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Sind die IS-Dschihadisten in Syrien wirklich besiegt?

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REUTERS/Nour Fourat/File Photo
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Aktivisten, die die Lage in Syrien beobachten, die sogenannte "Beobachtungsstelle für Menschenrechte" mit Sitz in London, erklärt an diesem Samstag, die letzte Bastion der IS-Dschihadisten, der Ort Baghouz bei Deir Ez-Zor in Syrien, sei gefallen. Viele Zivilisten fliehen aber noch aus dem Kampfgebiet - darunter die Familien der Islamisten, die seit Jahren in Syrien gelebt hatten.

Unter den IS-Kämpfern und deren Hierarchie sind auch zahlreiche Islamisten aus Europa, die nach Syrien gegangen waren, um sich ISIL ("Islamischer Staat in Syrien und Levante") anzuschließen. Was jetzt aus ihnen und ihren Familien werden soll, ist unklar.

Truppen der SDF (Syrischen Demokratischen Kräfte) unter Führung der Kurdenmiliz YPG kämpfen seit Monaten im Osten Syriens gegen die letzte Bastion der Dschihadisten vor. Sie plädieren dafür, dass die festgenommenen IS-Kämpfer und ihre Familien in ihre Herkunftsländer zurückkehren. Dort könnte ihnen der Prozess gemacht werden.

Abzug der US-Truppen aus Syrien

Der Top-General der US-Truppen im Nahen Osten, Joseph Votel, hält den Abzug der Amerikaner aus Syrien für verfrüht und die Terrorgruppe IS nicht für besiegt. Auch die deutsche Verteidigungsministerin hatte in den vergangenen Tagen ähnliche Erklärungen abgegeben.

US-Präsident Donald Trump hatte im Dezember angekündigt, alle 2000 US-Soldaten aus Syrien abzuziehen - mit der Begründung, der IS sei dort bezwungen.

Votel sagte dem Fernsehsender CNN am Freitag mit Blick auf diese Entscheidung: «Ich hätte das nicht vorgeschlagen, offen gesagt.» Das Kalifat des «Islamischen Staates» (IS) verfüge weiter über Anführer, Kämpfer, Unterstützer und Ressourcen. Deshalb sei fortdauernder militärischer Druck gegen das Netzwerk nötig.

Um den IS für besiegt erklären zu können, müsse gesichert sein, dass die Terrororganisation nicht die Fähigkeiten besitze, Anschläge auf die USA oder seine Verbündeten zu planen oder zu steuern, sagte Votel. Er betonte aber: «Sie haben weiter diese sehr mächtige Ideologie, also können sie inspirieren.»

Er mahnte auch, die von Kurden angeführten und von den USA unterstützten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) bräuchten weiter Hilfe im Kampf gegen den IS. Vor wenigen Tagen hatten sie eine Offensive auf die letzte IS-Bastion in Syrien begonnen.

Trumps Ankündigung des Abzugs aus Syrien hatte national wie international große Irritationen ausgelöst. Einen Zeitplan dafür hat er bislang nicht vorgelegt. Nach viel Kritik war Trump davon abgerückt, dass der IS bereits komplett besiegt sei. Bei einem Außenministertreffen der Anti-IS-Koalition in Washington am 7. Februar hatte er aber verkündet, er rechne in naher Zukunft mit einer vollständigen Rückeroberung des einst vom IS gehaltenen Geländes in Syrien und dem Irak. Eine entsprechende Erklärung seiner Regierung könnte womöglich bereits in der kommenden Woche erfolgen.