Die konservative Volkspartei wird mit der rechten Vox-Partei verhandeln müssen, um weitere vier Jahre regieren zu können. Die Sozialisten erzielten dagegen in Andalusien, lange Zeit ihre Hochburg, ihr bislang schlechtestes Wahlergebnis.
Die Stimmenauszählung in Andalusien steht kurz vor dem Abschluss und zeichnet bereits ein klares Bild: Die konservative Partido Popular von Juanma Moreno gewinnt die Wahl, verfehlt aber die absolute Mehrheit. Mit Unterstützung der rechten Partei Vox könnte Moreno dennoch weitere vier Jahre regieren.
Bei rund 90 Prozent ausgezählter Stimmen kommt die Partido Popular auf 53 Sitze und liegt damit zwei Mandate unter der absoluten Mehrheit. Vox gewinnt zwei Sitze hinzu und erreicht 16 Mandate, womit die Partei erneut zum möglichen Mehrheitsbeschaffer wird. Die sozialdemokratische Partido Socialista Obrero Español (PSOE) von María Jesús Montero konnte dagegen keine zusätzlichen Wähler mobilisieren. Prognosen sehen die Partei nur noch bei 26 bis 29 Sitzen – weniger als die bisherigen 30 Mandate, die bereits das schlechteste Ergebnis der Sozialisten in Andalusien gewesen waren.
Montero, die als amtierende Finanzministerin in den Wahlkampf gegangen war, konnte den Abwärtstrend offenbar nicht stoppen. Vox bleibt weitgehend stabil und kommt auf 15 Sitze nach bislang 14. Links der PSOE bleibt das politische Lager zersplittert: Por Andalucía dürfte etwa fünf Sitze erreichen und damit in etwa auf dem bisherigen Niveau bleiben. Adelante Andalucía könnte sich dagegen deutlich steigern und statt bisher zwei künftig bis zu acht Abgeordnete stellen.
Die Wahl in der bevölkerungsreichsten Region Spaniens gilt auch als wichtiger Stimmungstest mit Blick auf die Parlamentswahl 2027. Der Wahlkampf stand im Zeichen wachsender Kritik an der Zentralregierung sowie mehrerer Korruptionsermittlungen im Umfeld von Ministerpräsident Pedro Sánchez und früheren Weggefährten. Andalusien zählt fast neun Millionen Einwohner und verfügt über weitreichende Zuständigkeiten etwa in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Wohnen. Damit gilt die Region als politisch besonders wichtig im dezentralen System Spaniens.
Nach fast vier Jahrzehnten sozialistischer Regierung wird Andalusien seit 2019 von der Partido Popular geführt. Die Wahllokale öffneten am Sonntagmorgen um 9 Uhr und blieben wegen Problemen in drei Wahllokalen bis 20.45 Uhr geöffnet. Insgesamt hatten laut offiziellen Angaben mehr als 163.000 Menschen ihre Stimme bereits vorzeitig abgegeben.
Auch Amtsinhaber Juanma Moreno gab seine Stimme bereits in Málaga ab, begleitet von seiner Ehefrau. Die Partido Popular war als klarer Favorit in die Wahl gegangen. Offen blieb allerdings bis zuletzt, ob die Partei allein regieren kann oder erneut auf die Unterstützung von Vox angewiesen sein wird – wie bereits in Regionen wie Extremadura, Aragón oder Kastilien und León.
Eine schwere Niederlage für die Sozialisten
Für die sozialdemokratische Partido Socialista Obrero Español (PSOE) hat die Niederlage in Andalusien besonderes Gewicht. Spitzenkandidatin María Jesús Montero, frühere Vize-Regierungschefin und ehemalige Finanzministerin Spaniens, stand im Zentrum der Angriffe der konservativen Partido Popular.
Die PP machte sie sowohl für die Politik der Zentralregierung als auch für Korruptionsaffären innerhalb der Partei verantwortlich. Montero gab ihre Stimme am Sonntag in Sevilla ab. "Heute ist ein sehr wichtiger Tag, an dem wir über unsere Zukunft entscheiden", sagte sie vor Journalisten. "Niemand sollte zu Hause bleiben."
Während des Wahlkampfs hatte PP-Chef Alberto Núñez Feijóo für seine Partei mit dem Argument geworben, ein Sieg in Andalusien könne nicht nur den politischen Kurswechsel in der Region festigen, sondern auch die konservative Alternative zur Regierung von Pedro Sánchez stärken. Die Partido Popular schloss dabei Bündnisse mit Vox nicht aus – wie bereits in anderen Regionen Spaniens.
Damit unterscheidet sich die Partei von mehreren konservativen Parteien in Europa, die eine Zusammenarbeit mit der extremen Rechten ablehnen. Ministerpräsident Pedro Sánchez rief zuletzt verstärkt progressive Wählerinnen und Wähler zur Teilnahme an der Wahl auf, um eine Regierungsbeteiligung von Vox in Andalusien zu verhindern. Zugleich verteidigte er Montero als starke Kandidatin für die Region. Auch andere Spitzenkandidaten gaben am Sonntag bereits ihre Stimmen ab.
José Ignacio García von Adelante Andalucía erschien gemeinsam mit seiner Mutter in einem Wahllokal in Jerez de la Frontera. "Heute sind wir alle gleich und haben die gleiche Macht – das sollte man nutzen", sagte er nach der Stimmabgabe.