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„Sled Head“ und Skidaumen: typische Verletzungen bei Olympia 2026 in Milano Cortina

Bei Olympia im Winter verletzen sich viele Athletinnen und Athleten. Einige der häufigsten Blessuren bleiben jedoch unentdeckt.
Winterolympioniken haben hohe Verletzungsraten, doch einige der häufigsten Blessuren bleiben unbemerkt. Copyright  AP Photo/Lindsey Wasson
Copyright AP Photo/Lindsey Wasson
Von Rebecca Spezzano
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Bei Winterspielen verletzen sich viele Athletinnen und Athleten, doch gerade typische Blessuren bleiben oft unerkannt und werden kaum behandelt.

Seit einigen Wochen loten Sportlerinnen und Sportler aus aller Welt die Grenzen des menschlichen Körpers aus, um bei den Olympischen Winterspielen anzutreten.

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Zuschauerinnen und Zuschauer bestaunen ihre beeindruckenden Leistungen – und vergessen dabei leicht, wie gefährlich diese Wintersportarten sind. Doch selbst die Fittesten wirft eine Verletzung aus der Bahn.

Eine schmerzhafte Erinnerung daran gab es bei den Spielen in diesem Jahr gleich mehrfach. Bereits nach dreizehn Sekunden in Lindsey Vonns Abfahrtslauf kam sie zu Sturz und brach sich das Bein. Auch Ilia Malinin, Top-Favorit auf Gold, stürzte bei seiner Kür schwer.

Die beiden waren jedoch längst nicht die einzigen, die zu Boden gingen – und sie werden es nicht die letzten sein.

Eine Studie aus dem Fachjournal Journal of Sports Science and Medicine zeigt, dass Athletinnen und Athleten bei Olympischen Winterspielen häufig ein hohes Verletzungsrisiko haben. Die spezielle Ausrüstung, die ihre Leistung verbessern soll, kann Verletzungen sogar begünstigen, wenn sie nicht richtig angepasst ist oder falsch eingesetzt wird.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Freestyle-Ski, Snowboard, alpiner Skisport, Bob und Eishockey die meisten Verletzungen verzeichnen.

Am häufigsten betroffen sind Knie, Wirbelsäule und Rücken sowie Hand und Handgelenk. Hämatome, Zerrungen und Verstauchungen treten ebenfalls sehr oft auf.

Verletzungen gibt es in jeder Sportart. Einige kommen jedoch fast nur im Wintersport vor und bleiben oft weitgehend unbeachtet.

Was ist „Sled Head“?

Zu den Kufensportarten Bob, Rodeln und Skeleton gehören Fahrten auf vereisten Bahnen, bei denen die Athletinnen und Athleten Geschwindigkeiten von mehr als 80 Kilometern pro Stunde erreichen.

Darum überrascht es kaum, dass Gehirnerschütterungen bei Schlittenathletinnen und -athleten häufig vorkommen: Laut Forschenden des Journals Frontiers in Neurology sind dreizehn bis achtzehn Prozent von ihnen betroffen.

Doch es gibt noch eine andere typische Verletzung in diesen Disziplinen, die in Studien und in der Öffentlichkeit kaum Beachtung findet: das sogenannte Sled Head.

Laut der Forschung verwenden Athletinnen und Athleten den Begriff „Sled Head“ für ein Syndrom mit Kopfschmerzen, Benommenheit und gelegentlichem Schwankschwindel. Auslöser sind meist eine holprige Bahn oder viele Fahrten hintereinander.

Lange wurde kaum darüber gesprochen. Inzwischen arbeiten Verbände jedoch daran, die Kufensportarten sicherer zu machen.

Der Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) und das Allianz Zentrum für Technik (AZT) haben bei den Spielen in Milano Cortina neue Ideen und Forschungsergebnisse vorgestellt, um den Bobsport sicherer zu machen.

Eines der präsentierten Systeme ist der Allianz Safety Sled mit dem HIP-System (Head Impact Protection). Die neue Sicherheitslösung soll direkte Schläge auf die Insassen des Bobs verhindern. Laut AZT ließe sich das System nachrüsten, ein kompletter Neubau der Schlitten wäre nicht nötig.

„Wir verändern den Sport nicht“, sagt Christian Sahr, Geschäftsführer des AZT. „Wir nehmen dem Ganzen weder Nervenkitzel noch Show. Wir wollen lediglich mehr Sicherheit schaffen.“

Nach seinen Worten stießen die Pläne in Cortina auf viel Zustimmung, vor allem bei den Aktiven. Trotzdem bleibe noch einiges zu tun.

„Das heißt nicht, dass die Sache beschlossen ist und alle einer Regeländerung zustimmen“, sagt er. „Wir müssen noch viele Beteiligte überzeugen, bevor das System wirklich eingeführt wird.“

Die Internationale Bob- und Skeleton-Föderation müsste die neuen Sicherheitsmerkmale zunächst genehmigen, damit sie bei künftigen Olympischen Spielen zum Einsatz kommen können.

Was ist der „Skidaumen“?

Mit „Skidaumen“ bezeichnen Mediziner eine Verletzung des ulnaren Kollateralbandes am Daumen. Das Band verläuft an der Daumenbasis auf der Seite des Zeigefingers.

Die Verletzung entsteht durch Überstreckung oder starke Abspreizung des Daumens, häufig wenn Sportlerinnen und Sportler mit ausgestreckter Hand und Skistöcken stürzen. Da Snowboarderinnen und Snowboarder dieses Problem selten haben, gelten die Stöcke laut dem Fachmagazin Sports Health: A Multidisciplinary Approach als wahrscheinlichste Ursache.

Früher sprach man von „Gamekeeper’s Thumb“, weil schottische Wildhüter sich diese Verletzung häufig zuzogen, wenn sie Kaninchen das Genick brachen, heißt es in einer Studie der Plattform StatPearls.

Die Verletzung betrifft nicht nur Skifahrende, tritt bei ihnen aber vergleichsweise häufig auf. Forschungen in Sports Health zeigen, dass Verletzungen der oberen Extremitäten vierzehn Prozent aller Skiverletzungen ausmachen. Am häufigsten sind jedoch weiterhin Knieverletzungen.

Die Forschenden vermuten dennoch, dass der Skidaumen in Wahrheit zu den häufigsten Skiverletzungen zählt, aber oft gar nicht gemeldet wird, weil viele Betroffene ihn für eine Lappalie halten.

Wie die Verletzung behandelt wird, hängt vom Schweregrad ab. Die StatPearls-Studie hält fest, dass sich die meisten Fälle mit Schonung, Kühlung, Kompression und Hochlagern des Arms therapieren lassen. Ist der Daumen jedoch deutlich instabil, kann eine Operation nötig werden.

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