Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Erste vollautonome Parapharmazie Europas steht in Lissabon

Portugal eröffnet erste vollautomatische Parapharmazie Europas
Portugal hat erste vollautonome Parapharmazie Europas Copyright  Euronews/Bruno Figueiredo
Copyright Euronews/Bruno Figueiredo
Von Diana Rosa Rodrigues
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button
Den Link zum Einbetten des Videos kopieren Copy to clipboard Link kopiert!

Eine Kombination aus Kameras, Sensoren und KI steuert diese Parafarmacie: Personal kommt nur hinein, um leere Regale wieder zu füllen.

Keine Schlangen, kein Warten, kein Personal. In Lissabon kommt diese Parapharmazie ganz ohne Mitarbeitende aus. Im Inneren stehen nur die Produkte in den Regalen. Sie liegt im Stadtteil Parque das Nações. Das Konzept ist eine Innovation im Pharmabereich und soll Apothekerinnen und Apotheker von Aufgaben entlasten, die nichts mit ihrer fachlichen Spezialisierung zu tun haben.

WERBUNG
WERBUNG

„Wir setzen immer stärker auf Lösungen, die es uns erlauben, die Apothekerinnen, Apotheker und Fachkräfte für den klinischen Bereich freizuhalten und die Zeit zu verringern, die sie mit rein kommerziellen Aufgaben verbringen“, erklärt Catarina Dias, verantwortliche Apothekerin bei Pharma&Go.

„Es ist eine Parapharmazie, und wir wollten hier alles anbieten, was die Menschen selbstständig kaufen können – an jedem Tag der Woche, zu jeder Tages- oder Nachtzeit. Das Projekt soll genau die Bequemlichkeit und Praktikabilität bieten, die sich die Kundinnen und Kunden wünschen“, erläutert die Verantwortliche des Geschäfts gegenüber Euronews.

Der Einkauf wirkt anfangs ungewohnt, ist aber in Wirklichkeit einfach.

Die Einkaufstour beginnt an der Eingangstür: Kundinnen und Kunden halten ein Zahlungsmittel wie eine Kredit- oder Debitkarte an den Sensor. Nach der Validierung können sie den Laden betreten und mit dem Einkauf starten. Wichtig ist dabei ein Detail: Sobald die Tür ins Schloss fällt, ordnet das System die benutzte Karte allen Personen zu, die in diesem Moment eintreten – und damit allen Produkten, die sie bis zum Checkout mitnehmen.

„Die Tür öffnet sich, die Leute gehen in den Laden, nehmen das Produkt, das sie kaufen möchten, und gehen wieder hinaus. Sobald sie draußen sind, belastet das System automatisch die Karte, mit der sie den Eintritt freigeschaltet haben. Es gibt keine Kassen, keine Schlangen, keine Reibung, keine Komplikationen“, sagt Catarina Dias.

Kamera- und Sensortechnik macht Laden autonom
Kamera- und Sensortechnik macht Laden autonom Euronews/Bruno Figueiredo

Die Abläufe überwacht eine Kombination aus Hunderten Kameras und Sensoren. Sie verfolgt sowohl die Kundschaft als auch die Produkte im Laden. Dazu kommt eine KI-Technologie, die erkennt, welche Artikel Kundinnen und Kunden aufnehmen und bis zum Kauf mitnehmen.

Kundschaft hat volle Kontrolle über den Einkauf

Die vollständige Automatisierung verschafft jeder Kundin und jedem Kunden Privatsphäre und Kontrolle über den gesamten Einkauf.

„Die Kundin oder der Kunde betritt den Laden und kann so lange bleiben, wie sie oder er möchte. Wer es eilig hat, kann in weniger als einer Minute hereinkommen, nehmen, was er oder sie braucht, und wieder hinausgehen. Es gibt keine Schlangen, keine Kassen, nichts, was den Aufenthalt erschwert. Oder man kommt, liest die Inhaltsstoffe von 30 Produkten und verbringt hier eine halbe Stunde mit der Auswahl“, erklärt die Verantwortliche und betont, der Laden biete den Kundinnen und Kunden „die Möglichkeit, den Einkauf im eigenen Tempo zu gestalten“.

