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Nach Kritik an Khashoggi-Mord: Netflix sperrt Episode einer Comedy-Show in Saudi-Arabien

Nach Kritik an Khashoggi-Mord: Netflix sperrt Episode einer Comedy-Show in Saudi-Arabien
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Screenshot Youtube: Patriot Act
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Netflix hat eine Episode einer Comedy-Show gesperrt, nachdem das Königreich Saudi-Arabien eine Beschwerde eingereicht hatte. Darin war der saudi-arabische Kronprinz wegen des Mordes an dem Journalisten Jamal Khashoggi kritisiert worden.

Jeder Künstler, dessen Arbeit auf Netflix erscheint, sollte empört darüber sein, dass der Konzern zugestimmt hat, eine Comedy-Show zu zensieren, weil sich die dünnhäutigen Royals in Saudi-Arabien darüber beschwert haben

Sarah Leah Whitson Human Rights Watch

Die Plattform bestätigte der Financial Times am Dienstag, dass sie die zweite Episode der Sendung "Patriot Act" des Komikers Hasan Minhaj in Saudi-Arabien von der Seite genommen hatte, nachdem die Saudi Communications and Information Technology Commission eine formelle Beschwerde eingereicht hatte.

In der Episode behandelt Minhaj die Rolle des Kronprinzen Mohammed bin Salman bei der Ermordung von Khashoggi, einem Kolumnisten der Washington Post und Kritiker der saudischen Führung. Außerdem kritisierte Minhaj Saudi-Arabien für seine Rolle im jemenitischen Konflikt.

Saudi-Arabien bestreitet eine Beteiligung an dem Tod Khashoggis

Der Journalist wurde Anfang Oktober im saudischen Konsulat im türkischen Istanbul getötet. Saudi-Arabien stritt zunächst den Mord ab und bestand darauf, dass Khashoggi das Konsulatsgelände unbehelligt verlassen hatte. Tonaufnahmen aus dem Konsulat belegten jedoch das Gegenteil, auch Saudi-Arabien gab später zu, dass Khashoggi im Konsulatsgebäude getötet wurde. Der US-Geheimdienst CIA vermutet, dass der Kronprinz den Mord angeordnet zu habe.

Das Königreich wies die Anschuldigungen vehement zurück. Stattdessen argumentierten Verantwortliche, Abtrünnige seien für die Tat verantwortlich.

Netflix handelte eigenen Angaben zufolge nach nationalem Recht

In einer Erklärung an die Financial Times verteidigte Netflix seine viel kritisierte Entscheidung und sagte: "Wir unterstützen die künstlerische Freiheit weltweit nachdrücklich und haben diese Episode in Saudi-Arabien erst nach Erhalt einer rechtlich gültigen Aufforderung entfernt." Auch sie müssten sich an nationales Recht halten.

Der Streaming-Dienst erklärte der Zeitung, dass sich das Land auf einen Gesetzesartikel berufen habe, der besagt, dass "die Produktion, Aufbereitung, Übertragung oder Speicherung von Material“ ein Verbrechen sei, „das die öffentliche Ordnung, religiöse Werte, die öffentliche Moral und die Privatsphäre beeinträchtigt". Ein Verstoß werde mit bis zu fünf Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von bis zu drei Millionen saudischen Riyal (700.000 Euro) geahndet.

Die Episode ist in anderen Regionen noch auf Netflix verfügbar. Es ist auch weltweit über den YouTube-Kanal von Minhaj erhältlich.

„Dünnhäutige Royals in Saudi-Arabien“

Von Hasan Minhaj gibt es noch keine Stellungnahme zu der Netflix-Entscheidung.

Sarah Leah Whitson, Direktorin der Abteilung Mittlerer Osten und Nordafrika bei Human Rights Watch, verurteilte den Schritt als Zensur. "Netflix Anspruch, die künstlerische Freiheit zu unterstützen, hat nichts zu bedeuten, wenn es sich den Forderungen von Regierungsbeamten beugt, die nicht an die Freiheit der Bürger glauben – nicht an künstlerische, politische oder satirische Freiheit. Jeder Künstler, dessen Arbeit auf Netflix erscheint, sollte empört darüber sein, dass der Konzern zugestimmt hat, eine Comedy-Show zu zensieren, weil sich die dünnhäutigen Royals in Saudi-Arabien darüber beschwert haben", schrieb sie auf Twitter.

Khashoggis ehemalige Redakteurin an der Washington Post, Karen Attiah, kritisierte ebenfalls die Entfernung von Minhajs Show aus Saudi-Arabien als "ziemlich empörend".