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Unlösbare Tests für Staatsbürgerschaft in Europa? Unser Selbsttest mit 20 Fragen

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Unlösbare Tests für Staatsbürgerschaft in Europa? Unser Selbsttest mit 20 Fragen

Unlösbare Tests für Staatsbürgerschaft in Europa? Unser Selbsttest mit 20 Fragen
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Wissen Sie aus welchem Schweizer Kanton Raclette-Käse stammt?

Das ist eine der Fragen, die den Briten David Lewis beschäftigte, als er den Staatsbürgerschaftstest in seinem Schweizer Wahlheimat absolvierte. Zuvor hatte er bereits die meiste Zeit seines Lebens in der Schweiz gelebt.

Raclette kommt aus dem französischsprachigen Kanton Wallis, aber selbst mit einem enzyklopädischen Wissen über die Herkunft des Schweizer Käses hätten Bewerber für die Staatsbürgerschaft eine hohe Chance, bei diesem notorisch harten Test durchzufallen. In diesem Monat scheiterte etwa auch ein muslimisches Paar am Test, weil es sich weigerte, Mitgliedern des anderen Geschlechts die Hände beim Vorstellungsgespräch zu schütteln.

Auch die in der Schweiz als Tocher türkischer Eltern geborene Funda Yilmaz fiel letztes Jahr bei ihrem Staatsbürgerschaftstest durch, obwohl sie ihr ganzes Leben lang im Land gelebt hatte. Die Gründe dafür? Unter anderem schien sie nicht genug darüber zu wissen, wie man Öl recycelt. Im selben Jahr wurde die Niederländerin Nancy Holten, die seit ihrem achten Lebensjahr in der Schweiz gelebt hatte, abgelehnt, weil sie zuvor gegen Kuhglocken mobilisiert und sich gegen die Jagd und Ferkelrennen ausgesprochen hatte. Bereits 2016 wurde einer kosovarischen Familie offenbar die Staatsbürgerschaft verweigert, weil diese sich mit Trainingsanzügen in der Stadt zeigen würde.

Die Verleihung des Schweizer Bürgerrechts bedarf der Zustimmung von Bund, Kanton und Gemeinde, in der der Kandidat seinen Wohnsitz hat, und gerade auf dieser lokalen Ebene, wo andere Bewohner den Bewerbern Fragen stellen, entsteht der größte Teil der Kontroverse über die Staatsbürgerschaftstests.

Aber nicht nur die Schweizer Tests werden wegen ihres scheinbar willkürlichen Inhalts kritisiert: Auch die Staatsbürgerschaftstests im europäischen Ausland sind kein Kinderspiel.

Am Ende dieses Artikels haben wir für Sie einen Selbsttest vorbereitet - Bestehen Sie unseren europäischen Staatsbürgerschaftstest`?

Staatsbürgerschaft - eine Frage des Geldes?

Das Raclette-Unwissen von Daniel Lewis kostete ihn 2.810 Euro an verfallenen Antragsgebühren, was zumindest zeigt, dass die Zustimmung der Schweizer Behörden in diesem Fall nicht kaufbar war.

Das kann man aber nicht von allen europäischen Ländern behaupten. Im September 2017 wurde Zypern in einen Skandal um Geld für Pässe verwickelt. Dem Land wurde vorgeworfen, EU-Pässe an die Superreichen zu "verkaufen", die bereit waren, mehr als 2 Millionen Euro in das Land zu investieren. Portugal wurde wegen einer ähnlichen Regelung kritisiert, die eine Investition von mindestens 500.000 € im Austausch für ein Visum erforderte.

Selbst in Ländern, in denen es keinen Hauch von Korruption gibt, ist der Erwerb der Staatsbürgerschaft für Ärmere oft schwer möglich. Im Vereinigten Königreich belaufen sich die Kosten für Erwachsene auf etwa 1.480 € und für Kinder auf jeweils 1.125 €.

Das Prozedere in Frankreich ist viel billiger: Offiziell liegt der Preis bei 55 €, obwohl die erforderlichen beglaubigten Übersetzungen von Dokumenten einen Aufpreis von bis zu 500 € bedeuten könnten.

Warum testen?

Es ist vielleicht nicht immer klar, was die Einwohner des Kantons Schweiz bei potenziellen neuen Bürgern anstreben, aber die meisten Staatsbürgerschaftstests sind explizit darauf ausgerichtet, die Fähigkeit eines Kandidaten, die Sprache seines Landes zu sprechen, seine Kenntnisse der nationalen Geschichte und Kultur sowie den Grad seiner Integration in die Gemeinschaft zu testen. Diese letztgenannte Qualität wird auch durch die Aufenthaltserlaubnis geprüft, die von fünf Jahren in Großbritannien bis zu zehn Jahren in Spanien reicht.

Integration ist der schwierigste Aspekt, um diese drei Kriterien zu testen. Die Regierungen stehen vor einem Rätsel: Veröffentlichen Sie die Tests im Voraus, dann können sich die Kandidaten die Antworten einfach merken, was mehr über ihre Fähigkeit zum Auswendiglernen aussagt als über ihren Wissensstand. Werden die Fragen jedoch nicht veröffentlicht, könnten die Tests mit Vorwürfen der Willkür konfrontiert werden.

Die französische Regierung hat sich entschieden, einen Vorgeschmack auf die notwendigen Informationen in einem herunterladbaren livret citoyen zu veröffentlichen, einer 28-seitigen Destillation französischer Kultur, Politik und Geschichte, die als Leitfaden für den potenziellen neuen Bürger dienen soll.

In Deutschland hingegen gibt es eine Liste von 310 Fragen, aus denen 33 ausgewählt werden, wobei eine Mindestpunktzahl von 17 erforderlich ist. Der vollständige Fragenkatalog ist online verfügbar.

In Spanien hingegen hilft keine noch so gewissentliche Vorbereitung der Kandidaten gegen die dort üblichen Trickfrage, die in den Mix geworfen wird, wie z.B. "Welcher Fluss fließt zwischen Madrid und Barcelona?" (ein solcher Fluss existiert nicht).

Ich habe bestanden: Bin ich jetzt ein Staatsbürger?

Selbst wenn Sie den Staatsbürgerschaftstest des von Ihnen gewählten Landes bestehen, werden Sie vielleicht feststellen, dass Sie eine lange Wartezeit vor sich haben, bis Sie mit der Beantragung Ihres Reisepasses beginnen können.

In Frankreich ist dieses Prozedere nach mindestens neun Monaten am schnellsten abgeschlossen. Anderswo sorgt die Flut zusätzlicher Anforderungen für Wartezeiten von zwei bis drei Jahren nach der ursprünglichen Anmeldung.

Machen Sie den Test - 20 Fragen zur "Europäischen Staatsbürgerschaft":