Island lehnt den EU-Beitritt ab: Wie steht es um die Erweiterung? Neun Bewerberstaaten warten, doch kein Land wäre dem Eintritt so nah wie Island gewesen.
Bei einer knappen Abstimmung haben 52,8 Prozent der Isländerinnen und Isländer gegen einen Beitritt zur EU gestimmt, 47,2 Prozent waren dafür.
Die Abstimmung fällt in eine Phase, in der die EU ihre Erweiterungspläne forciert. Zurzeit gibt es neun offizielle Beitrittskandidaten, darunter die Ukraine, Moldau, Albanien, Montenegro und mehrere Staaten des Westbalkans. Kosovo gilt als potenzieller Kandidat.
Der großangelegte russische Angriff auf die Ukraine hat der Debatte neue geopolitische Dringlichkeit verliehen. In Brüssel gilt die Erweiterung zugleich als Mittel, den Binnenmarkt auszuweiten, demokratische Reformen zu fördern und Europa zu stärken.
Mit jedem neuen Mitglied wächst der Binnenmarkt der EU; derzeit unterstützen 56 Prozent der europäischen Bürgerinnen und Bürger eine weitere Erweiterung. Eine größere Union setzt den EU-Haushalt jedoch unter Druck, erschwert Entscheidungen zwischen den Staaten und führt zu Konflikten über Geld und Einfluss.
Wer der EU beitreten will, muss das Unionsrecht in 33 Kapiteln, also Politikbereichen, übernehmen, die zu sechs Clustern zusammengefasst sind. Am Ende entscheiden die Mitgliedstaaten einstimmig, denn für jeden Beitritt ist die Zustimmung aller 27 EU-Länder nötig. Das bislang letzte Land, das der Union beitrat, war 2013 Kroatien.
Soll die EU noch mehr Ländern die Tür öffnen? Ist das Aufnahmeverfahren streng genug? Unsere Umfrage ist anonym und dauert nur wenige Sekunden. Die Ergebnisse werden in der EU-weiten Berichterstattung von XL erscheinen – in Videos, Artikeln und Newslettern – und helfen, unsere Recherchen zu prägen, wenn wir der Frage nachgehen, wie Europa seine Position im Zeitalter der künstlichen Intelligenz sichern kann.