Die EU treibt den Aufbau eigener KI-Infrastruktur voran und will unabhängiger von ausländischen Anbietern werden. In München startete nun eines der größten europäischen KI-Rechenzentren.
Deutschland hat eine der größten KI-Fabriken Europas in Betrieb genommen. Damit will das Land – und mit ihm die Europäische Union – zu einem wichtigen Akteur im Bereich souveräner künstlicher Intelligenz(KI) werden.
Die Anlage trägt den Namen „Industrial AI Cloud“. Deutsche Telekom hat sie gemeinsam mit NVIDIA und dem Rechenzentrumspartner Polarise entwickelt. Nach rund sechs Monaten Bauzeit stellten die Unternehmen das Projekt am Mittwoch in München vor.
Die Anlage bietet Hochleistungsrechenkapazitäten für KI-Anwendungen in Unternehmen, Forschung und Verwaltung. Gleichzeitig bleiben Daten und Betrieb vollständig unter europäischer Gerichtsbarkeit.
Telekom-Chef Tim Höttges bezeichnete das Projekt als Prüfstein für Europas Ansprüche. „Wir investieren in KI, in den Wirtschaftsstandort Deutschland und in Europa … Wir beweisen hier, dass Europa KI kann“, sagte Höttges.
Die KI-Fabrik nutzt fast 10.000 NVIDIA-Blackwell-GPUs und erreicht bis zu einem halben ExaFLOPS Rechenleistung – nach Angaben der Telekom genug, damit alle 450 Millionen EU-Bürgerinnen und -Bürger gleichzeitig einen KI-Assistenten nutzen könnten.
Entscheidend ist: Die Infrastruktur unterliegt strengen deutschen und EU-Datenschutzregeln. Das gilt als zentrale Säule dessen, was Politik und Behörden digitale Souveränität nennen.
Deutschlands Vizepräsident und Finanzminister Lars Klingbeil erklärte, das Projekt zeige, dass private Investitionen mit den politischen Zielsetzungen Schritt halten. „Technologische Spitzenstellung muss das Herzstück des künftigen Geschäftsmodells Deutschlands sein“, sagte er. Die neue Fabrik „stärkt die digitale Souveränität“.
Das Vorhaben rückt auch den sogenannten „Deutschland-Stack“ in den Fokus, den Telekom gemeinsam mit SAP entwickelt hat. Er bündelt Cloud-Infrastruktur, Unternehmenssoftware und KI-Werkzeuge auf einer Plattform für Firmen und öffentliche Einrichtungen.
Industrielle Anwendungen stehen im Zentrum der Initiative. Der deutsche Technologiekonzern Siemens integriert Teile seines Simulationsportfolios SIMCenter in die AI Cloud. Insgesamt sind bereits rund zehn Unternehmen an dem neuen KI-System beteiligt.
Siemens-Manager Cedrik Neike betonte, das System verkürze „die Simulationszeiten unserer Kundinnen und Kunden drastisch“. „Das ist kein Versprechen für die Zukunft … das ist schon heute Realität“, so Neike.
Die Fabrik soll zugleich möglichst klimafreundlich arbeiten. Sie nutzt ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien, kühlt mit Flusswasser und will die Abwärme in das umliegende Münchner Viertel einspeisen.
Die Industrial AI Cloud steht nun der Industrie, Start-ups, Forschungseinrichtungen sowie Behörden offen.