine neue Eskalationsstufe im Handelskonflikt", warnt DIW-Studienautorin Chowdhry. "Erstmals geraten nicht nur Waren, sondern auch die Transportmittel selbst ins Visier."
Nach DIW-Angaben stammt inzwischen rund die Hälfte aller neu gebauten Handelsschiffe aus China - und US-Präsident Donald Trump will mit den neuen Hafengebühren gegen diese Dominanz vorgehen.
Abgestraft wird dann je nachdem, wo ein Schiff gebaut wurde und nicht danach, woher die Waren auf dem Schiff kommen. Die US-Regierung begründet ihre neuen Regeln mit der inneren Sicherheit der Vereinigten Staaten.
Die Modellberechnungen des DIW zeigen allerdings, dass sich die geplanten Hafengebühren negativ auf die US-Wirtschaft auswirken würden: Die Importe könnten laut DIW um schätzungsweise 0,2 Prozent und die Exporte um etwa 0,3 Prozent zurückgehen.
Die Gewinner und die Verlierer der neuen US-Gebühren
Anders als die anderer Länder sind die Exporte der deutschen Wirtschaft in die USA weniger von in China gebauten Schiffen abhängig als beispielsweise Finnland, Dänemark, Polen, Schweden und Griechenland.
All diese EU-Staaten müssen laut DIW mit einem Rückgang ihrer Exporte in die USA zwischen 5 Prozent wie Finnland und 1,5 Prozent wie Griechenland rechnen.
Noch schlimmer wären die Folgen der US-Hafengebühren der DIW-Studie zufolge für exportabhängige Schwellenländer. In Staaten wie Costa Rica, Vietnam oder Pakistan könnten die Exporte in die USA schätzungsweise acht Prozent einbrechen.
Wie sollten die EU und Deutschland reagieren?
Der weltweite Anteil der neu gebauten Handelsschiffe aus der Europäischen Union ist in den vergangenen 30 Jahren von 17 Prozent auf unter drei Prozent geschrumpft.
Im vergangenen März hatte die EU-Kommission eine Allianz für maritime industrielle Wertschöpfungsketten vorgeschlagen. Damit sollten Investitionen in innovative Schiffstechnologien und Exportkredite für klimafreundliche Schifffahrt gefördert werden.
Der Co-Autor der DIW-Studie, Hendrik Mahlkow vom Kieler Institut für Weltwirtschaft, hält das bisherige Vorgehen für unzureichend: "Die neue maritime Industriestrategie der EU erkennt die Risiken, aber eine systematische Folgenabschätzung fehlt bislang."
Und die DIW-Ökonomin Chowdry fordert: "Als eine der exportstärksten Volkswirtschaften Europas mit bedeutenden Reedereien und zentralen Schifffahrtsknotenpunkten sollte Deutschland eine aktivere Rolle in der europäischen maritimen Industriepolitik übernehmen."
Gerade hat die deutsche Werft TMKS einen Milliardenvertrag für den Bau neuer U-Boote mit Kanada abgeschlossen. Ob sich demnächst auch im Bereich des Baus von Handelsschiffen in Deutschland etwas tut, bleibt abzuwarten.