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US-Minister will Pyjamas aus Flughafenterminals verbannen - Kritik folgt sofort

US-Verkehrsminister Sean Duffy ruft zu mehr Höflichkeit im Flugverkehr auf.
US-Verkehrsminister Sean Duffy fordert mehr Höflichkeit und Rücksicht im Luftverkehr. Copyright  US Department of Transport/Youtube
Copyright US Department of Transport/Youtube
Von Craig Saueurs
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Kurz vor dem verstärkten Reiseverkehr zu Thanksgiving ruft US-Verkehrsminister Sean Duffy zu mehr Gepflegtheit beim Fliegen auf. Doch viele Reisende reagieren genervt: Sie sehen nicht Kleidung, sondern volle Kabinen, Verspätungen und Stress als Hauptproblem.

US-Verkehrsminister Sean Duffy will, dass Amerikaner beim Fliegen ordentlich und gepflegt auftreten. Die Reaktionen kamen schnell und sind überwiegend skeptisch.

Vor dem laut US-Luftfahrtbehörde FAA stärksten Reiseverkehr zu Thanksgiving seit 15 Jahren startete Duffy die Kampagne „Das goldene Reisezeitalter beginnt bei dir“.

Ein Video des Reiseministeriums montiert Szenen aus geordneten Terminals der fünfziger und sechziger Jahre mit aktuellen Aufnahmen: Passagiere streiten, strecken nackte Füße in den Gang und geraten mit der Kabinencrew aneinander.

„Gutes Benehmen endet nicht am Gate“, sagt Duffy darin. „Kleiden Sie sich respektvoll?“

Am Flughafen Newark trieb er seinen Kleiderfeldzug weiter. „Bitte keine Hausschuhe und Pyjamas auf dem Weg zum Flughafen“, sagte er.

Reisende finden, die Kampagne geht am Problem vorbei

Der Vorstoß sorgte in den sozialen Medien für deutlichen Gegenwind.

Viele Reisende melden sich zu Wort und sagen, dass Fliegen heute eher stressiger wirkt, nicht entspannter. Duffy solle sich lieber um Gedränge, Kosten, Verspätungen und Sicherheitskontrollen kümmern.

„Das sind nicht die fünfziger Jahre, als Fliegen wirklich angenehm war. Heute werden wir wie Vieh zusammengedrängt und es ist fast so schlimm wie Busfahren“, schrieb Bluesky-Nutzerin Terri De.

„Solange die Chance besteht, dass ich wegen Verspätungen auf dem Flughafenboden schlafe, trage ich, was ich will“, ergänzte ein weiterer Bluesky-Nutzer.

Mehr Zwischenfälle, doch Vergleiche sind heikel

Das Verkehrsministerium DOT will mit der Kampagne Gewalt und Störungen in Terminals und an Bord reduzieren. Seit 2021 hat es 13.800 Zwischenfälle mit Passagieren gezählt, und einer von fünf Flugbegleitern hat körperliche Auseinandersetzungen gemeldet.

Weltweit nehmen solche Vorfälle zu.

Die jüngsten IATA-Zahlen, basierend auf Daten von mehr als 60 Fluggesellschaften weltweit, zeigen: 2024 gab es auf 395 Flüge einen Vorfall.

Luftfahrt-Historiker fordern jedoch mehr Kontext für diese Zahlen.

In den fünfziger Jahren durfte man in der Kabine rauchen. Entführungen passierten häufiger als heute. Und für Flugbegleiter galten strenge, am Erscheinungsbild orientierte Jobregeln.

Auch die Ticketpreise lagen höher. Dadurch konnten weniger Menschen fliegen.

Gleichzeitig waren Flugkatastrophen deutlich häufiger. Laut Airbus-Daten sank die Quote tödlicher Unfälle pro Jahr von zehn pro eine Million Flüge im Jahr 1961 auf heute fast null.

Unterm Strich wirkt das vermeintliche goldene Zeitalter des Reisens weniger glanzvoll, als Duffy es rückblickend zeichnet.

Appell zu formeller Kleidung, viele Airlines werden zugleich lässiger

Duffys Appell kommt zu einem Zeitpunkt, an dem viele Airlines ihre Uniformregeln lockern.

In Australien strich der Billigflieger Bonza 2022 formelle Uniformen komplett. Kabinencrews und Piloten dürfen T-Shirts, Shorts und Kleider mit Bonza-Logo tragen. Sichtbare Tattoos sind erlaubt, Make-up ist optional. Die damalige Chefin für das kommerzielle Geschäft, Carly Povey, sagte, das Ziel sei etwas „Fröhliches, Lebendiges und ein Spiegel des Jetzt“.

In den USA überarbeitete Alaska Airlines 2022 den Dresscode und verabschiedete sich von starren männlichen und weiblichen Vorgaben. Es gibt nun geschlechtsneutrale Optionen für alle Mitarbeitenden. Make-up, Nagellack, zwei Ohrringe pro Ohr und Nasenpiercings sind erlaubt.

United Airlines erlaubt teilweise sichtbare Tattoos und langes Haar für alle Geschlechter. Virgin Atlantic strich 2019 die Make-up-Pflicht für weibliche Crewmitglieder und lockerte 2022 die Tattoo-Regeln.

Auf den Malediven geht man noch weiter. Bei Trans Maldivian Airways fliegen Pilotinnen und Piloten mitunter barfuß oder in Flip-Flops.

Appell zur Höflichkeit oder Fehlinterpretation der wahren Probleme?

Trotz der Debatte findet Duffys Appell auch Zuspruch. „Solange alles bedeckt ist, ist mir egal, was du trägst. Mehr Höflichkeit unterstütze ich“, schrieb ein Reddit-Nutzer.

Luftfahrtexperten sind sich einig: Ein Mindestmaß an Höflichkeit gegenüber Kabinencrew und Mitreisenden macht Reisen sicherer und erträglicher.

Viele Kritiker meinen, die Botschaft des Ministers blende die strukturellen Zwänge des modernen Fliegens aus: überfüllte Kabinen, überlastete Crews, Ultra-Low-Cost-Modelle und Flughäfen am Kapazitätslimit. Von fehlenden Alternativen zum Fliegen ganz zu schweigen.

„Fliegen war einmal ein schönes Erlebnis. Heute längst nicht mehr. Airlines behandeln Passagiere wie eine Ware“, schrieb ein weiterer Reddit-Nutzer.

„Am besten verbessern wir das Fliegen, indem wir das nationale Bahnnetz ausbauen. Dann haben Menschen Alternativen zu kurzen Inlandsflügen.“

Ob Menschen in Pyjamas, Jeans oder Smoking erscheinen, bezweifelt kaum jemand: Meist treibt Stress die Eskalationen an Bord, nicht die Jogginghose.

Ohne Fortschritte bei den Ursachen, so die Kritiker, wirkt die DOT-Kampagne wie eine Debatte über Kleiderordnungen in einer Zeit, die von vielem geprägt ist, nur nicht von Etikette.

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