Brief von inhaftiertem "Welt"-Journalist Deniz Yücel an deutsche Kollegen

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Von Euronews
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Der in der Türkei inhaftierte Journalist Deniz Yücel hat sich mit einem Brief bei seinen Kollegen von der "Welt" gemeldet. Die deutsche Bundeskanzlerin verlangt Yücels Freilassung.

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Der in der Türkei inhaftierte Journalist Deniz Yücel hat sich mit einem kurzen Brief bei seinen Kollegen von der Zeitung “Die Welt” gemeldet. Den Zettel konnte er seinem Anwalt mitgeben.

In seiner Nachricht lobt der deutsch-türkische Korrespondent der “Welt” regelrecht die Bedingungen in der Untersuchungshaft – wie Tageslicht, richtiges Essen, löslichen Kaffee und Zeitungen -, nachdem er zuvor im offenbar viel schlimmeren Polizeigewahrsam war.

Yücel werden Terrorismuspropaganda und Volksverhetzung vorgeworfen. Seine Untersuchungshaft kann bis zu fünf Jahre dauern. Sein Fall beunruhigt viele in der deutschen Politik.

Für Unmut sorgen in Deutschland darüberhinaus auch Besuche türkischer Politiker, die zur Zeit bei Deutschtürken für die geplante Verfassungsänderung werben.

Diese Änderung würde Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan eine fast unbeschränkte Machtfülle geben. In Deutschland können darüber fast anderthalb Millionen Menschen abstimmen.

So war vor knapp zwei Wochen in Oberhausen in Nordrhein-Westfalen Regierungschef Binali Yildirim, heute kommt in das baden-württembergische Gaggenau Justizminister Bekir Bozdag.

Bozdag verwies im Fall Yücel auf die Unabhängigkeit türkischer Gerichte: Die Türkei sei ein demokratischer
Rechtsstaat, sagte er.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel wies jedoch darauf hin, Journalisten müssten ihre Arbeit machen können. Die Bundesregierung werde alles tun, um auf eine Freilassung Yücels hinzuwirken.

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, die Kanzlerin erwarte, dass Yücel so bald wie möglich wieder auf freien Fuß komme.

Seibert wies darauf hin, dass Yücel sich aus freien Stücken den Behörden gestellt habe. Deshalb sei es unverhältnismäßig, ihn in Untersuchungshaft zu nehmen.

Der Fall Yücel belastet nach Seiberts Worten das Verhältnis zur Türkei, das schon vorher durch Einschränkungen demokratischer Freiheiten beeinträchtigt gewesen sei.

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