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Bulgariens Veto: EU kann Patriarch Kirill erneut nicht sanktionieren

Patriarch Kirill steht an der Spitze der Russisch-Orthodoxen Kirche.
Patriarch Kirill steht an der Spitze der Russisch-Orthodoxen Kirche. Copyright  Pyotr Nikolayev/Russian Orthodox Church Press Service
Copyright Pyotr Nikolayev/Russian Orthodox Church Press Service
Von Jorge Liboreiro
Zuerst veröffentlicht am
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Bulgarien setzt sich durch: Patriarch Kirill und der russische Milliardär Vagit Alekperov werden aus dem neuen EU-Sanktionspaket gestrichen. Über das Maßnahmenpaket verhandeln die Mitgliedstaaten weiterhin.

Die Europäische Union wird Patriarch Kirill, das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, vorerst nicht auf ihre Sanktionsliste setzen. Bulgarien legte in den vertraulichen Verhandlungen ein Veto ein und begründete dies mit religiösen und kulturellen Erwägungen.

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Auch gegen den russischen Milliardär Vagit Alekperov, der als kremlnah gilt und lange den Ölkonzern Lukoil führte, wollte Bulgarien keine Sanktionen unterstützen.

Mehrere Diplomaten bestätigten dem Sender Euronews, dass beide Namen bei einer außerordentlichen Sitzung der EU-Botschafter am Sonntag aus dem Entwurf des neuen Sanktionspakets gestrichen wurden. Das Paket selbst ist noch nicht endgültig beschlossen. Die Verhandlungen gelten jedoch als weit fortgeschritten und könnten noch in dieser Woche abgeschlossen werden.

Dass Kirill und Alekperov von der Liste genommen werden, galt bereits als wahrscheinlich. Bulgarien hatte sein Veto im Vorfeld unmissverständlich angekündigt. Staatspräsident Rumen Radev hatte die Haltung seines Landes bereits im vergangenen Monat öffentlich bekräftigt – ein ungewöhnlicher Schritt, da sich Regierungen normalerweise nicht zu laufenden EU-Verhandlungen äußern.

Kirill gehört zu den umstrittensten Persönlichkeiten Russlands

„Welche Botschaft senden wir, wenn wir Sanktionen und Krieg in den Bereich der Religion ausdehnen? Verstehen wir, wohin das führt?“, sagte Radev.

Kirill gehört zu den umstrittensten Persönlichkeiten Russlands. Kritiker werfen ihm vor, den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ideologisch zu rechtfertigen und revisionistische Propaganda zu verbreiten.

Unter seiner Führung verabschiedete die russisch-orthodoxe Kirche ein Dokument, das die Beseitigung der ukrainischen Eigenstaatlichkeit fordert und den Krieg als „heiligen Krieg“ bezeichnet.

Bereits 2022 hatte die EU versucht, Patriarch Kirill zu sanktionieren. Damals scheiterte das Vorhaben am Widerstand Ungarns unter Ministerpräsident Viktor Orbán, der den Schritt mit dem Schutz der Religionsfreiheit begründete.

Nach dem Regierungswechsel in Ungarn änderte sich das. Erst in diesem Frühjahr signalisierte die neue ungarische Regierung unter Péter Magyar Bereitschaft zu einem Kurswechsel. Daraufhin nahmen EU-Vertreter Kirill erneut in den Entwurf einer Sanktionsliste auf.

Doch auch dieser Anlauf scheiterte – diesmal am Widerstand Bulgariens.

Patriarch Kirill wird mitunter als politische Figur gesehen.
Patriarch Kirill wird mitunter als politische Figur gesehen. Associated Press.

Die bulgarische und die russisch-orthodoxe Kirche sind organisatorisch voneinander unabhängig und werden jeweils von einem eigenen Patriarchen geführt. Beide gehören jedoch zur Gemeinschaft der orthodoxen Kirchen, teilen denselben Glauben und dieselbe Glaubenslehre und sind durch enge historische und kulturelle Beziehungen miteinander verbunden.

Die orthodoxe Kirche ist in vielen Ländern Osteuropas die dominierende Konfession, darunter in Russland, Bulgarien und der Ukraine.

„Die Zeit der Kreuzzüge ist vorbei. Ich interessiere mich nicht für den russischen Patriarchen als Person. Mich interessiert, dass er an der Spitze der russisch-orthodoxen Kirche steht, die der orthodoxen Kirche angehört – genau wie unsere“, sagte Radev.

„Ich denke an die Millionen Menschen, die dieser Kirche angehören.“

Ein weiterer Name, den Bulgarien aus dem Sanktionspaket heraushalten wollte, ist der russische Milliardär und Lukoil-Gründer Vagit Alekperov. Er trat 2022 unter wachsendem internationalem Druck als Vorstandschef des Ölkonzerns zurück, hält aber weiterhin Anteile an dem Unternehmen.

Radev warnte, eine Aufnahme Alekperovs auf die EU-Sanktionsliste käme einem „Schuss ins eigene Bein“ gleich. Hintergrund ist eine Entschädigungsforderung in Höhe von drei Milliarden Euro, die Lukoil nach der staatlichen Übernahme der Raffinerie Neftochim Burgas geltend macht. Sie gilt als die größte Raffinerie auf dem Balkan.

Die Regierung in Sofia setzte im November 2025 einen staatlichen Sonderverwalter für die Anlage ein. Zuvor hatten die USA weitreichende Sanktionen gegen Lukoil verhängt und den Konzern dazu gezwungen, Teile seines internationalen Geschäfts zum Verkauf zu stellen.

Die Raffinerie verarbeitet inzwischen kein russisches Rohöl mehr, zählt mit Milliardenumsätzen aber weiterhin zu den wichtigsten Industrieunternehmen Bulgariens.

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