Eilmeldung

Eilmeldung

Nach 18 Jahren Merkel: Die Streberin oder der Rächer?

Sie lesen gerade:

Nach 18 Jahren Merkel: Die Streberin oder der Rächer?

Nach 18 Jahren Merkel: Die Streberin oder der Rächer?
@ Copyright :
REUTERS/Thilo Schmuelgen/File Photo
Schriftgrösse Aa Aa

Seit April 2000 ist Angela Merkel die Vorsitzende der CDU - jetzt hat ihre letzte Woche in diesem Amt begonnen. Die Wahl auf dem Parteitag in Hamburg am 7. Dezember verspricht, spannend zu werden. Zwar liegt die Wunschkandidatin der Kanzlein als neue CDU-Chefin in den Umfragen seit einigen Wochen vorn. Doch spätestens seit Merkels Kandidat Volker Kauder als Fraktionschef Ende September dem weitgehend unbekannten Ralph Brinkhaus unterlegen ist, muss auch bei der CDU mit Überraschungen gerechnet werden.

Merz auf Rachefeldzug?

Angela Merkel wollte nach der Bundestagswahl 2002 auch das Amt der Fraktionvorsitzenden - sie löste in dieser Funktion damals Friedrich Merz ab. Seine Kandidatur für die Merkel Nachfolge gilt bei Beobachtern deshalb als eine Art Rachefeldzug. Dazu schrieb die Süddeutsche Zeitung:"Will Merz die CDU nicht nur aufwecken, sondern tatsächlich verantwortungsvoll führen, muss er an manchen Stellen über alte Schatten springen. Nur dann wird es ihm bei aller Sehnsucht nach Öffnung und neuen Debatten gelingen, die CDU tatsächlich für sich einzunehmen."

Vor allem beim Thema Flüchtlingspolitik hat sich Friedrich Merz (63) gegen die Linie der Kanzlerin ausgesprochen. Zudem hat er die CDU kritisiert, weil die Partei dem Aufstieg der AfD "achselzuckend" zugesehen habe. "Nach wie vor sind ungefähr 200 000 bis 250 000 Migranten in Deutschland, über deren Aufenthalt und über deren Herkunft wir nichts wissen. Das sind Dinge, die wir eben nicht zulassen dürfen, wenn wir nicht in Kauf nehmen wollen, dass daraus politische extreme Parteien entstehen", sagte Merz am Samstag bei einem Landesparteitag der sächsischen CDU in Leipzig.

Der Politiker aus NRW will die CDU weiter nach rechts rücken.

Friedrich Merz hat zudem am Wochenende in mehreren Interviews angedeutet, was er in Deutschland verändern möchte. So schlägt der Wirtschaftsanwalt vor, dass mehr Menschen Aktien kaufen und damit auch ihre Renten finanzieren sollten. "Wir sollten die Aktienmärkte nutzen, um langfristig eine bessere Vermögens- und Kapitalbildung in den privaten Haushalten zu schaffen», sagte der frühere Unionsfraktionschef in der "Welt am Sonntag".

"Ich spreche über eine ergänzende Altersvorsorge, die neben die gesetzliche Rentenversicherung treten muss", erklärte Merz in der ARD Es gebe bereits eine ganze Reihe von steuerlichen Begünstigungen. "Ich würde die gerne bündeln, ich würde sie gerne konzentrieren, ich würde sie vor allem gerne auf die Altersversorgung ausrichten."

Nicht nur von der Linkspartei wird Friedrich Merz wegen seiner Rolle als Lobbyist kritisiert. Er ist u.a. Aufsichtsratsvorsitzender beim Vermögensverwalter Blackrock Deutschland - Blackrock ist der größte Vermögensverwalter der Welt.

Anti-Merkel gegen Mini-Merkel?

Anders als der Anti-Merkel-Kandidat Friedrich Merz gilt Annegret Kramp-Karrenbauer (56) nicht nur als Vertraute der Kanzlerin, sondern sogar als eine Art "Mini-Merkel". Wenn ein Mann in der gleichen Situation wäre, käme dieser Vergleich gar nicht auf, meint die Kandidatin im Namen von Millionen Frauen dazu. Sie sei 56 Jahre alt, habe drei erwachsene Kinder und eine ganz veritable Karriere hingelegt, erklärte Kramp-Karrenbauer Ende November vor den Bundesdelegierten der Senioren-Union der CDU in Magdeburg. "An mir ist überhaupt nichts mini."

Die Frau aus dem Saarland sagt auch: "Tatsache ist, dass mich vieles mit Angela Merkel verbindet – sowohl persönlich als auch politisch. Ich werde nicht damit beginnen, mich aus taktischen Gründen davon zu distanzieren."

In einigen ihrer Erklärungen klingt das allerdings anders.

Bei den Regionalkonferenzen, bei denen sich die Kandidaten den CDU-Mitgliedern und -Delegierten vorgestellt haben, hat die ehemalige Ministerpräsidentin sich auch von Merkels Positionen abgesetzt. Besonders bei gesellschaftspolitischen Fragen hatte Annegret Kramp-Karrenbauer das schon zuvor eine konservativere, man könnte auch sagen weniger moderne Sicht vertreten. Zum Thema Ehe für alle erklärt sie: "Für mich ist die Ehe traditionell die Verbindung von Mann und Frau."

Am Wochenende kritisierte Kramp-Karrenbauer Merz indirekt in der "Bild am Sonntag": "Ich bringe eine sehr profunde Kenntnis der Partei mit ein, weil ich viele Jahre Verantwortung für sie getragen habe. (...) Ich weiß es, wie es ist, als Spitzenkandidatin auch dann erfolgreich zu sein, wenn einem der Wind ins Gesicht weht."

Anders als die ehemalige Ministerpräsidentin des Saarlandes war Merz noch nie Spitzenkandidat in einem Wahlkampf.

Kramp-Karrenbauer gab in dem Interview auch Privates preis: Sie sei eine brave Schülerin gewesen und habe nicht viel übrig gehabt für Rebellentum. "Ich war eher das Modell Streberin, wobei ich nicht immer Bestnoten hatte." Sie habe nie "blau gemacht", gekifft habe sie auch nie.

Die Wahl haben 1.000 CDU-Delegierte auf dem Parteitag am kommenden Freitag.