Nach dem Artemis-Mondflug rückt das Potenzial der Raumfahrt erneut in den Fokus: Statt Solarenergie zu nutzen, will die NASA nun Kernreaktoren auf dem Mond aufstellen. Denn damit könnten 14-tägige Mondnächte besser ausgeglichen werden.
Die Raumfahrt-Industrie ist in den vergangenen Jahren erheblich gewachsen. Die Artemis II-Mission der NASA brachte die Astronauten Reid Wiseman, Christina Koch, Victor Glover und Jeremy Hansen zur ersten Mondmission seit mehr als 50 Jahren.
Jetzt hat die US-Raumfahrtbehörde ein noch ehrgeizigeres Ziel vor Augen: Bis 2030 sollen im Rahmen ihres Fission Surface Power Project Kernreaktoren auf dem Mond installiert werden. Schon bis 2028 soll außerdem ein Reaktor mittlerer Leistung in die Umlaufbahn gebracht werden.
Für dieses ehrgeizige Ziel muss die NASA ihre Kräfte mit dem Energie- und dem Verteidigungsministerium der USA bündeln.
Das Büro für Wissenschaft und Technologie (OSTP) des Weißen Hauses hat bereits neue Richtlinien für Bundesbehörden zur Entwicklung eines Fahrplans für die Weltraum-Kerntechnik veröffentlicht.
"Die Kernenergie im Weltraum wird uns die nachhaltige Elektrizität, die Heizung und den Antrieb liefern, die für eine ständige Präsenz auf dem Mond, dem Mars und darüber hinaus erforderlich sind", so das OSTP in einem Beitrag auf X.
Warum Solarenergie im Weltraum begrenzt ist
Der Grund für diese Verschiebung liegt vor allem darin, dass Solarenergie und andere herkömmliche Energiequellen nicht ausreichen werden, um langfristige menschliche Siedlungen auf dem Mond oder anderen Planeten wie dem Mars zuverlässig zu versorgen.
Ein wesentlicher Grund dafür ist die Mondnacht, denn eine einzige Nacht auf dem Mond dauert auf der Erde etwa 14 Tage. In dieser Zeit können die Solarzellen nicht genutzt werden, und die Batterien haben nicht genügend Kapazität, um eine ganze Basis durch die kalten, etwa zweiwöchigen dunklen Perioden zu bringen.
Die ausschließliche Nutzung von Solarenergie erschwert Programmen wie Artemis auch die Erkundung dauerhaft abgeschatteter Regionen wie des Mondsüdpols. Dieser Teil des Mondes sieht das Sonnenlicht nie, enthält aber wertvolles Wassereis.
Im Gegensatz dazu liefern Kernreaktoren durch Kernspaltung über Jahre hinweg meist kontinuierlich Strom - unabhängig von Wetter, Sonnenlicht oder Standort. Mit einem nuklearelektrischen Antrieb könnten Raumfahrzeuge auch komplexe Missionen mit langer Lebensdauer durchführen, ohne dass der Treibstoff zur Neige geht.
"Es ist an der Zeit, dass Amerika mit der Kernenergie im Weltraum beginnt", schrieb NASA-Administrator Jared Isaacman auf X.
Das Fission Surface Power Project soll eine Kapazität von 40 bis 100 Kilowatt haben, was ausreichen dürfte, um ein kleines Mondhabitat mit wissenschaftlichen Labors und Anlagen zur Rohstoffgewinnung mehrere Jahre lang zu versorgen.
Es wird erwartet, dass dieses Projekt den USA helfen wird, ihre Position in der Raumfahrttechnologie gegenüber China und Russland zu stärken. Gleichzeitig bietet das Projekt ein lunares Testfeld für die Entwicklung von Technologien für zukünftige bemannte Missionen zum Mars.
Das System soll autonom und mit minimalem Wartungsaufwand für die Astronauten arbeiten und gleichzeitig skalierbar und modular sein. Es muss Anwendungen berücksichtigen, die sowohl den Weltraumantrieb als auch künftiges Leben auf dem Mond unterstützen können.