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Kandel-Prozess: Achteinhalb Jahre Haft für Messerstecher

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Kandel-Prozess: Achteinhalb Jahre Haft für Messerstecher

Kandel-Prozess: Achteinhalb Jahre Haft für Messerstecher
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Im Mordprozess um die Messerattacke auf eine 15-Jährige in Kandel ist das Urteil gefallen. Der Exfreund des Opfers muss für achteinhalb Jahre ins Gefängnis. Die Richter verhängten die Strafe wegen Mordes und Körperverletzung, wie das Gericht mitteilte.

Das Urteil fiel hinter verschlossenen Türen, weil der aus Afghanistan stammende Angeklagte Abdul K. zur Tatzeit im vergangenen Dezember möglicherweise noch minderjährig war.

Nach dem tödlichen Messerangriff hatte sich eine fremdenfeindliche Gruppe mit dem Namen "Kandel ist überall" gebildet, die der Bürgermeister und viele in der 9.000 Einwohner Stadt Kandel ablehnen.

Strafverteidiger Maximilian Endler sagte nach der Entscheidung: "Mein Mandant verzichtet auf Rechtsmittel und ist mit dem Strafmaß einverstanden." Das Urteil gegen Abdul D. sei "angemessen" für die Tat kurz nach Weihnachten. Die Staatsanwaltschaft entscheidet in den nächsten Tagen, ob sie Revision vor dem Bundesgerichtshof einlegt.

Endler sagte, er rechne mit einer Abschiebung seines Mandanten nach Verbüßung eines Teils der Strafe. In seinem Schlusswort habe Abdul D. noch einmal Reue bekundet. Das Urteil habe der Angeklagte gefasst aufgenommen. Staatsanwaltschaft und Nebenkläger hatten zuvor die Höchststrafe von zehn Jahren bei Jugendstrafrecht gefordert, die Verteidigung sieben Jahre und sechs Monate wegen Totschlags.

Auch nach dem Urteil: Keine Ruhe in Kandel

Als Motiv für die Tat hatte die Staatsanwaltschaft Eifersucht und Rache angenommen. Sie ging davon aus, dass Abdul D. seine Ex-Freundin "bestrafen" wollte, weil sie sich von ihm getrennt hatte. Zwölf Tage vor der Tat hatte Mia zudem Anzeige gegen ihren Ex-Freund erstattet, es ging um Beleidigung, Nötigung, Bedrohung und Verletzung persönlicher Rechte. Zwei Tage später folgte eine Anzeige ihres Vaters gegen den jungen Flüchtling. Die Verurteilung auch wegen Körperverletzung bezieht sich auf Schläge gegen einen Freund Mias.

Der Bürgermeister von Kandel rechnet auch für die Zeit nach dem Urteil mit Kundgebungen in der Stadt. Kandel komme nicht zur Ruhe, sagte der SPD-Politiker Volker Poß im Radioprogramm SWR Aktuell. "Die rechte Szene hatte angekündigt, nach wie vor kommen zu wollen, und auch schon Termine für das nächste Jahr in Anspruch genommen."

Der Verbandsgemeindebürgermeister sagte weiter: "Letztendlich ist es so, dass man am Ende des Tages hier sitzt und Entscheidungen treffen muss und auch den ganzen Hass, die ganze Häme und die ganzen Diffamierungen für sich ganz persönlich erdulden muss."

Strafverteidiger Endler sagte, alle Beteiligten hätten sich bemüht, in der Verhandlung "Licht ins Dunkel" der erschütternden Tat zu bringen. "Sofern ein Strafprozess dies leisten kann, ist dies insgesamt geschehen." Ob von dem Urteil Signalwirkung ausgehe, wolle er nicht beurteilen. "Das Ganze bleibt tragisch."