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Tag 2 der Missbrauchskonferenz: "Wir haben versagt"

Tag 2 der Missbrauchskonferenz: "Wir haben versagt"
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Tag zwei der Anti-Missbrauchskonferenz im Vatikan: Auf der Tagesordnung stand das Thema Rechenschaftspflicht. Wie Vertuschung erschweren, wie verhindern, dass Täter von ihren Vorgesetzten gedeckt werden? Diese Fragen wurden von Bischöfen, Experten und Opfervertretern aus aller Welt diskutiert – im Beisein des Papstes.

Oswald Kardinal Gracias, Erzbischof von Mumbai, sagte: "Die Kirche lebt nicht in einer isolierten, selbst erschaffenen Welt. Die Kirche lebt in der Welt und mit der Welt. Diejenigen, die sich eines kriminellen Verhaltens schuldig gemacht haben, müssen dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Die Kirche ist kein Vertreter des Staates, aber sie erkennt die Autorität des Staates und seine Gesetze an".

Ein globales Problem

Man habe viel zu lang weggeschaut, die Augen vor dem Ausmaß des Problems verschlossen. "Wir haben versagt", sagte der indische Geistliche. Nicht nur Täter und Mittäter, sondern die Kirche als Ganzes.

"Kein Bischof hat das Recht zu sagen: Dieses Missbrauchsproblem in der Kirche geht mich nichts an, denn in meinem Teil der Welt sind die Dinge anders, dieses Problem betrifft nur die USA oder Europa oder Australien. Denn das, Brüder und Schwestern, ist einfach nicht wahr. Ich wage zu behaupten, dass es solche Fälle überall auf der Welt gibt, auch in Asien, auch in Afrika. Seien wir mal ehrlich zu uns selbst: Wir tragen alle gemeinsam die Verantwortung", so Gracias.

Verfahren zur Absetzung von Bischöfen vorgeschlagen

Bischöfe, die beim Umgang mit Missbrauch versagt haben, sollen künftig abgesetzt werden können. Blase Joseph Kardinal Cupich, Erzbischof von Chicago, legte dafür einen Zwölf-Punkte-Plan vor: "Die Meldung einer Straftat darf nicht durch Geheimhaltungs- oder Vertraulichkeitsvorschriften behindert werden. Niemand sollte Angst vor Diskriminierung oder Vergeltung haben müssen, weil er eine Kirchenbehörde über das Fehlverhalten eines Bischofs informiert."

Alle Seiten des Missbrauchs sehen

Dass diesen Worten schnell Taten folgen, hofft Mary Dispenza vom US-Opferverband SNAP. Sie wurde im Alter von sieben Jahren von einem Priester vergewaltigt. Laut ihr ist Missbrauch in der Kirche ein deutlich komplexeres Problem als viele denken.

"Mittlerweile konzentriert sich ein großer Teil der Diskussionen auch auf den Missbrauch von Nonnen durch Geistliche – das ist gut und überfällig. Aber man sollte endlich auch Licht auf das Schicksal von Tausenden von Opfern werfen, die durch Nonnen missbraucht wurden", sagt die frühere Ordensschwester.

Ob die Konferenz den Forderungen der Redner gerecht werden kann, bleibt abzuwarten. Der viertägige Gipfel läuft noch bis Sonntag. Eine Abschlusserklärung mit bindenden, konkreten Maßnahme gegen sexuellen Missbrauch ist bislang nicht vorgesehen.