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Neuer Nowitschok-Fall: Was wir bisher wissen

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Neuer Nowitschok-Fall: Was wir bisher wissen

Dawn Sturgess und Charles Rowley
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Dawn Sturgess and Charles Rowley/ Facebook
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Zwei Menschen sind schwer krank, nachdem sie dem Nervengas Nwoitschok ausgesetzt waren. Der Kontakt erfolgte in der Nähe des Ortes, an dem ein ehemaliger russischer Spion und seine Tochter fast getötet wurden, nachdem sie mit einer ähnlichen Chemikalie in Kontakt gekommen waren.

Wer sind die Opfer?

Die beiden wurden von der Polizei nicht offiziell identifiziert. Euronews hat aus Bekanntenkreisen der Opfer erfahren, es sich um Charlie Rowley, 45, und Dawn Sturgess, 44 handelt.

Beide sind britisch und kommen aus der Gegend, in der sich der Vorfall ereignete.

Auf Facebook haben sie im Februar 2017 angegeben, in einer Beziehung zu sein. Sturgess gibt ihre Heimatstadt als Durrington an, wenige Kilometer von Amesbury entfernt.

Was ist passiert?

Gegen 10:15 Uhr am Samstagmorgen wurde der Notdienst gerufen, weil Sturgess in einem Haus in Amesbury das Bewusstsein verlor. Etwa fünf Stunden später die Rettungskräfte zurück: Dieses Mal für Rowley.

Beide befinden sich in einem kritischen Zustand im Krankenhaus von Salisbury. Die Polizei vermutete zunächst, dass sie kontaminierte Medikamente eingenommen haben könnten, doch die Ärzte waren zunehmend verwirrt über ihren Zustand und schickten am Montag Proben zur fachlichen Analyse.

Die Ergebnisse dieser Tests wurden am Mittwoch veröffentlicht und zeigten, dass das Paar dem Nervengift Nowitschok ausgesetzt war. Die Polizei sagte, dass sie nicht bestätigen konnten, ob die Chemikalie von der gleichen Probe stammt, die bei der vorherigen Vergiftung verwendet wurde.

Was ist Novichok?

Nowitschok ist eine chemische Waffe und seit März in den Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass es benutzt wurde, um Sergei Skripal zu vergiften. Der ehemalige russische Doppelagent hatte nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis in einem Spionagetausch Zuflucht in Großbritannien gesucht.

Ursprünglich während des Kalten Krieges entwickelt, gehört Nowitschok zu den tödlichsten chemischen Waffen, die je entwickelt wurden. Es soll zum ersten Mal 1995 bei der Ermordung eines russischen Bankiers eingesetzt worden sein. Nowitschok wirkt, indem sie die Funktion der Nerven blockieren und den Körper dazu bringen, sich selbst zu zerstören.

Im Rahmen eines internationalen Abkommens von 1997 haben sich fast alle Nationen bereit erklärt, diese Waffen zu vernichten, mit Ausnahme von kleinen Proben, die für Forschungszwecke verwendet werden. Russland sagt, dass es die Vereinbarung vollständig eingehalten hat.

Euronews hat mit einem der Entwickler von Nowitschok gesprochen. Sehen Sie hier den Bericht.

Wo haben sich die Vorfälle ereignet?

Das Paar wurde von den Rettungsdiensten in einem Haus in Amesbury, etwa 14 km von Salisbury entfernt abgeholt. Yulia und Sergei Skripal waren auf einer Parkbank in Salisbury bewusstlos aufgefunden worden. Die Polizei versiegelte eine Reihe von Orten, die Vater und Tochter kürzlich besucht hatten, darunter einen Park und ein Grundstück in Salisbury selbst.

Die Forschungseinrichtung Porton Down, in der die Top-Wissenschaftler Großbritanniens chemische Waffen untersuchen, liegt etwa 10 km von Salisbury entfernt.

Was ist mit den Skipals passiert?

Sergei Skripal, 66, und seine Tochter Yulia wurden am 4. März bewusstlos auf einer Bank in Salisbury gefunden.

Beide befand sich wochenlang in einem kritischen Zustand. Ärzte befürchteten, dass sie, selbst wenn sie überlebten, einen Gehirnschaden behalten könnten.

Gegen Erwarten verbesserte sich ihre Gesundheit rasch. Yulia wurde im April aus dem Krankenhaus entlassen, ihr Vater wenige Wochen später.

In einer schriftlichen Erklärung nach 20 Tagen im Koma sagte Yulia Skripal, sie und ihr Vater seien "so glücklich, dass sie beide diesen Attentatsversuch überlebt haben".

Sie hoff, irgendwann nach Russland zurückzukehren zu können.

Wer steckt hinter dem ersten Angriff?

Großbritannien warf Russland vor, hinter dem Angriff auf die Skripals zu stehen. Dies führte zu einem diplomatischen Streit, in dem mehr als 20 Länder, darunter Deutschland, Frankreich und die USA, etwa 100 russische Diplomaten in ausgewiesen.

Das britische Außenministerium sagte, nur Moskau habe das Motiv und die Mittel, eine so komplexe Operation durchzuführen.

Moskau demetierte wiederholt jede mögliche Verstrickung in dem Fall. Präsident Wladimir Putin sagte, wenn tatsächlich ein Nervenmittel verwendet worden sei, er tot wäre.

Russland äußerte den Verdacht, Großbritannien habe den Angriff selbst durchgeführt, um die antirussische Hysterie zu schüren.

Im Gegensatz zu den Skripals scheinen Rowley und Sturgess keine Verbindungen zu Moskau zu haben. Laut Behörden gibt es keine Beweise dafür, dass die beiden gezielt angegriffen wurden.

Großbritanniens ältester Anti-Terror-Offizier Neil Basu erklärte Reportern, dass nachgeforscht werde, ob die beiden Vorfälle miteinander verbunden sind.