Brücken, Bahnhöfe, und Flughäfen: Die Heimatschutzdivision soll im Ernstfall Deutschland im Inland schützen. Im Rahmen seiner Sommerreise besuchte Verteidigungsminister Pistorius am Mittwoch die Division in der Justus-Leber-Kaserne in Berlin. Betont wurde die Vorbereitung auf hybride Bedrohungen.
Auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel hat sich Verteidigungsminister Boris Pistorius moderne Systeme zur Drohnenabwehr vorführen lassen.
Die Netzabfangdrohne "Falke A1" von Argus Interception sollte demonstrieren, wie sich eine unbefugte Drohne innerhalb kürzester Zeit mit einem Netz einfangen und sicher zu Boden bringen lässt. Dadurch sollen herabfallende Trümmer vermieden werden.
Die Vorführung musste jedoch wegen einer mutmaßlichen Funkstörung abgebrochen werden. Dennoch war der Vorfall ein anschauliches Beispiel dafür, worauf Pistorius bereits im Vorfeld hingewiesen hatte: Der Einsatz von Drohnen stelle eine „elementare Herausforderung“ für die Bundeswehr dar.
Eine junge Division
Dieser immer bedeutenderen Aufgabe stellt sich eine relativ neue Division. Die Heimatschutzdivision wurde im April 2025 als vierter Großverband des Heeres aufgestellt. Zuvor waren die Heimatschutzkräfte den Landeskommandos unterstellt. Ihr Auftrag: "Deutschland in Deutschland verteidigen".
Zu ihren Aufgaben gehören der Schutz kritischer Infrastruktur wie Brücken, Bahnanlagen, oder Energieanlagen, die Sicherung wichtiger Verkehrswege und die Unterstützung ziviler Behörden bei der Bewältigung von Naturkatastrophen.
Auch der Schutz vor hybriden Bedrohungen gehört inzwischen zu den zentralen Aufgaben der Heimatschutzdivision. Dazu zählen insbesondere die Aufklärung und Abwehr unbemannter Flugsysteme, die kritische Infrastruktur im Inland gefährden könnten.
Wie wichtig dieses Thema inzwischen ist, zeigte sich bereits bei der ersten Großübung der Division. Im Mittelpunkt von "Vigilant Roland" im Mai dieses Jahres standen unter anderem Übungen zur Drohnenabwehr. Bereits in der kommenden Woche nimmt zudem ein neuer Drohnenabwehrzug seinen Dienst auf.
Deutschland als NATO-Drehscheibe
Obwohl Deutschland heute nicht mehr an der Außengrenze der NATO liegt, kommt der Heimatschutzdivision im Verteidigungsfall eine Schlüsselrolle zu. Sie ist Teil des geheimen Operationsplans Deutschland, der die Zusammenarbeit von Bundeswehr, Behörden und Hilfsorganisationen im Krisenfall regelt.
Aufgrund seiner geografischen Lage gilt Deutschland als logistische Drehscheibe der NATO. Im Verteidigungsfall müssten alliierte Soldaten, Panzer, Munition und Versorgungsgüter in großer Zahl über deutsches Gebiet an die Ostflanke des Bündnisses verlegt werden.
Aufgabe der Heimatschutzdivision wäre es somit, diese sogenannte Military Mobility abzusichern und gleichzeitig wichtige Infrastruktur zu schützen.
Pistorius betonte, die Heimatschützer stärkten damit nicht nur die Sicherheit im Inland, sondern auch die "Verteidigungsfähigkeit und Agilität des NATO-Bündnisses".
Reservisten sind tragende Kraft
"Keyplayer im Heimatschutz": Mit diesen Worten würdigte Pistorius die Reservistinnen und Reservisten, die den Großteil des Verbands ausmachen.
Derzeit gehören ihm rund 4.400 Reservedienstleistende sowie knapp 400 aktive Soldaten an. Langfristig sind rund 6.500 Dienstposten vorgesehen. Nach Angaben von Generalmajor Andreas Henne sind derzeit rund 70 Prozent dieser Stellen besetzt, und perspektivisch könne der Verband in den nächsten Jahren sogar auf mehr als 10.000 Angehörige anwachsen.
Auszeichnung für das Wachbataillon
Neben dem Besuch der Heimatschutzdivision stand auch die feierliche Ehrung des 1957 aufgestellten Wachbataillons auf dem Programm. Der traditionsreiche Verband übernimmt das militärische Zeremoniell der Bundesrepublik und schützt im Verteidigungsfall unter anderem wichtige staatliche Einrichtungen.
Pistorius verlieh dem Wachbataillon mit dem Fahnenband eine besondere Auszeichnung für militärische Verbände. Zudem lobte er das Bataillon als "Visitenkarte des Landes und Schutzschild zugleich".