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Hundstage und die Hitze: Was ist dran am Volksglauben?

Maisernte unter Sommerhitze im US-Bundesstaat Illinois, Juli 2013
Maisernte unter Sommerhitze im US-Bundesstaat Illinois, Juli 2013 Copyright  AP Photo
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Von Lutz Faupel
Zuerst veröffentlicht am
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Am 23. Juli bereits hat die Zeit begonnen, die im Volksmund seit Jahrhunderten als "Hundstage" bezeichnet wird. Woher rührt der Name und welche wissenschaftlichen Belege gibt es für die angeblich heißesten Tage im Jahr?

"Hundstage heiß, bringen dem Bauern viel Schweiß" oder auch "Wenn die Hundstage Regen bereiten, kommen alsbald magere Zeiten", so lauten Bauernregeln zu den angeblich heißesten Tagen im Jahr. Die Sprüche verkünpfen die Zeit vom 23. Juli bis zum 23. August mit den Bedingungen, unter denen Landwirte ihrem Broterwerb nachgehen.

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Hundstage und die Ernte

In den beiden oben genannten Sprüchen geht es um die Ernte, die der Bauer in den heißen Tagen unter besonderer körperlicher Anstrengung einbringen muss, aber auch um die übrigen Wetterbedingungen in diesem Monat von Ende Juli bis Ende August. Denn Weizen, Roggen und Co. können noch auf dem Feld durch Regen und Unwetter verderben. Für den Bauern bedeutete dies nicht nur in früheren Zeiten einen wirtschaftlichen Schaden und im schlimmsten Fall den Entzug der Lebensgrundlage für Familie, Knechte und Mägde.

Die Hundstage sollen den Bauernregeln zufolge auch Auswirkungen auf die Wetterbedingungen im übrigen und im folgenden Jahr haben. "Werden die Hundstage heiß, bleibt's im Winter länger weiß", heißt es da. Hier werden zwei Wetterextreme in einen kausalen Zusammenhangt gestellt. Anders formuliert: Wer im Sommer schwitzt, wird im Winter frieren. Auch das kann Auswirkungen auf die Landwirtschaft haben, etwa mit Blick auf das Überleben von Schädlingen.

Sternenkunde als Ausgangspunkt und heutige Gültigkeit

Der Begriff hat seinen Ursprung jedoch nicht in der Meteorologie, sondern in der Astronomie, wie das Amt für Geoinformation, Vermessungs- und Katasterwesen in Schwerin auf seiner Website berichtet:

"Ihren Namen verdanken sie dem Doppelstern Sirius und dem Sternbild großer Hund, die in der Antike an den Hundstagen (23. Juli bis 23. August) zusammen mit der Sonne auf- und untergingen." In einer vorindustriellen Zeit, in der den Sternen als Orientierungshilfe auch im Alltag der Menschen noch große Bedeutung zukam, sei aus dieser Himmelsbeobachtung dann die Bezeichnung "Hundstage" hervorgegangen.

Sternenhimmel über der Slowakei, 8. Juni 2019
Sternenhimmel über der Slowakei, 8. Juni 2019 AP Photo

Aus heutiger Sicht sei dieser astronomische Bezug allerdings überholt. Aufgrund der langsamen Veränderung der Erdachse erscheine Sirius inzwischen erst gegen Ende August wieder am Himmel, so das Amt des heute noch landwirtschaftlich geprägten Landes Mecklenburg-Vorpommern. Mit dem Zeitraum der Hundstage (lateinisch: dies caniculares) stimme Sirius' Sichtbarkeit daher längst nicht mehr überein.

Natürlich spielt die Stellung dieser Sterne für das Wettergeschehen keine Rolle.
Amt für Geoinformation, Vermessungs- und Katasterwesen von Mecklenburg-Vorpommern

"Der Zeitraum ergibt sich vielmehr aus einem Zusammenspiel zwischen dem Sonnenhöchststand am 21. Juni und der Trägheit der Ozeane, die sich nur langsam erwärmen", so heißt es weiter auf der Internetseite.

Als Sommertag gilt nach Definition des Deutschen Wetterdienstes übrigens ein Tag mit einer Höchsttemperatur von mindestens 25 Grad Celsius. Diese Grenze wurde in diesem Jahr bereits vor dem Zeitraum der Hundstage überschritten, etwa im Juni.

Vorhersagen zur Gesundheit

In früheren Zeiten war man etwa davon überzeugt, dass ein Bad in offenen Gewässern während der Hundstage zu Hautkrankheiten führen könne, so etwa zu Krätze. Man ging davon aus, dass große Hitze Gewässer giftig werden lasse.

Ein Körnchen Wahrheit mag sich darin finden. So fördert große Hitze nicht nur in stehenden Gewässern das Algenwachstum. Ein Bad in so belasteten Tümpeln, Seen oder Weihern kann tatsächlich zu Hautreizungen, Übelkeit und Erbrechen führen, so berichtet die Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes auf ihrer Internetseite. Zu Hautirritationen können demnach auch die Larven von Saugwürmern beitragen, die sich in warmem Wasser vermehren.

Kleiner See im Taunus bei Frankfurt, 7. Juli 2026
Kleiner See im Taunus bei Frankfurt, 7. Juli 2026 AP Photo

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) warnt davor, mit aufgeheiztem Körper kopfüber in kaltes Wasser zu springen. Denn ein solcher Temperaturwechsel könne schlimmstenfalls zu Herz-Kreislauf-Versagen führen. Insofern stimmt die Behauptung, dass ein Sprung ins Wasser Gefahren mit sich bringen kann.

Entgrenzung der Hundstage

Der Volksmund hat die Bedeutung der Hundstage auch in andere Lebensbereiche übernommen. So werden schwierige und anstrengende, unerfreuliche Lebensphasen oder gar partnerschaftliche Krisen als "Hundstage" bezeichnet, analog etwa zur sogenannten "Saure-Gurken-Zeit" oder zur "Durststrecke".

Die zahlreichen Berichte über die Temperaturrekorde im gerade verangenen Juli stützen die These, dass es in dieseir Zeit besonders heiß werden kann. Hochsommer eben.

Der Klimawandel aber dürfte die vom Volksmund streng umfasste Dauer der Hundstage längst gesprengt haben. Denn allein in diesem Jahr gab es bereits im Juni sehr heiße Tage. In Saarbrücken etwa stieg das Thermometer laut Deutschem Wetterdienst bereits vor Beginn des Monats Juli auf bis zu 41,1 Grad Celsius.

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