Von erfundenen Thermalquellen bis zu falschen heiligen Stätten: Wer mit KI Reisen plant, jagt oft Phantomzielen hinterher und findet am Ende nichts.
Seit Jahren sprechen Expertinnen und Experten darüber, wie KI die Reisebranche umkrempelt. Nur nicht so.
Ein australischer Reiseanbieter steckt nun in Schwierigkeiten, weil ein KI-Text Touristinnen und Touristen in eine abgelegene Ecke Tasmaniens gelotst hat, auf der Suche nach Thermalquellen, die es gar nicht gibt.
Auf der Website von Tasmania Tours war ein inzwischen gelöschter Beitrag zu lesen, der Reisende zum „ruhigen Rückzugsort“ Weldborough Hot Springs schickte. Laut der Australian Broadcasting Corporation (ABC) war er als eine der „sieben besten Thermalquellen-Erlebnisse in Tasmanien für 2026“ gelistet.
Weldborough hatte jedoch noch nie Thermalquellen. Wer auf ein warmes Bad hoffte, dürfte ernüchtert feststellen, dass nur ein kalter Sprung in den Weld River bleibt.
Reisende verirren sich zu Orten, die es gar nicht gibt
Der Beitrag erschien im Juli vergangenen Jahres. Seitdem tauchen in dem abgelegenen Ort, einem ehemaligen Zinnbergbau-Dorf im Nordosten, rund 45 Kilometer vom Angel-Hotspot St Helens entfernt, ständig hereingefallene Reisende auf.
„Vor zwei Tagen stand hier tatsächlich eine Gruppe von 24 Autofahrerinnen und -fahrern, die vom Festland auf Tour waren und extra einen Umweg zu den angeblichen Thermalquellen gemacht hatten“, berichtet Kristy Probert, Besitzerin einer nahegelegenen Kneipe, der ABC.
„Ich habe gesagt: ‚Wenn ihr die Thermalquellen findet, kommt zurück, sagt mir Bescheid, und ich gebe euch die ganze Nacht Bier aus.‘ Sie sind nicht zurückgekommen.“
In dem „Bestenlisten“-Artikel steht die (nicht existierende) Weldborough Hot Springs neben den (echten) Hastings Caves and Thermal Springs im Süden Tasmaniens.
Der Text enthält zudem Kurioses wie Liaweenee, beschrieben als „kältester Ort Australiens“, wo das Thermometer schon auf minus 14,2 Grad fiel.
Wie Reiseunternehmen KI für Inhalte einsetzen
Tasmania Tours hatte mehrere Artikel und Blogbeiträge über sehenswerte Reiseziele veröffentlicht, inklusive KI-Bildern. Dass das Unternehmen fürs Content-Marketing auf KI setzt, überrascht Branchenleute kaum.
Von Google bis Expedia preisen Unternehmen die Macht der KI bei der Reiseplanung. In den Chefetagen ist die Begeisterung längst grenzenlos.
Für kleinere Anbieter wie Tasmania Tours wächst dadurch der Druck, nachzuziehen und dieselben Werkzeuge zu nutzen.
„Wir versuchen, mit den Großen mitzuhalten. Dazu gehört, Inhalte ständig zu erneuern“, sagt Inhaber Scott Hennessy.
Er erklärt, Tasmania Tours habe sein Marketing an einen externen Dienstleister ausgelagert, der KI nutzte. Normalerweise prüfe das Unternehmen alle Beiträge vor der Veröffentlichung. Einige seien jedoch „versehentlich“ online gegangen, als er im Ausland war.
„Unsere KI hat völlig versagt“, sagt er.
Das ist nicht das erste Mal, dass KI Reisende in die Irre führt
Im vergangenen Jahr berichtete die BBC, dass Reisende immer wieder auf KI hereinfallen.
In einem Fall brachen zwei Reisende in Peru auf, um in den Anden die „Heilige Schlucht von Humantay“ zu finden, bis ein örtlicher Reiseleiter ihr Gespräch aufschnappte und sie stoppte. Sie hatten rund 140 Euro bezahlt, um auf einer entlegenen Landstraße zu landen, „ohne Reiseleitung und ohne Ziel“, sagte der Reiseleiter der BBC.
In einem anderen Fall planten zwei Reisende mit ChatGPT eine romantische Sonnenuntergangs-Wanderung auf einen Berg in Japan. Oben merkten sie, dass das Tool falsche Betriebszeiten für die Seilbahn genannt hatte. Sie saßen im Dunkeln fest.
Das Problem dürfte erst schlimmer werden, bevor es besser wird.
Eine Umfrage von Booking.com ergab, dass 89 Prozent der Verbraucher künftig KI für die Reiseplanung nutzen wollen. Schon jetzt, so die Studie, genießen KI-Assistenten mehr Vertrauen als Reiseblogger oder Social-Media-Influencer.
Je allgegenwärtiger KI wird, desto eher dürfte sich auch Fehlinformation im Reisebereich weiter verbreiten. Viele merken den Irrtum – wie bei den „Weldborough Hot Springs“ – wohl erst, wenn sie vor Ort stehen.