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Hungerstreik von Oleg Senzow: "Er will nicht sterben"

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Hungerstreik von Oleg Senzow: "Er will nicht sterben"

Natalia Kaplan kämpft für die Freilassung ihres Cousins Oleg Semzow.
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Anhängerinnen und Anhänger des ukrainischen Filmemachers Oleg Senzow haben am 100. Tag seines Hungerstreiks protestiert. Sie versammelten sich vor den russischen Botschaften, unter anderem in London und Kiew. Senzow, der in einem Gefängnis in Sibirien einsitzt, verweigert seit dem 14. Mai die Nahrungsaufnahme. Er will damit für die Freilassung der weiteren 64 ukrainischen Gefangenen in Russland und auf der annektierten Halbinsel Krim kämpfen.

Euronews hat mit Senzows Cousine über den Zustand des Inhaftierten gesprochen. Natalia Kaplans jüngster Gefängnisbesuch liegt mehr als einen Monat zurück. Die Folgen des Hungerstreiks waren damals bereits sehr deutlich zu sehen, erzählt sie. "Es war, als hätte ich ihn 15 Jahre nicht gesehen, nicht nur drei Jahre. Er sah wirklich alt aus und sehr dünn, sehr verändert."

Interview mit Natalia Kaplan (auf Englisch)

Er wolle nicht mehr, dass sie ihm schreibe, dass er bald frei komme, so Kaplan in dem Interview. "Er will keine falsche Hoffnung mehr". Sie erzählt zudem, dass ihr Cousin über einen Tropf mit einer Nährstofflösung versorgt werde. Er wolle so verhindern, dass er bewusstlos und zwangsweise künstlich ernährt werde.

Außerdem fordert sie, das Thema in der Öffentlichkeit zu halten, um den Druck auf europäische Politikerinnen und Politiker zu erhöhen, eine Lösung zu finden. "Oleg unterstützt uns mit seinem Kampf. Er will nicht Selbstmord begehen. Er will nicht sterben. Solange er kämpft, können wir nicht aufgeben. Er bringt uns dazu, weiterzumachen."

In seinem jüngsten Brief von Anfang August schreibe ihr Cousin, dass sich sein Gesundheitszustand noch sehr viel mehr verschlechtert habe, so Kaplan. Er habe 30 Kilo abgenommen, Herzprobleme und leide an Blutarmut.

Die zuständige Gefängnisaufsicht in Russland bezeichnete den Gesundheitszustand des Gefangenen im jüngsten Bericht als "befriedigend".

Menschenrechtsorganisationen wie "Amnesty International" und viele internationale Kulturschaffende wie Ken Loach oder Herta Müller unterstützen Senzow - bisher jedoch ohne Erfolg.

Der 42-jährige Senzow ist 2015 in einem international kritisierten Prozess zu 20 Jahren Lagerhaft verurteilt worden. Er soll nach der Annexion der Halbinsel Krim 2014 Anschläge auf Denkmäler und russische Organisationen geplant haben.