Zutritt nach Vorzeigen eines Zahlungsmittels
Zutritt nach Vorzeigen eines Zahlungsmittels Euronews/Bruno Figueiredo

Der Laden hat im November eröffnet und gewinnt Monat für Monat neue Kundschaft. „Jeden Monat haben wir mehr Kundinnen und Kunden als im Vormonat. Ich denke, die Menschen verlieren langsam die Scheu vor dieser neuen technologischen Lösung“, sagt Catarina Dias.

Auch wenn das Konzept noch neu ist, liegt die Fehlerrate des Systems sehr niedrig. „Wir sprechen über Fehlerraten von unter 2 %, also wirklich gering. Immer mehr Kunden kaufen ein, kommen wieder, erzählen es ihren Freundinnen und Freunden – die Zahlen steigen seit Monaten stetig an.“

Fehler sind meist menschlich

Das Projekt entwickelt sich ständig weiter, mit jeder Kundin und jedem Kunden lernt die Technik dazu. Eine kleine Fehlermarge des Programms gibt es zwar, doch sie geht überwiegend auf menschliches Verhalten zurück.

„Von Tag zu Tag kommen mehr Menschen in den Laden und verstehen besser, wie er funktioniert, und dadurch sinkt die Fehlerquote. Die meisten Probleme im laufenden Betrieb gehen in Wahrheit auf menschliche Fehler zurück, nicht auf technologische – was ich ziemlich interessant finde“, erklärt die Verantwortliche.

„Zum Beispiel weisen wir zwar darauf hin, dass die Kundinnen und Kunden nach dem Betreten die Tür schließen müssen, weil sie für die Einkäufe aller Personen verantwortlich sind, die mit ihnen hineingehen. In Portugal gilt es aber als höflich, dass ein Herr einer Dame die Tür aufhält. Wir hatten den Fall, dass ein Mann den Laden betrat, die Tür für die nachfolgende Frau offenhielt – und natürlich wurden dann beide Einkäufe seiner Karte belastet, weil die KI nicht erkennen kann, ob Menschen zusammengehören oder nicht.“

Junge Menschen im Fokus, Zuspruch in allen Altersgruppen

Bei der Standortwahl zielte das Unternehmen auf ein eher junges Publikum mit Kaufkraft.

„Ursprünglich dachten wir, vor allem jüngere Menschen würden solche Lösungen suchen und annehmen. Es ist spannend zu sehen, dass auch die erfahreneren Generationen sehr offen sind. Selbst wer 70 oder 80 ist, verfügt meist über eine digitale Kompetenz, die völlig ausreicht, um den Laden problemlos zu nutzen“, sagt Catarina Dias.

Catarina Dias, verantwortliche Apothekerin
Catarina Dias, verantwortliche Apothekerin Euronews/Bruno Figueiredo

„Die Nutzung des Ladens ist wirklich sehr einfach. Man muss die Technik nicht verstehen, um sie zu nutzen. Man hält nur die Karte hin, geht hinein, holt die Produkte und geht wieder hinaus. Und weil der Zugang ebenerdig ist, ohne Treppen und ohne Warteschlangen, nimmt gerade die ältere Kundschaft das Angebot stark an.“

Der rund 90 Quadratmeter große Laden entstand in einer Partnerschaft zwischen Sensei und Glintt Life und wurde vollständig privat finanziert.

„Wir haben uns um Mittel aus einem KI- und Innovationsprogramm des Aufbau- und Resilienzplans (PRR) beworben. Es war, würde ich sagen, ziemlich enttäuschend für uns, dass unser Projekt nicht als ausreichend innovativ eingestuft wurde“, sagt die Verantwortliche. Das Projekt entwickle sich jedoch laufend weiter, betont Catarina Dias: „Die Zukunft ist vielversprechend.“

Aktuell bietet der Laden nahezu alles, was es auch in einer Apotheke gibt: Dermokosmetik, Babyartikel, Nahrungsergänzungsmittel und Produkte für die Mundhygiene. Ausgenommen sind vorerst rezeptfreie Arzneimittel und selbstverständlich verschreibungspflichtige Medikamente.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Estland vergibt KI-ID-Codes für autonome Agenten

Portugal testet ab Juli autonome Autos auf öffentlichen Straßen

Erste vollautonome Parapharmazie Europas steht in Lissabon