Der ukrainische Präsident warnt immer wieder vor den engeren militärischen Verbindungen zwischen Moskau und Pjöngjang. Zugleich fordert er mehr westliche Luftverteidigungssysteme.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am Dienstag erklärt, Russland habe bei einem nächtlichen Angriff nordkoreanische Raketen abgefeuert. In der südostukrainischen Stadt Saporischschja kamen dabei sechs Menschen ums Leben, 19 wurden verletzt.
„Nordkoreanische ballistische Raketen, Zirkon-Raketen und gelenkte Luftbomben trafen die Stadt“, sagte er und meinte damit vor allem Russlands Überschall-Marschflugkörpersystem Zirkon.
Selenskyj hatte bereits am Montagabend gewarnt, Russland bereite die Stationierung weiterer nordkoreanischer Soldaten auf seinem Staatsgebiet vor und habe aus Pjöngjang bereits zusätzliche ballistische Raketen erhalten.
Immer wieder schlägt der ukrainische Präsident Alarm wegen der enger werdenden militärischen Zusammenarbeit zwischen Moskau und Pjöngjang und fordert dabei regelmäßig zusätzliche westliche Luftabwehrsysteme.
„Zum ersten Mal können sie ihren Krieg nicht mehr ohne Unterstützung aus Nordkorea führen“, sagte er in seiner täglichen Videoansprache über die russischen Truppen.
„Sie bereiten jetzt die Entsendung eines weiteren koreanischen Kontingents auf ihr Gebiet vor. Und sie haben, man stelle sich das vor, zusätzliche ballistische Raketen aus Nordkorea erhalten“, fügte er hinzu.
Nur einige wenige Luftabwehrsysteme, darunter die US-Patriot-Raketenabwehr, können ballistische Raketen abfangen.
Seitdem die Vereinigten Staaten und Israel im Februar einen Krieg gegen den Iran begonnen haben, hat sich der Mangel an PAC-3-Abfangraketen noch verschärft.
Parallel dazu weitet die Ukraine ihre Angriffe auf russische Städte weit hinter der Front aus.
Erst kürzlich erklärte Selenskyj, es sei entschieden worden, zwischen 30.000 und 50.000 Nordkoreaner auf russischem Boden einzusetzen. Wie er an diese Zahlen gekommen ist, ließ er offen.
Seit der russische Präsident Wladimir Putin und Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un im Juni 2024 ein gegenseitiges Verteidigungsabkommen unterzeichnet haben, gehört Nordkorea zu Russlands engsten militärischen Partnern.
Moskau setzte die nordkoreanischen Soldaten später im Jahr in einer Gegenoffensive ein, die ukrainische Truppen aus der Grenzregion Kursk zurückdrängte.
Die nächtlichen russischen Angriffe trafen Kyjiw, Saporischschja und die Region Dnipropetrowsk, wie die regionalen Behörden mitteilten.
Das russische Verteidigungsministerium erklärte, die eigenen Truppen hätten „einen Gruppenangriff mit hochpräzisen bodengestützten Waffen ausgeführt und militärisch-industrielle Betriebe sowie Transport- und Logistikzentren in den Städten Kyjiw und Saporischschja getroffen“.
In Saporischschja erklärte Iwan Fjodorow, Leiter der regionalen Militärverwaltung, die russischen Streitkräfte hätten einen „massiven“ Angriff mit Raketen und gelenkten Luftbomben gestartet.
„Sechs Menschen wurden getötet, 19 weitere verletzt“, schrieb Fjodorow auf Telegram und korrigierte damit eine frühere Angabe von fünf Toten.
In der östlichen Region Dnipropetrowsk töteten russische Drohnen- und Artillerieangriffe in fünf Bezirken drei Menschen und verletzten fünf weitere, teilte der Leiter der regionalen Militärverwaltung, Oleksandr Ganzha, auf Telegram mit.
Journalisten in Kyjiw berichteten, sie hätten kurz nach Mitternacht eine Reihe von Explosionen gehört, nachdem die Behörden Raketenalarm ausgelöst hatten.
Der Bürgermeister Vitali Klitschko teilte in sozialen Netzwerken mit, die Hauptstadt stehe „unter Beschuss mit ballistischen Raketen“.
Der ukrainische Zivilschutz meldete, ein Lagerhaus sei in Brand geraten, eine Person sei verletzt worden.
Offensive bei Kursk
Etwa 600 nordkoreanische Soldaten sind im Kampf auf russischer Seite gegen ukrainische Truppen getötet worden, erklärte der südkoreanische Geheimdienst im vergangenen Jahr gegenüber Abgeordneten.
Nordkorea habe insgesamt rund 4.700 Verluste erlitten, darunter Tote und Verletzte, berichtete der Nationale Nachrichtendienst Südkoreas (NIS) einem Parlamentsausschuss.
Zwischen Januar und März wurden demnach etwa 2.000 verletzte Soldaten per Flugzeug oder Zug nach Nordkorea zurückgebracht.
Die getöteten Soldaten seien in Russland eingeäschert worden, bevor ihre Überreste in die Heimat zurückgingen, teilte der Geheimdienst mit.
Die Einschätzung erfolgte, nachdem Pjöngjang erstmals bestätigt hatte, Truppen entsandt zu haben, um Russland bei der Rückeroberung von Teilen der Region Kursk zu unterstützen. Die Ukraine hatte dort bei einem Überraschungsangriff die Kontrolle übernommen.
Unterdessen zeigte die nordkoreanische Wirtschaft Anzeichen einer Erholung, da Pjöngjang seine Handels- und diplomatischen Beziehungen zu Russland und China ausbaute, hieß es in einem Bericht des südkoreanischen Vereinigungsministeriums im April.
Starre sozialistische Planvorgaben und hohe Militärausgaben haben das Wachstum in Nordkorea jahrelang geschwächt. Hinzu kommen weitreichende internationale Sanktionen, die sein Atomwaffenprogramm eindämmen sollen.
China ist seit Langem der wichtigste wirtschaftliche Unterstützer des international isolierten Landes. Gleichzeitig hat sich Pjöngjang seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine 2022 auch politisch enger an Moskau gebunden.
Diese Beziehungen sorgen nun für bessere wirtschaftliche Perspektiven. Nach Einschätzung des südkoreanischen Ministeriums scheint der Norden „eine Phase der Schrumpfung hinter sich gelassen“ und „eine Phase allmählicher Erholung erreicht“ zu haben.
Analysten gehen zudem davon aus, dass Nordkorea von Russland wirtschaftliche Hilfe und militärtechnische Unterstützung erhält – im Gegenzug für Truppen und Munition, die es für den Krieg gegen die Ukraine bereitstellt.