DeepSeek, Chinas führendes KI-Start-up, ist in Belarus, Russland, Syrien, Iran und Äthiopien besonders gefragt. Eine neue Microsoft-Studie belegt das.
Die chinesische KI DeepSeek setzt sich in vielen Entwicklungsländern durch und überholt US-Modelle, die im Westen beliebt sind. Das zeigt ein neuer Bericht von Microsoft.
Im globalen Wettlauf um die Vorherrschaft bei KI steigt DeepSeek rasant auf. Die offenen, kostengünstigen Modelle greifen führende US-Plattformen wie ChatGPT von OpenAI und Gemini von Google an.
Der jüngste Microsoft-Bericht schätzt DeepSeeks Marktanteil in Belarus auf 56 Prozent, in Kuba auf 49 Prozent und in Russland auf 43 Prozent. Das chinesische Start-up kommt auch in Syrien, Iran sowie in afrikanischen Ländern wie Äthiopien, Simbabwe, Uganda und Niger gut an.
In China erreicht DeepSeek den höchsten Anteil: rund 89 Prozent des KI-Markts.
Warum ist DeepSeek im Globalen Süden so beliebt?
Als Gründe nennt der Bericht Beschränkungen für US-Dienste in diesen Ländern und insgesamt begrenzten Zugang zu ausländischer Technologie.
Zudem ist DeepSeek auf chinesischen Smartphones, etwa von Huawei, als Standard-Chatbot voreingestellt.
DeepSeek bietet einen kostenlos nutzbaren Chatbot im Web und auf dem Handy und gibt Entwicklerinnen und Entwicklern weltweit Zugang, um das Kernsystem anzupassen und darauf aufzubauen. Die fehlenden Abogebühren haben „die Hürde für Millionen von Nutzerinnen und Nutzern gesenkt, besonders in preissensiblen Regionen“, heißt es im Microsoft-Bericht.
Die offene und erschwingliche Plattform „hat DeepSeek in Märkten Fuß fassen lassen, die westliche KI-Plattformen bislang kaum bedienen“, schreibt der Bericht.
„Der Aufstieg von DeepSeek zeigt: Der weltweite KI-Einsatz hängt so sehr von Zugang und Verfügbarkeit ab wie von der Qualität der Modelle“, schreibt Microsoft.
Der Bericht nennt auch mögliche Folgen der Popularität im Globalen Süden. Die Technologie könne als „geopolitisches Instrument“ wirken und „chinesischen Einfluss dort ausweiten, wo westliche Plattformen nur schwer operieren können“.
Die Nutzung von DeepSeek in Nordamerika und Europa bleibt gering, heißt es weiter. Einige europäische Länder wie Italien, Dänemark und Tschechien untersagten Behörden die Nutzung von DeepSeek-Modellen auf ihren Geräten wegen Datensicherheits- und Cybersicherheitsbedenken. Lokale Medien in Belgien berichten, dass Regierungsvertreter die Nutzung im Dezember einstellten.
KI-Nutzung wächst im Globalen Norden doppelt so schnell wie im Süden, sagt Microsoft
DeepSeek ist im Globalen Süden beliebt. Doch im Globalen Norden steigt die KI-Nutzung fast doppelt so schnell.
„Wir beobachten eine Kluft und fürchten, dass sie weiter wächst“, sagte Juan Lavista Ferres, Chief Data Scientist im Microsoft-Labor AI for Good, der Nachrichtenagentur Associated Press.
Der Bericht beziffert die weltweite Nutzung generativer KI-Werkzeuge in den drei Monaten bis Dezember auf 16 Prozent der Bevölkerung. In den drei Monaten davor waren es 15 Prozent.
Vorn liegen Länder, die früh und konsequent in digitale Infrastruktur und KI investierten, darunter die Vereinigten Arabischen Emirate, Singapur, Frankreich und Spanien.
Dieser Befund widerspricht einer Umfrage der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) unter mehr als 14.000 Menschen im Dezember.
Sie ergab, dass junge Nutzerinnen und Nutzer der Gen Z im Globalen Süden KI schneller nutzen als ältere Generationen und ihre Altersgruppe im Globalen Norden.