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Nachhaltiges Fischen: Die EU setzt auf Anlandungspflicht

Nachhaltiges Fischen: Die EU setzt auf Anlandungspflicht
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Der Ozean ist die Wiege des Lebens. Er liefert uns Nahrung, die Hälfte des Sauerstoffs, den wir einatmen, und die Energie, auf die wir zunehmend angewiesen sind. Erkunden Sie die Potenziale und Herausforderungen, die in unseren Meeren liegen. Und treffen Sie auf Frauen und Männer, die in der Blue Economy arbeiten.

Vor zehn Jahren waren die Fischbestände in Europa gefährlich überfischt. Heute haben sich viele Fischbestände erholt. Das sind großartige Nachrichten sowohl für den Planeten, als auch für die Wirtschaft. Aber was steckt hinter diesem unglaublichen Umschwung? Innovation, Regulierung oder beides? Das ist das Thema in dieser ersten Folge von "Ocean".

Wenn Sie in der Weihnachtszeit eine bessere Auswahl an Meeresfrüchten als sonst hatten, ist dies zum Teil auf steigende Fänge hier in Schweden und ganz Nordeuropa zurückzuführen. Normalerweise werden auf dem kleinen Fischkutter des schwedischen Fischers Johan Grahn 20 Tonnen Garnelen und Langusten jährlich gefangen. Jetzt ist die Ausbeute doppelt so groß, denn die Bestände europäischer Fische und Muscheln wachsen.

"Ich bin so eine Art einsamer Wolf. Ich liebe das Meer, und ich liebe es, zu fischen. Mein Name ist Johan Grahn, und ich bin seit 1984 Fischer", sagt der Garnelenfischer. "Heutzutage gibt es Unmengen an Garnelen. Und auch die Fischbestände haben sich erholt."

Euronews-Reporter Denis Loctier: "in der Nord- und Ostsee sowie dem Atlantik ist die Überfischung in den vergangenen zehn Jahren drastisch zurückgegangen. Werfen wir einen Blick auf die verfügbaren Daten für 76 Fischbestände."

Vor zehn Jahren wurde nur jeder siebte gefährdete Bestand nachhaltig befischt, der Rest war laut der EU-Generaldirektion Maritime Angelegenheiten und Fischerei überfischt. In diesem Jahr werden sieben von zehn Beständen nachhaltig ausgebeutet.

Nachhaltiges Fischen - ein Ziel der EU

Wie hat die Europäische Union das erreicht? Zum Teil, indem man die Fischer dazu brachte, ihre Arbeitsweise zu ändern: Früher warfen die Fischer ungewollten Beifang - bis zu einem Viertel der Ausbeute - einfach ins Meer zurück, ein Großteil der Fische verendete. Heute haben die Fischer auch andere Netze, die beispielsweise durchlässig für kleine Fische sind:.

"Niemand bei klarem Verstand will gute Nahrung einfach über Bord werfen - das ist einfach dumm. Nach einer Weile fand man eine bessere Lösung. Es fängt an mit der sogenannten Anlandungspflicht (landing obligation)", so Grahn.

Das Rückwurfverbot bzw. die Anlandungspflicht bedeutet, dass Fischer ihren gesamten Fang an Land bringen müssen. Ungewollter Beifang wird auf die Quoten angerechnet, kann aber mit selektiven Netzen wie diesem reduziert werden. Die Europäische Kommission ist ist überzeugt davon, dass die Anlandungspflicht zu zuverlässigeren Daten über Fischbestände, zu einer besseren Verwaltung und einer effizienteren Nutzung der natürlichen Ressourcen führen wird.

"Der gesamte Beifang - ungewollte und zu kleine Fische - kann durch die Stäbe dem Netz entkommen", so der schweidsche Fischer Grahn.

Kein überflüssiger Beifang mehr

Wie ist der Stand in anderen Ländern? Hier in Frankreich testen Forscher selektive Netze, die für lokale Fischer hergestellt werden. Man arbeitet an einer großen Bandbreite der Ausrüstung, die auf die einzelnen Standorte und Fischarten abgestimmt ist. Fangtechniker Pascal Larnaud, Ifremer erklärt:

"Hier haben Sie ein klassisches Netz mit rautenförmigen Maschen, die die Tendenz haben, sich unter Zug in einem Schleppnetz zu schließen. Um sogenannte Quadratmaschen zu haben, muss man das Netz nur um 45 Grad drehen, schon erhält man diese viel offeneren Maschen. Und wenn man noch einmal weiterdreht, öffnen sie sich noch mehr. Damit wurden sehr gute Ergebnisse erzielt, vor allem in der der Keltischen See und im westlichen Ärmelkanal. Es eignet sich sehr gut für selektiven Fang, einige Fischer sagten uns, dass sie überhaupt keinen Rückwurf mehr haben."

Ohne die koordinierten Bemühungen der EU-Länder in den vergangenen vier Jahren, die Anlandungsverpflichtung umzusetzen, wäre dieser Umbruch nicht möglich gewesen. In der Bretagne setzt inzwischen ein Drittel der Fischkutter selektive Ausrüstung ein, um den immer strengeren Vorschriften gerecht zu werden. Marion Fiche, Projektleiterin der Organisation "Les Pêcheurs de Bretagne":

"Alle europäischen Fischer sitzen im selben Boot: Man fischt mit den gleichen Quoten, man verkauft auf dem gleichen Markt, sodass es auch normal ist, dass es gemeinsame Regeln gibt, die für eine gewisse Gerechtigkeit zwischen den verschiedenen Fischern der verschiedenen Länder sorgen."

Zunehmend selektiver Fischfang

In Göteborg wird der frische Fang versteigert. Die Fischerei gehört heute zu den am stärksten wachsenden Wirtschaftszweigen Europas. Der zunehmend selektive Fischfang trägt zur Gewinnsteigerung bei: Die Fischer erfüllen ihre Quote mit wertvolleren Produkten - und das bringt ihnen wiederum mehr Einkommen. Malin Skog, Nachhaltigkeitsmanagerin der schwedischen Fischer-Produzentenorganisation (SFPO) sagt:

"In vielen Fällen gibt es eher kleine Quoten. Die Fischer haben also sehr früh erkannt, dass man, um sie voll ausschöpfen zu können, sich wirklich auf die Anlandeverpflichtung vorbereiten muss, damit man den bestmöglichen Fisch fängt und damit natürlich auch den bestmöglichen Preis erzielt."

Die EU strebt an, alle Fischbestände bis 2020 wieder auf ein nachhaltiges Niveau zu bringen. Dabei zahlen sich auch die Bemühungen der vergangenen zehn Jahre aus und helfen dem Meer, den Fischer und den Verbrauchern. Johan Grahn sagt: "Man fängt nur Garnelen keinen ungewollten Beifang. Die kleinen Fische können den Netzen entkommen und weiterleben - bis man sich wiedersieht."