Die Bildplattform Pinterest hat zwei Entwickler entlassen, weil sie ein internes Tool bauten, das vorhersagen sollte, welche Beschäftigten demnächst ihren Job verlieren.
Pinterest hat zwei Beschäftigte entlassen, weil sie ein Tool entwickelt hatten, mit dem sie verfolgen wollten, welche Kolleginnen und Kollegen von den jüngsten Entlassungen betroffen waren.
In der vergangenen Woche informierte das Unternehmen seine Anleger, dass etwa 15 Prozent der Belegschaft wegfallen sollen, rund 700 Stellen. Pinterest will seine Strategie stärker auf Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz (KI) ausrichten.
Welche einzelnen Beschäftigten oder Teams betroffen sind, teilte der Konzern jedoch nicht mit.
Daraufhin entwickelten zwei Ingenieure ein internes Software-Tool, also eigens geschriebenen Code, um betroffene Beschäftigte zu identifizieren.
Das Tool griff auf Daten aus internen Kommunikationsplattformen wie Slack zu und meldete, wenn Namen von Beschäftigten aus Chats oder Systemen verschwanden oder deaktiviert wurden.
„Nachdem wir klar kommuniziert hatten, dass Pinterest keine umfassenden Informationen über die betroffenen Beschäftigten veröffentlichen wird, haben zwei Ingenieure eigene Skripte geschrieben. Damit haben sie unerlaubt auf vertrauliche Unternehmensdaten zugegriffen, um die Standorte und Namen aller entlassenen Mitarbeiter zu ermitteln und diese Informationen dann breiter zu verbreiten“, erklärte ein Pinterest-Sprecher, wie CNBC berichtet.
„Das verstieß eindeutig gegen die Richtlinien von Pinterest und gegen den Schutz der Privatsphäre ihrer ehemaligen Kolleginnen und Kollegen.“
Die Entlassungen sollen voraussichtlich bis Ende September dieses Jahres abgeschlossen sein. Pinterest will zudem Büroflächen abbauen, im Rahmen eines größeren Umbauplans, der Finanzmittel für KI-Projekte freimachen soll.
Schon jetzt setzt das Unternehmen stark auf KI. Sie soll Nutzerinnen und Nutzern relevantere und persönlich zugeschnittene Inhalte anzeigen, die Treue zur Plattform stärken und das digitale Marketing unterstützen.
Pinterest-CEO Bill Ready kritisierte die betroffenen Beschäftigten in einer unternehmensweiten Sitzung in der vergangenen Woche scharf und bezeichnete sie laut CNBC als „obstructionist“, also als blockierend.
„Sachliche Debatten und Widerspruch sind ausdrücklich erwünscht, so treffen wir unsere Entscheidungen. Aber es gibt eine klare Grenze zwischen konstruktiver Debatte und Verhalten, das nur blockiert“, zitierte CNBC den Manager. Wer die beiden entlassenen Beschäftigten sind, ist bislang nicht bekannt.
Euronews Next bat Pinterest um eine Stellungnahme, erhielt bis zur Veröffentlichung dieses Artikels jedoch keine Antwort.
Tech-Branche streicht immer mehr Stellen im KI-Wettlauf
Pinterest ist Anfang 2026 zum jüngsten Tech-Konzern geworden, der Stellenstreichungen angekündigt hat. In den vergangenen vier Jahren verloren nach Angaben der Tracking-Website Layoffs.fyi rund 700.000 Beschäftigte der Tech-Branche ihren Job.
Ein wichtiger Auslöser für die Kürzungen in Unternehmen wie Pinterest ist der Boom von KI-Tools und Chatbots für Verbraucherinnen und Verbraucher von Google, OpenAI und anderen. Viele Konzerne fürchten, dass ihnen Nutzerinnen, Nutzer und Werbeeinnahmen abwandern. Auch der Trend zu KI-Assistenten im Online-Shopping verstärkt diesen Druck.
In der vergangenen Woche strich auch Amazon 16.000 Stellen, nachdem der Konzern bereits im Oktober 14.000 Beschäftigte entlassen hatte.
Hinzu kommen laufende US-Zölle, die das Werbegeschäft zahlreicher internationaler Handelsketten belasten. Das verstärkt den Spardruck und führt zu weiteren umfassenden Umbauprogrammen.