Beim NATO-Gipfel in Ankara betonen Europas Staats- und Regierungschefs ihre deutlich gestiegenen Verteidigungsausgaben. Damit zeigen sie Trump: Wir übernehmen mehr Verantwortung für unsere eigene Sicherheit.
US-Präsident Donald Trump hat sich den NATO-Partnern gegenüber zum Abschluss des Gipfels in Ankara überraschend versöhnlich gezeigt. Zuvor hatte er die Verbündeten wegen ihrer Reaktion auf seinen Krieg gegen Iran scharf attackiert.
Es war ein abrupter Wechsel von Konfrontation zu Kooperation - zumindest den Worten nach -, und das innerhalb weniger Stunden. Das verdeutlicht die Spannbreite der Emotionen des US-Präsidenten, den einige Beobachter als "launisch" bezeichneten.
"Es war wirklich beeindruckend. Die Einheit in diesem Raum war unglaublich, fast schon eine Art Liebe, ziemlich wild", sagte Donald Trump nach dem vertraulichen Treffen der 32 Staats- und Regierungschefs beim NATO-Gipfel in der türkischen Hauptstadt Ankara.
"Das war ein außerordentlich erfolgreicher Gipfel."
Hinter verschlossenen Türen beruhigte Trump seine Amtskollegen und versicherte, die USA wollten im Militärbündnis bleiben. "Wir wollen bei euch bleiben", zitierte ihn eine Quelle aus der Sitzung laut der Nachrichtenagentur AFP.
Das spiegelte sich in der Abschlusserklärung wider. Darin bekräftigten die NATO-Staats- und Regierungschefs ihr "felsenfestes Bekenntnis" zur Beistandsklausel aus Artikel 5 des Bündnisvertrags.
Kanzler Merz mit NATO-Gipfel zufrieden
Europäische Staats- und Regierungschefs präsentierten in Ankara ihre stark gestiegenen Verteidigungsausgaben. Sie wollten Trump überzeugen, dass sie ihr Versprechen einhalten, die Budgets deutlich zu erhöhen und mehr Verantwortung für die eigene Sicherheit zu übernehmen.
Er kehre mit dem Gefühl nach Deutschland zurück, einen großen Beitrag geleistet zu haben, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz. "Die NATO hält zusammen, sie wird stärker und sie wird europäischer."
Offenbar attestierte der US-Präsident einigen Nationen - wie Deutschland und Polen - sie hätten sich "sehr vorteilhaft entwickelt". Andere kanzelte Trump ab, sie hätten "nicht geliefert".
Der zweite Tag des NATO-Gipfels hatte schlecht begonnen. Kurz vor Beginn der Sitzung attackierte Trump die Verbündeten, weil sie seinen Iran-Krieg nicht unterstützen. Der US-Präsident drohte, den Handel mit Spanien einzuschränken, und beharrte darauf, dass er das zu Dänemark gehörende Grönland weiterhin haben wolle.
"Ich bin sehr verärgert über die NATO ... wegen dem, was sie mit Grönland gemacht haben, und ... weil sie uns nicht gegen den wichtigsten staatlichen Unterstützer von Terrorismus helfen wollten, nämlich Iran", sagte Trump.
Trumps Worte härter als seine Taten
Als er den Staats- und Regierungschefs dann persönlich hinter verschlossenen Türen gegenüberstand, änderte sich sein Ton deutlich. Das berichtet die Quelle, die an den Gesprächen teilnahm.
"Es gibt einen starken Unterschied zwischen dem, was Trump öffentlich sagt, und dem, was er intern äußert", sagte er AFP.
Trump erwähnte Spanien oder Grönland danach nicht mehr.
Im Anschluss betonte der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez, die Beziehungen zu Washington seien "sehr positiv".
Estlands Ministerpräsident Kristen Michal sagte, Trump habe seinen Ton in der Sitzung gemäßigt. Gegenüber AFP sprach er von einer "Art konstruktiver Botschaft, dass Europa mehr tun und stärker in die Verteidigung investieren muss".
"Die Stimmung war insgesamt ganz gut, mit eher konstruktiven Botschaften", konstatierte Michal.
Der litauische Außenminister Kestutis Budrys meinte, Trumps Ausbrüche seien kein Zeichen dafür, dass das Bündnis zerfalle.
"Ich sehe darin kein Anzeichen, dass wir die NATO irgendwie schwächen oder dass die transatlantische Bindung fehlt", beschwichtigte Budrys im Gespräch mit AFP. "Wir sollten die Dinge weniger dramatisieren."
Ukraine erhält neuen Rückhalt
Auch die stockenden Bemühungen zur Beendigung des Ukraine-Kriegs standen wieder auf der Tagesordnung. Trump versprach, Kyjiw "die Lizenz zur Produktion" von Patriot-Luftabwehrraketen zu geben, als er am Rande des Gipfels zu Gesprächen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zusammentraf.
"Wir werden euch eine Lizenz geben, um Patriots zu produzieren. Das ist ziemlich cool, oder?", sagte Trump zu Selenskyj. Dessen Truppen haben große Mühe, russische Raketen abzuschießen, weil die Vorräte an wichtigen in den USA hergestellten Patriot-Abfangraketen knapp werden.
Trotz der heftigen Bombardements der russischen Armee gegen die Ukraine in den vergangenen Tagen scheint Kyjiw die Lage zu drehen. Die Ukrainer stabilisieren die Frontlinie und greifen tief im russischen Hinterland an. Diese Angriffe könnten nach Trumps Ansicht dazu beitragen, den Krieg zu beenden.
"Es ist eine Eskalation, aber auch eine Eskalation, die helfen kann, ein Ende herbeizuführen", so Trump - und er wiederholte seine Überzeugung, dass sowohl Selenskyj als auch Russlands Präsident Wladimir Putin ein Abkommen anstreben, um die Kämpfe zu beenden.
In der Abschlusserklärung in Ankara sagten Europa und Kanada außerdem zu, die militärische Unterstützung für die Ukraine weiter fließen zu lassen – in Höhe von jeweils 70 Milliarden € pro Jahr 2026 und 2027.
Vor seiner Abreise aus Ankara traf Trump noch den syrischen Präsidenten Ahmed al-Scharaa. Dieser versucht, das internationale Ansehen seines Landes wiederherzustellen, nachdem Syrien sich nach Jahren des Bürgerkriegs allmählich aus der Krise herausarbeitet.
NATO geht deutlich gestärkt aus Gipfel hervor
Um eine neue Konfrontation mit Trump zu vermeiden, präsentierten die NATO-Verbündeten Rüstungsverträge im Volumen von vielen Milliarden Euro. Sie wollten damit belegen, dass sie die USA bei der Verteidigung Europas spürbar entlasten.
NATO-Generalsekretär Mark Rutte betonte, das Bündnis gehe trotz aller Meinungsverschiedenheiten gestärkt aus dem Gipfel in der Türkei hervor.
"Ich hatte immer das Gefühl, dass Familien, in denen man manchmal ein offenes Gespräch führt und sich manchmal auch ein wenig streitet, viel stärker sind", so Rutte.