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Schikaniert und sexuell belästigt: Der Afghanische Frauenfußball in der Krise

Schikaniert und sexuell belästigt: Der Afghanische Frauenfußball in der Krise
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Fariba Pajooh
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Lange stellte Frauenfußball etwas Befreiendes für Afghanistan dar. Er war ein Symbol für die Rechte der Frauen nach dem Sturz der Taliban im Jahr 2001. Doch seit einigen Wochen steht der afghanische Frauenfußball wieder im Rampenlicht und stellt all das infrage, wofür er jahrelang zum Symbol geworden ist. Nationalspielerinnen sollen von Funktionären des nationalen Fußballverbands sexuell missbraucht und körperlich misshandelt worden sein. Der afghanische Präsident Aschraf Ghani selbst ordnete Untersuchungen an.

Der Generalstaatsanwalt hat sechs Mitglieder des afghanischen Fußballverbandes (AFF) suspendiert – darunter dessen Präsidenten Keramuddin Karim. Aktuelle und ehemalige Mitglieder des Teams sagten Euronews, dass Athletinnen in Afghanistan regelmäßig "gedemütigt" und vom AFF nicht respektiert würden.

"Wir werden auf dem Weg zum Stadion schikaniert", sagte eine. Führungsspielerinnen berichteten Euronews, dass die Vorfälle im Hauptquartier des Verbandes und in einem Trainingslager stattfanden. Sie sagen, dass Frauen innerhalb des AFF systematisch missbraucht werden.

Frauen wurden entlassen, weil sie ablehnten

Madina Azizi, eine ehemalige Mitarbeiterin der Frauenfußballabteilung beim AFF, wurde im vergangenen Jahr gezwungen, die Mannschaft zu verlassen. Sie sei frustriert, in einem System arbeiten zu müssen, das seine Spieler nicht schütze: "Wir arbeiten in einer sehr problematischen Situation. Ich wurde zu Unrecht aus der Fußballnationalmannschaft entlassen und war verleumderischen Anschuldigungen ausgesetzt."

Im vergangenen Jahr wurden neun Frauen aus dem Frauenteam entlassen, sagt Azizi, weil sie sexuelle Angebote von Mitarbeitern des Verbandes abgelehnt haben.

Der afghanische Fußballverband sagte in einer Stellungnahme, dass er "die falschen Anschuldigungen in Bezug auf die Frauen-Nationalmannschaft des AFF energisch ablehnt". Das hielt die FIFA, den afghanischen Generalstaatsanwalt oder den Präsidenten Ghani jedoch nicht davon ab, sich in das Thema einzumischen.

Frauen dürfen Fußballstadien besuchen

Nilab Mohammadi ist seit vier Jahren in der Frauen-Nationalmannschaft aktiv. "Die Leute erniedrigen Mädchen, die Sport treiben. Sie argumentieren, dass Sport für Frauen nicht notwendig ist", sagte sie.

"Das Leben ist nicht einfach für uns und ich habe beschlossen, diejenigen zu bekämpfen, die uns mit Verachtung ansehen. Wir leben im 21. Jahrhundert und wollen nicht mehr im Schatten stehen. Wir leben in einem völlig traditionellen Land, aber wir müssen Hindernisse beseitigen."

Obwohl Afghanistan seine traditionelle kulturelle Struktur beibehält, gibt es heute ein begrenzte Möglichkeiten für Frauen, am Sport teilzunehmen – und sie dürfen als Zuschauerinnen ins Fußballstadien gehen. Rechte, für die Frauen im Iran noch immer kämpfen müssen. Und Frauen in Saudi-Arabien dürfen das erst seit diesem Jahr.

Die Frauenfußballmannschaft wurde 2007 vom Nationalen Olympischen Komitee Afghanistans gegründet, wobei die Spielerinnen aus ausgewählten Schulen in Kabul rekrutiert wurden. Im Mai 2010 wurde die dänische Sportmarke Hummel zum Sponsor der afghanischen Männer-, Frauen- und Jugendteams.

Im Dezember 2010 spielte das Frauenteam sein erstes offizielles Länderspiel gegen Nepal, während der Frauenmeisterschaften des Südasiatischen Fußballverbandes in Bangladesch.