Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Digital Services Act: EU-Kommission wirft TikTok Sucht-Design vor

DATEI - Das TikTok-Logo ist auf einem Mobiltelefon vor einem Computerbildschirm zu sehen, der den TikTok-Startbildschirm anzeigt, Samstag, 18. März 2023, in Boston
DATEI - Das TikTok-Logo ist auf einem Mobiltelefon vor einem Computerbildschirm zu sehen, der den TikTok-Startbildschirm anzeigt, Samstag, 18. März 2023, in Boston Copyright  AP Photo/Michael Dwyer, File
Copyright AP Photo/Michael Dwyer, File
Von Anna Desmarais
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare
Teilen Close Button
Den Link zum Einbetten des Videos kopieren Copy to clipboard Link kopiert!

Die Europäische Kommission stellte fest, dass TikTok süchtig machende Funktionen wie das unendliche Scrollen, das zu zwanghaftem Verhalten anregt, nicht ausreichend eingeschränkt hat.

Das suchtfördernde Design von TikTok verstößt gegen das europäische Gesetz über digitale Dienste (DSA) und bietet Nutzern keinen ausreichenden Schutz. Zu diesem vorläufigen Ergebnis kommt die Europäische Kommission in einer am Freitag veröffentlichten Einschätzung.

Nach Angaben der Kommission setzt die Video-Plattform gezielt auf Mechanismen wie unendliches Scrollen. Nutzer werden dabei jedes Mal, wenn sie den Bildschirm aktualisieren, automatisch mit neuen Inhalten versorgt. Diese Funktionen versetzen das Gehirn in einen sogenannten "Autopilot-Modus" und fördern zwanghaftes Verhalten, etwa das wiederholte Öffnen und Scrollen durch die App, so die Regulierungsbehörden.

Die vorläufigen Ergebnisse spiegeln den wachsenden Druck auf soziale Medien wider, insbesondere im Hinblick auf die Bildschirmzeit von Kindern und Jugendlichen. Weltweit stellen Aufsichtsbehörden zunehmend infrage, ob Technologieunternehmen genug tun, um junge Nutzer vor suchtfördernden Designmerkmalen zu schützen.

Die Kommission kommt zu dem Schluss, dass TikTok offenbar nicht ausreichend in der Lage ist, wirksame Schutzmaßnahmen gegen die Risiken seiner eigenen Funktionen zu ergreifen.

"Die Abhängigkeit von sozialen Medien kann schädliche Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen haben", sagte Henna Virkkunen, Vizepräsidentin der Europäischen Kommission und zuständig für technologische Souveränität, Sicherheit und Demokratie. "Der Digital Services Act verpflichtet Plattformen dazu, Verantwortung für die Auswirkungen ihrer Dienste zu übernehmen. In Europa setzen wir diese Regeln durch, um Kinder und Bürger online zu schützen", fügte sie hinzu.

Nach Ansicht der Kommission muss TikTok dafür das grundlegende Design seines Dienstes verändern.

Kritik äußerte die Behörde unter anderem an der Funktion "Daily Screen Time". Diese erlaubt es Nutzern, ein Zeitlimit festzulegen und bei dessen Erreichen eine Warnung zu erhalten. Für 13- bis 17-Jährige ist standardmäßig ein Limit von einer Stunde eingestellt. Die Kommission hält diese Maßnahme jedoch für unwirksam, da die Hinweise leicht zu übersehen seien.

TikTok-Icon, 7. August 2020
TikTok-Icon, 7. August 2020 Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved

Auch die elterlichen Kontrollfunktionen stehen in der Kritik. Mit dem sogenannten "Family Pairing" können Eltern unter anderem Bildschirmzeiten begrenzen oder Inhalte einschränken. Nach Ansicht der Kommission sind diese Instrumente jedoch wenig effektiv, da sie zusätzlichen Zeitaufwand und technisches Know-how der Eltern erfordern.

Um den Vorgaben des Digital Services Act zu entsprechen, müsse TikTok daher zentrale Designentscheidungen überarbeiten. Vorgeschlagen werden unter anderem die Abschaltung des unendlichen Scrollens, wirksamere Pausenfunktionen sowie Anpassungen am Empfehlungssystem der App.

Reaktion von TikTok: "Falsch und völlig unbegründet"

TikTok wies die Vorwürfe zurück. In einer E-Mail an Euronews Next bezeichnete das Unternehmen die vorläufigen Ergebnisse der Kommission als "kategorisch falsch und völlig unbegründet". Man werde alle verfügbaren Mittel nutzen, um die Feststellungen anzufechten.

Das Unternehmen erklärte außerdem, es gebe keinen einheitlichen Expertenkonsens zur Regulierung von Bildschirmzeit. Deshalb stelle TikTok verschiedene Werkzeuge bereit, mit denen Nutzer ihre Nutzung selbst steuern könnten. Dazu zählen unter anderem Schlafenszeit-Erinnerungen sowie sogenannte Wohlfühl-Missionen, bei denen Nutzer für das Einhalten persönlicher Grenzen belohnt werden.

Wie geht es weiter?

Die 2024 eingeleitete Untersuchung prüft, ob TikTok die Vorgaben des Digital Services Act einhält. Das EU-Gesetz verpflichtet große Online-Plattformen zu wirksamem Risikomanagement, Inhaltsmoderation und mehr Transparenz.

Im Rahmen der Untersuchung analysierte die Kommission unter anderem interne Risikobewertungen des Unternehmens, Unternehmensdaten sowie wissenschaftliche Studien zu Verhaltenssucht. Bereits im vergangenen Oktober hatte die Kommission festgestellt, dass TikTok und Meta gegen Datenschutzregeln verstoßen haben, weil sie Forschern den Zugang zu öffentlichen Daten erschwerten.

Die aktuellen Feststellungen sind vorläufig. Bußgelder oder Strafen wurden bislang nicht verhängt, das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. TikTok hat nun Gelegenheit, schriftlich Stellung zu nehmen und eigene Lösungsvorschläge einzureichen. Zudem wird die Kommission den Europäischen Rat für digitale Dienste konsultieren.

Sollte es zu einer formellen Feststellung der Nichteinhaltung kommen, droht TikTok eine Geldstrafe von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.

Im Zuge der laufenden DSA-Untersuchung hat TikTok bereits angekündigt, seine Transparenz zu verbessern. Künftig will das Unternehmen alle auf der Plattform geschalteten Anzeigen in einem öffentlich zugänglichen Online-Register veröffentlichen, das alle 24 Stunden aktualisiert wird.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Weltraumschrott könnte Flüge ausbremsen: Satelliten verstopfen Erdorbit

Schwarzes Loch strahlt bis zu hundert Billionen Mal stärker als der Todesstern aus Star Wars

Deutschland eröffnet erste KI-Fabrik für mehr digitale Souveränität in Europa