Nach den Sprengstoff-Drohnen in Leipzig wollte der Kanzler Berichten zufolge schon vorher reagieren. Russlands Antwort auf die deutschen Strafmaßnahmen erfolgt prompt.
Die Antwort des Kreml auf die deutschen Strafmaßnahmen wegen der Sprengstoff-Drohnen am Flughafen Leipzig/Halle erfolgt prompt - sie war allerdings von Deutschland erwartet worden. Wie die staatlichen Nachrichtenagenturen Tass und Interfax melden, hat Außenminister Sergej Lawrow die Schließung der deutschen Goethe-Institute in Russland angeordnet.
Experten hatten mit einer "Spiegelbild"-Reaktion der russischen Regierung gerechnet: Da die deutsche Regierung den Vertrag mit dem Russischen Haus in Berlin beendet, macht Moskau die deutschen Kultureinrichtungen des Goethe-Instituts dicht.
Deutschland habe "eindeutig das Ende seiner kulturellen Präsenz in der Russischen Föderation" in Kauf genommen, indem es das Russische Haus schließe, erklärte Lawrow. Wie Präsident Wladimir Putin bestritt der Außenminister Russlands Beteiligung an den Drohnen in Leipzig. Die deutschen Behörden hätten keinerlei Beweise vorgelegt. Sie hätten eine Drohne gesehen und entschieden, dass sie so aussehe wie eine russische, so Lawrow.
Nach Angaben des Goethe-Instituts gibt es neben dem Hauptsitz in Moskau noch Kulturinstitute in St. Petersburg und Jekaterinburg. "Natürlich werden sie geschlossen, nachdem unser Kulturzentrum von dort (Berlin) vertrieben wurde", sagte Lawrow beim Östlichen Wirtschaftsforum in Wladiwostok. Ob auch alle Sprachlernzentren des Goethe-Instituts in Russland ihre Arbeit einstellen müssen, war zunächst nicht klar.
Schon am Mittwoch hatte der Kreml den höchsten diplomatischen Vertreter Deutschlands einbestellt, nachdem Berlin den russischen Botschafter vorgeladen hatte.
Mit weiteren russischen Strafmaßnahmen beispielsweise gegen das deutsche Generalkonsulat in St. Petersburg wurde gerechnet.
Warum Merz nicht früher reagiert hat
Wie der SPIEGEL berichtet, wollte Bundeskanzler Friedrich Merz schon kurz nach seiner Rückkehr aus dem Sommerurlaub am 25. August mit Sanktionen gegen Russland auf die Drohnen am Flughafen Leipzig/Halle reagieren.
Der Kanzler ließ sich während seiner dreiwöchigen Ferien am Tegernsee dem Bericht zufolge oft mehrmals täglich über den Drohnen-Vorfall vom 4. August informieren.
Bei der Klausurtagung in Schloss Neuhardenburg hatte Merz Gespräche mit Innenminister Alexander Dobrindt, Außenminister Johann Wadephul und dem sicherheitspolitischen Berater des Kanzlers Günter Sautter geführt. Dabei hatten sich laut dem Bericht die beiden Minister gegen sofortige Strafmaßnahmen ausgesprochen.
Der Innenminister erklärte, dass es die Ermittlungen gefährden könnte, wenn die Regierung Russland öffentlich des Angriffs bezichtige. Und der Außenminister wollte vor den russischen Reaktionen deutsche Diplomaten vorwarnen sowie Daten und Dokumente in Sicherheit bringen.
Deshalb kündigte Friedrich Merz in seiner ersten Stellungnahme nach den Drohnen von Leipzig in Neuhardenburg lediglich an, dass die Verantwortlichen "bezahlen" müssten.
Genau die beiden Minister, die Merz bremsten, haben die Sanktionen gegen Russland dann in der folgenden Woche verkündet.
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