Im Bundestag ist der Kauf von vier U-Boot-Jagd-Fregatten beschlossen worden. Diese sollen vor allem in der sogenannten GIUK-Lücke zwischen Grönland, Island und Großbritannien eingesetzt werden. Doch was steckt dahinter?
Der Haushaltsausschuss des Bundestags in Berlin hat kurz vor der Sommerpause den Kauf von vier U-Boot-Jagd-Fregatten vom Typ MEKO A-200 beschlossen - mit einer Option für vier weitere Schiffe. Für diesen neuen Großauftrag an die Kieler Werft TKMS (zuvor: ThyssenKrupp Marine Systems) werden 6,3 Milliarden Euro bereitgestellt. Die Option könnte laut Presseberichten mit Verweis auf das Bundesministerium für Verteidigung (BMVg) weitere 5,3 Milliarden Euro kosten.
Was ist die GIUK-Lücke und warum ist sie wichtig?
Diese Fregatten sollen laut Verteidigungsministerium Deutschlands Verteidigungsverpflichtungen gegenüber der NATO in der Nord- und Ostsee sowie im Nordatlantik erfüllen - besonders in der sogenannten GIUK-Lücke. GIUK steht für das Seegebiet zwischen Grönland, Island und UK - also Großbritannien.
Diese strategische Engstelle, die schon im Zweiten Weltkrieg eine Rolle spielte, sichert den Zugang zum Atlantik. Und der Nordatlantik ist der zentrale Verbindungsraum zwischen Europa und Nordamerika. Derzeit übernimmt laut dem deutschen Verteidigungsministerium vor allem die US-Navy die U-Boot-Jagd in diesem Gebiet.
Auch angesichts der Drohungen von US-Präsident Donald Trump gegen Grönland, der Dänemark vorwirft, nicht genug für die Sicherheit der Arktis zu tun, wollen die europäischen Alliierten in der GIUK-Lücke mehr Verantwortung übernehmen.
Dabei gilt die Arktis als Brennpunkt der NATO, denn die GIUK-Lücke ist relevant für die Infrastruktur zwischen Europa und den USA. Hier verlaufen Unterwasserkabel, die enorme Datenmengen transportieren und als attraktive Ziele für Spionage und Sabotage gelten.
Mit dem Angriffskrieg von Wladimir Putin gegen die Ukraine hat sich die Brisanz der russischen Präsenz in der Arktis verschärft.
Laut Bundeswehr ist Russland - seit es vor etwa 15 Jahren seine U-Boot-Flotte modernisiert hat - in der Region verstärkt militärisch präsent. Und die Kapazitäten der russischen Nordflotte übertreffen die Kapazitäten der NATO. Deshalb hält Anthony Heron vom Arctic Institute die Überwachung der GIUK-Lücke für besonders wichtig - auch für den Zugang zu Großbritannien.
Im vergangenen April waren auch britische und norwegische Kriegsschiffe gegen russische U-Boote an der Nordflanke der NATO im Einsatz.
Schmelzendes Eis schafft neue Handelswege
Durch den Klimawandel erwärmt sich die Arktis viel schneller als andere Orte der Erde. Was eine Gefahr für die Menschen und die Tiere darstellt, gilt als eine Chance für den Handel, da das Gebiet durch das schwindende Meereis für Schiffe zunehmend passierbar wird.
Der Polarforscher Dirk Notz hat untersucht, wie die Arktis 2100 aussehen könnte. "Es wird dort wahrscheinlich eine rege Handelsschifffahrt geben. Das hat nichts mehr mit dieser schnee- und eisbedeckten Landschaft zu tun, die heute dann doch das ganze Jahr über noch in der Arktis präsent ist," erklärt Notz im Deutschlandfunk.
Der geopolitische Kampf um die Arktis spielt schon seit Jahren eine entscheidende Rolle, denn dem UN-Seerechtsübereinkommen (UNCLOS) zufolge gehört den Anrainerstaaten – Russland, USA, Kanada, Dänemark (über Grönland) und Norwegen – nur eine Wirtschaftszone von 320 Kilometern vor ihrer Küste. Der Rest der Arktis ist gehört nach internationalem Recht niemandem - und weckt weltweit Profit-Interessen.
Die "außergewöhnlich seetüchtige" MEKO A-200
Laut Hersteller TKMS zeichnet sich die Fregatte MEKO®A-200, die die Bundeswehr vor Grönland einsetzen will, durch" außergewöhnliche Seetüchtigkeit und taktische Wendigkeit" aus und durch "unübertroffene Kursstabilität selbst bei schwierigen Seegangsbedingungen".
Auf einem dieser Schiffe, die 121 Meter lang sind, soll eine Crew von 125 Soldatinnen und Soldaten zum Einsatz kommen.
Die ersten MEKO-A-200-Kriegsschiffe für die Bundeswehr sollten 2029 vom Stapel laufen.