Luma AI, ein rasant wachsendes Start-up für generative KI mit hochentwickelten Video- und Multimodal-Modellen, zählt inzwischen zu den Pionieren. CEO und Mitgründer Amit Jain sprach am Rande des Web Summit Katar mit Euronews.
Seit einer Finanzierungsrunde über 900 Millionen Dollar, die im November vom saudischen KI-Unternehmen HUMAIN angeführt wurde, kommt das Wachstum von Luma AI erst richtig in Fahrt.
Im Gespräch mit Euronews Next beim Web Summit in Katar sprach CEO Amit Jain von einem regelrechten Wachstumsschub im vergangenen Jahr. Luma ist von rund 30 Beschäftigten Anfang 2025 auf inzwischen mehr als 160 gewachsen und stellt derzeit monatlich bis zu 20 bis 25 neue Leute ein.
Das Unternehmen hat Büros in London und Seattle eröffnet und bereitet nun einen Standort in Riad vor – die erste Niederlassung im Nahen Osten.
Das schnelle Wachstum bringt zwar Kinderkrankheiten mit sich, für Jain ist die Expansion aber der logische nächste Schritt. „Start-ups, die nicht wachsen, sollten gar nicht existieren“, sagt er.
Luma entwickelt multimodale KI-Systeme, die Sprache, Audio, Video und Bilder zusammenführen. Im Jahr 2024 brachte das Unternehmen seine zentrale Plattform zur Videogenerierung auf den Markt, Dream Machine. Sie gewann innerhalb von vier Tagen eine Million Nutzerinnen und Nutzer.
Im vergangenen Jahr stellte das Startup aus dem Silicon Valley Ray3 vor, das nach Unternehmensangaben weltweit erste Videomodell mit eingebauter Logik. Seitdem hat Luma Ray3 mehrfach aktualisiert und die Möglichkeiten zur KI-gestützten Videoproduktion weiter ausgebaut.
Um die nötige Rechenleistung aufzubauen, arbeitet Luma mit HUMAIN an „Project Halo“. Hinter dem Großvorhaben steckt eine KI-Infrastruktur, die bis Anfang der 2030er-Jahre eine Kapazität von bis zu zwei Gigawatt erreichen soll. Auch NVIDIA und AMD sind an dem Projekt beteiligt.
„Das ist eines der größten Infrastrukturprojekte, von denen wir wissen“, sagt Jain. Er sieht es in einer Liga mit den weltweit größten KI-Laboren.
Die Expansion von Luma in den Nahen Osten soll auch eine Leerstelle in der generativen KI schließen: den Mangel an kultureller Repräsentation.
„KI kann sehr gut das erzeugen, was sie sieht“, sagt Jain. „Aber sie sieht zu wenig arabische Lebenswirklichkeit.“
Da KI-generierte Inhalte immer billiger und allgegenwärtiger werden, warnt Jain, dass unterrepräsentierte Kulturen aus dem digitalen Gedächtnis verschwinden könnten. „Die Geschichte unserer Zeit wird nicht in der Archäologie liegen“, sagt er. „Sie wird im Internet stehen.“
Luma arbeitet nun mit Partnern in Saudi-Arabien am Aufbau dessen, was Jain als erstes arabisches Weltmodell bezeichnet. Zugleich sieht er für die Region insgesamt große Chancen – dank reichlich verfügbarer Flächen, Energie und Kapital.
„Energie wird der größte Engpass für KI sein“, sagt er. „Der zweite Engpass besteht darin, diese Energie in Rechenleistung zu verwandeln.“
Werden diese Vorteile konsequent genutzt, könnte die Region nach Jains Einschätzung zu einem der größten Exporteure von Rechenkapazität für KI weltweit aufsteigen. Sie würde sich dann so tief in die globale digitale Infrastruktur einschreiben, wie es Öl einst in die Weltwirtschaft tat.