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Faktencheck: Fordert Europäisches Parlament FIFA-Ermittlungen?

FIFA-Präsident Gianni Infantino spricht am Mittwoch, dem zehnten Juni 2026, bei einer Pressekonferenz im Stadion in Mexiko-Stadt.
FIFA-Präsident Gianni Infantino spricht bei einer Pressekonferenz im Stadion in Mexiko-Stadt am Mittwoch, dem zehnten Juni 2026. Copyright  AP Photo
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Von Estelle Nilsson-Julien & Tamsin Paternoster
Zuerst veröffentlicht am
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In sozialen Netzwerken kursieren Falschbehauptungen: Das Europäische Parlament habe Ermittlungen gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino gefordert. Das stimmt nicht. Aber wie war es dann?

„Das Europäische Parlament hat eine Untersuchung gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino verlangt“, heißt es in einem Beitrag auf X, den bereits mehr als sechs Millionen Nutzer gesehen haben.

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Diese Behauptung ist jedoch irreführend. Zwar haben 72 Abgeordnete des Europäischen Parlaments einen Brief unterschrieben, in dem sie den Ethikausschuss der FIFA zu Ermittlungen gegen Infantino auffordern. Das Parlament selbst hat diese Forderung aber nicht offiziell übernommen.

Was ist passiert?

Der Streit geht auf eine Entscheidung der FIFA zurück. Der Verband hob eine automatische Ein-Spiel-Sperre für Folarin Balogun, Stürmer der US-Fußballnationalmannschaft, auf. Balogun war im Sieg der USA in der Runde der letzten 32 Teams gegen Bosnien und Herzegowina vom Platz gestellt worden.

Dieser Beitrag behauptet, das Europäische Parlament habe eine Untersuchung gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino wegen seiner Amtsführung verlangt.
Dieser Beitrag behauptet, das Europäische Parlament habe eine Untersuchung gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino wegen seiner Amtsführung verlangt. @theMadridZone

US-Präsident Donald Trump räumte öffentlich ein, die FIFA um eine Überprüfung des Falls gebeten zu haben. Er sagte vor Journalisten: „Ich habe nur um eine Überprüfung gebeten, weil ich nicht glaubte, dass es ein Foul war.“

Die Entscheidung löste bei belgischen Fans und Trainern heftige Kritik aus. Der Belgische Fußballverband bezeichnete sie als „erstaunlich“ und verlangte eine Erklärung von der FIFA.

Was steht in dem Schreiben?

Das Schreiben vom 8. Juli, unterzeichnet von 72 Europaabgeordneten, richtet sich an die Präsidenten der 27 nationalen Fußballverbände in den EU-Mitgliedstaaten.

Die Abgeordneten ersuchen darin nicht das Europäische Parlament um eine Untersuchung. Sie fordern vielmehr die Verbände auf, das unabhängige Ethikkomitee der FIFA einzuschalten. Dieses solle prüfen, ob politischer Druck das Verfahren beeinflusst hat und ob Infantino die FIFA-Regeln zur politischen Neutralität eingehalten hat.

In dem Euronews vorliegenden Schreiben betonen die Abgeordneten, die FIFA-Satzung und der Ethikkodex schrieben politische Neutralität vor. Die Mitgliedsverbände müssten dafür sorgen, dass die Führungspersönlichkeiten der FIFA zur Verantwortung gezogen werden, falls diese Regeln verletzt werden.

Zugleich stellen die Abgeordneten klar, dass sich ihre Sorge nicht gegen Balogun persönlich richtet. Sie schreiben, sie seien „nicht von dem Wunsch geleitet, einen einzelnen Fußballspieler bestraft zu sehen“, sondern wollten „sicherstellen, dass die Regeln so angewandt werden, dass die Integrität des Spiels gewahrt bleibt“.

Letztlich ist das Schreiben, anders als die virale Behauptung nahelegt, keine offizielle Position des Europäischen Parlaments. Es handelt sich um eine Initiative einzelner Abgeordneter.

Das Parlament hat keine Entschließung verabschiedet, in der eine Untersuchung verlangt wird, und auch nicht über eine Unterstützung des Briefes abgestimmt.

Reaktion der FIFA

Weder die FIFA noch Infantino haben bisher öffentlich auf das Schreiben reagiert.

Beide wiesen zuvor den Vorwurf zurück, der Fall Balogun sei von politischen Erwägungen beeinflusst gewesen. Die FIFA erklärte, die Aufhebung der Sperre sei von ihrem unabhängigen Disziplinarausschuss beschlossen worden.

Infantino bestätigte, dass das Telefonat mit Trump stattgefunden hat. Er habe dem US-Präsidenten jedoch erklärt, es laufe ein rechtliches Verfahren vor den zuständigen FIFA-Gremien und „der Fall werde zu gegebener Zeit von den zuständigen Stellen entschieden“, die seiner Darstellung nach unabhängig seien.

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