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Ersetzt KI Arbeitsplätze? Anthropic-Bericht: Antwort ist nicht so eindeutig

Dieses Foto zeigt die Website und die Smartphone-App von Anthropic. Aufgenommen in New York am fünften Juli 2024.
Das Foto zeigt die Website und die Handy-App von Anthropic in New York, am fünften Juli 2024. Copyright  AP Photo/Richard Drew
Copyright AP Photo/Richard Drew
Von Roselyne Min
Zuerst veröffentlicht am
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Ein Bericht von Anthropic untersucht, wie Menschen und Unternehmen den KI-Assistenten Claude nutzen. Grundlage ist eine große Stichprobe anonymisierter Gespräche.

Trotz verbreiteter Sorge vor Jobverlusten durch Künstliche Intelligenz (KI): Derzeit unterstützt die Technologie Beschäftigte statt Stellen zu vernichten, wie eine Studie des KI-Unternehmens Anthropic nahelegt.

Die Lage ist jedoch komplexer, denn KI verändert Tätigkeiten je nach Rolle unterschiedlich. Das steht im Kontrast zu früheren Aussagen von CEO Dario Amodei, wonach KI die Hälfte aller Einstiegsjobs im Bürobereich verdrängen könnte.

Der Bericht schaut nicht nur darauf, wie oft KI eingesetzt wird. Er untersucht genauer, für welche Aufgaben sie genutzt wird und ob sie erfolgreich ist, und führt Kennzahlen ein, die die Autorinnen und Autoren „ökonomische Grundgrößen“ nennen.

Diese Größen erfassen, für welche Aufgaben Menschen KI einsetzen und wie schwierig sie sind. Sie berücksichtigen außerdem, welches Bildungsniveau nötig ist, um sowohl die Anfrage der Nutzerin oder des Nutzers als auch die KI-Antwort zu verstehen, wie viel Eigenständigkeit die KI bekommt und wie zuverlässig sie den Auftrag erledigt.

Die Autorinnen und Autoren sehen darin „eine neue Perspektive, um die Auswirkungen von KI auf die Wirtschaft zu verstehen“.

Die Studie zeigt: Bei 49 Prozent der Jobs lässt sich KI inzwischen in mindestens einem Viertel der Aufgaben einsetzen. Das ist ein Plus von 13 Prozent gegenüber Anfang 2025.

Der Bericht analysierte, wie Menschen und Unternehmen den KI-Assistenten Claude im November 2025 nutzten. Grundlage ist eine anonymisierte Stichprobe von zwei Millionen echten Gesprächen aus den kostenlosen und kostenpflichtigen Diensten.

Nutzung bleibt je nach Beruf und Land ungleich

Laut Bericht konzentriert sich die Claude-Nutzung auf bestimmte Aufgaben. Die meisten betreffen Programmierung.

Insgesamt kommt KI am häufigsten bei Aufgaben zum Einsatz, die ein höheres Bildungsniveau als der Durchschnitt der Volkswirtschaft erfordern, etwa Anfragen in der Softwareentwicklung.

Nicht alle Bürojobs sind gleichermaßen betroffen. Die Technologie kann Mitarbeitende weiterqualifizieren oder Fähigkeiten entwerten.

In manchen Berufen nimmt sie die anspruchsvollsten Aufgaben weg, in anderen die einfachsten.

Der Bericht hebt auch geografische Unterschiede hervor. Länder mit höherem Einkommen nutzen KI häufiger, und zwar sowohl für berufliche als auch für private Aufgaben. Länder mit niedrigerem Einkommen verzeichnen einen höheren Anteil an Bildungsnutzung.

Arbeitsbezogene Aufgaben machen den größten Anteil der Claude-Nutzung aus. Bildungszwecke sind in Ländern mit niedrigerem Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf am verbreitetsten. Wohlhabendere Länder zeigen dagegen mehr private Nutzung.

Anthropic erklärt das mit unterschiedlichen Einführungsphasen: In einkommensschwächeren Ländern setzen Nutzerinnen und Nutzer KI eher für Bildung ein. In reicheren Volkswirtschaften weitet sich die Nutzung auf Alltags- und Privataufgaben aus.

Verstehen, wie KI genutzt wird, ist wichtig

Die Forschenden untersuchten auch, ob Menschen Claude zur vollständigen Automatisierung einer Aufgabe einsetzen oder zur Unterstützung ihrer Arbeit.

Automatisierung bedeutet meist, der KI eine Aufgabe mit wenig Interaktion zu überlassen, etwa einen Text in eine andere Sprache zu übersetzen. Unterstützung heißt Zusammenarbeit, zum Beispiel beim Entwurf und der Überarbeitung eines Dokuments.

Auf der Claude-Website betrafen 52 Prozent der arbeitsbezogenen Gespräche unterstützte Aufgaben. Das ist fünf Prozent weniger als im Januar vergangenen Jahres.

Der Bericht zeigt zudem: Komplexere Aufgaben sind weniger zuverlässig. Werden Aufgaben länger oder schwieriger, sinkt die Erfolgsquote von Claude. Das verringert am Ende die Zeitersparnis für Menschen.

Frühere Schätzungen gingen oft davon aus, dass KI-Aufgaben erfolgreich sind, sobald die Technologie eingesetzt wird. Wenn man Fehler und den Bedarf an menschlicher Prüfung und Korrektur einrechnet, fällt der Produktivitätsgewinn vorsichtiger aus.

„Claude tut sich mit komplexeren Aufgaben schwer: Je länger ein Mensch für die Aufgabe brauchen würde, desto stärker fällt die Erfolgsquote“, schreiben die Autorinnen und Autoren.

Es ist die vierte Ausgabe von Anthropics Wirtschaftsindex. Er zeigt, wie KI in die Arbeitswelt einzieht und welche Folgen das für Jobs und Produktivität haben könnte.

Die Autorinnen und Autoren argumentieren, dass es ebenso wichtig ist zu verstehen, wie KI genutzt wird, wie zu messen, wie breit sie angenommen wird.

„Wie offen Nutzerinnen und Nutzer für Experimente sind und ob die Politik einen Regulierungsrahmen schafft, der Sicherheit und Innovation zugleich voranbringt, wird bestimmen, wie KI Volkswirtschaften verändert“, heißt es in dem Bericht.

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