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#EUroadtrip - Griechenland-Fazit in der Taverne

#EUroadtrip - Griechenland-Fazit in der Taverne
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Unsere EU-Reporter Bryan und Fay lassen ihre Erinnerungen an die Stationen in Griechenland in traditionell griechischem Ambiente in Alexandroupoli Revue passieren.

Bryan:

Ich bin sicher, das Essen wird toll wie immer in Griechenland sein. Eine Sache, die ich aber nicht verstehe, Fay, ist das: Frappé. Ich meine, es ist kalter Kaffee. Die Griechen scheinen süchtig danach zu sein. Ich bevorzuge noch immer meinen traditionellen Kaffee. Abgesehen davon war alles super, wir hatten einen Wahnsinnstrip, wir haben einige sehr interessante Geschichten gehört, haben einige sehr interessante Leute getroffen - ob die Kleinunternehmer in Metsovo, die Bauern in Larissa, Menschen in Thessaloniki, im Bezirk Evros, an der Grenze zur Türkei. Das Hauptthema ist natürlich die Migration. Darüber zu berichten war für mich am eindrücklichsten. Wir sind zu einem der Flüchtlingscamps gefahren und es ist immer echt schwer, die Lebensumstände der Menschen zu sehen, die gerade aus Kriegsgebieten geflohen sind und jetzt in diesen Verhältnissen leben müssen.

Fay:

Weißt du, was mich am meisten berührt hat, außer der Begegnung mit den Migranten, waren die Antworten, die wir in Thessaloniki bekommen haben. Als wir sie gefragt haben, was ihr Hauptanliegen vor den Europawahlen ist, hatte ich persönlich erwartet, dass es das Prespa-Abkommen ist, der Namenskompromiss, den wir gerade vor ein paar Monaten mit dem Nachbarland eingegangen sind. Aber stattdessen sagten sie, am meisten sorge sie die Wirtschaftskrise, die finanzielle Situation, die Arbeitslosigkeit junger Menschen. Und ich würde dich gerne fragen: Du warst über die Jahre viele Male in Griechenland und bist nun zurückgekommen. Wir sind offiziell in der Post-Rettungsschirm-Ära. Was denkst du? Meinst du, die Leute haben das Gefühl, es gäbe keine Krise?

Bryan:

Nein, die Krise ist auf jeden Fall noch da. Ich erinnere mich daran, als ich 2011 oder 2012 nach Griechenland kam, als sie die ersten Sparmaßnahmen durchführten, gab es eine Menge Wut, eine Menge Aufruhr, die Griechen demonstrierten. Schreckliche Proteste fanden statt auf den Straßen Athens und anderswo. Da war das Gefühl fast schon einer Rebellion. Und jetzt ist es fast schon so als hätten sie die Krise akzeptiert. Nach zehn Jahren ist es einfach Bestandteil des Lebens, des griechischen Lebens geworden. Und sie wollen einfach ihr Leben weiterleben und darüber hinwegkommen. Aber was sie alle klar zu sagen scheinen, ist, dass der Lebensstandard, den sie vor der Krise gewohnt waren, nicht annähernd derselbe ist wie jetzt.

Fay:

Ein weiterer Punkt ist, dass die Regierung, die Regierungen allgemein in Griechenland, die Finanzen noch immer ausbalancieren müssen. Sie sind noch immer zu sehr strengen Sparmaßnahmengezwungen. Ich denke, das ist etwas, was die Leute nicht gerade spüren lässt, dass wir aus der Krise raus sind.

Bryan:

Ja, und wie du weißt, stehen die Europawahlen vor der Tür. Und vermutlich werden die Leute in diesen EU-Wahlen nicht über EU-Themen abstimmen, sondern über inländische Themen. Und das ist oft der Fall bei Europawahlen oder Referenden. Es geht nicht wirklich um die Frage, die gestellt wird, sondern darum, wer sie stellt. Und da es klare Sympathien für Syriza gibt, ist es wahrscheinlich, dass sich das an den Wahlurnen niederschlägt. Und dann gibt es ja noch die nationalen Wahlen hier im Oktober. Und ich glaube, die Leute sind viel mehr an diesen Wahlen als an den Europawahlen interessiert.

Fay:

Ich glaube, nur eine einzige Person, ein Grieche, der in Belgien lebt, hat uns erzählt, er werde nach europäischen Gesichtspunkten wählen.

Bryan:

Wie du weißt, geht es für mich jetzt nach Bulgarien. Wir werden sehen, was die Leute dort zu sagen haben. Dort war ich noch nie, es wird also eine große Entdeckungsreise für mich, aber ich freue mich, dort hinzureisen und den Menschen dort zuzuhören.

Dieser Artikel ist Teil einer Serie von Euronews. Die anderen Geschichten finden Sie in unserer Übersicht:

#EUroadtrip | Euronews berichtet vor den Europawahlen aus der EU