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Arbeitsschutz in der EU: Gesundheit ist die Basis für alles

Arbeitsschutz in der EU: Gesundheit ist die Basis für alles
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Arbeitnehmer in der Europäischen Union haben das Recht auf ein hohes Maß an Schutz ihrer Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz. Wie kann man Risiken minimieren und die Arbeitsumgebung sicher gestalten? Das ist Thema dieser Folge von Real Economy.

Die Grundsätze und Rechte, die zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen in der EU beitragen, gehören zu den Prinzipien der europäischen Säule sozialer Rechte.

Wie gefährlich können Arbeitsplätze sein?

Welchen Risiken sind Millionen von Europäern täglich ausgesetzt und wie können sie minimiert und beseitigt werden?

Eine der größten Gesundheitsgefahren, mit denen Arbeitnehmern in ganz Europa und sogar in der Welt konfrontiert sind, ist Krebs. Mehr als die Hälfte (52 Pozent) der arbeitsbedingten Todesfälle pro Jahr sind auf Krebs zurückzuführen, 24 Prozent sind durch Kreislauferkrankungen bedingt und 2 Prozent durch Verletzungen.

Zwar ist Krebs eine komplexe Krankheit, deren Ursachen teilweise schwer zu ermitteln sind, doch ist klar, dass Krebserkrankungen, die durch die Exposition gegenüber chemischen Stoffen am Arbeitsplatz hervorgerufen werden, durch die Verringerung bzw. Vermeidung dieser Exposition verhindert werden können.

Um den Schutz von über 40 Millionen Arbeitnehmern zu verbessern, aktualisiert die EU die Rechtsvorschriften kontinuierlich. Inzwischen deckt die Richtlinie über Karzinogene und Mutagene 26 krebserzeugende chemische Stoffe ab. Dadurch soll die Exposition gegenüber diesen Stoffen begrenzt werden.

Arbeitsbedingte Erkrankungen verursachen hohe Kosten

Aktuellen Schätzungen zufolge kosten arbeitsbedingte Unfälle und Verletzungen die EU jedes Jahr 476 Milliarden Euro, das sind rund 3,3 Prozent des EU-Bruttosozialprodukts. Die direkten Kosten der Exposition gegenüber Karzinogenen bei der Arbeit in ganz Europa werden auf 2,4 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.

Arbeitsschutz in Kroatien

Fast die Hälfte Kroatiens ist mit Wald bedeckt. Aus den Bäumen werden hochwertige Materialien hergestellt. Aber die Arbeit mit Holz kann schädlich sein, wie man in dieser Fabrik, die Parkettböden herstellt, sehen kann.

"Wenn Arbeiter diesen Holzstaub einatmen, lagert er sich in der Nase, im Rachen und in der Lunge ab", erklärt euronews-Reporterin Fanny Gauret. "Das kann zu Irritationen, Haut- und Atemwegserkrankungen und bei längerer Exposition zu Krebs führen."

Schätzungen zufolge sind etwa drei Millionen Arbeitnehmer in Europa Laubholzstaub ausgesetzt.

Vor drei Jahren wurde das Unternehmen von einer privaten Gruppe übernommen: die Produktion wurde modernisiert und man investierte in die Verwendung umweltfreundlicher Produkte und die Schaffung gesunder Arbeitsplätze.

"Wir haben in die Lüftungsanlage investiert, da gibt es Filiter mit Beuteln, die das Sägemehl sammeln", so der Leiter der Parkettfabrik in Bjelin Kruno Piškur. "Das wird dann in die größeren Silos transportiert. Und wir schauen, was wir noch verbessern können, welche Stoffe wir auf das absolute Minimum reduzieren können, denn ein sicherer und zufriedener Arbeiter ist ein guter Arbeiter."

Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz in ganz Europa

Laut einer Umfrage der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz waren 11 Prozent der Arbeitnehmer für mindestens ein Viertel ihrer Arbeitszeit Dämpfen aus Lösungsmitteln ausgesetzt; 15 Prozent Rauch, Pulver und Staub und 17 Prozent chemischen Produkten.

Arbeitgeber müssen die Verwendung krebserregender Stoffe und die Anzahl der exponierten Abeitnehmer der zuständigen Behörde melden.

Aber Gordana Palajsa von der Autonomen Gewerkschaften Kroatiens weiß: "Da es jedoch keine Sanktionen für die Nichterfüllung dieser Verpflichtung gibt, kommen ihr nicht alle kroatischen Arbeitgeber nach. Was wir brauchen, ist eine bessere Kontrolle der Anwendung der Vorschriften."

Bewertung von gefährlichen Stoffen

In Frankreich bewertet die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) Chemikalien und deren Mischungen. Sie werden in vier Kategorien eingeteilt, je nach Grad der nachgewiesenen Risiken.

"In der Gruppe 1 - das heißt karzinogen für Menschen - , sind 120 Substanzen oder Wirkstoffe eingeteilt", erklärt die Wissenschaftlerin Mary Schubauer-Berigan von der IARC Monographiengruppe. _"Von mindestens 70 dieser 120 Stoffen weiß man, dass sie aktuell oder in der Vergangenheit am Arbeitsplatz zu finden sind. Deshalb ist es für Länder und internationale Organisationen sehr wichtig, Maßnahmen zur Verringerung der Exposition am Arbeitsplatz zu ergreifen."
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Sasha Vakulina sprach in Bilbao mit der Verwaltungsdirektorin der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz Christa Sedlatschek über die bereits ergriffenen Maßnahmen der EU.

Christa Sedlatschek, Verwaltungsdirektorin, EU-OSHA:"Die EU hat die Richtlinie über Karzinogene und Mutagene angepasst. Dort sind jetzt 26 krebserregende Stoffe aufgeführt und es gibt Grenzwerte für die berufliche Exposition dieser 26 Stoffe. Durch die Anwendung dieser Expositionsgrenzwerte kann man den Tod von Hunderttausenden Menschen vermeiden."

Sasha Vakulina, euronews:"Frau Sedlatschek, in welchen Bereichen besteht die größte Gefahr für Arbeitnehmer?"

Christa Sedlatschek:"Beim Schweißen beispielsweise, denn während dieses Arbeitsprozesses entstehen Karzinogene. Aber auch Krankenschwestern im Gesundheitswesen sind krebserregenden Stoffen ausgesetzt oder auch Friseure, denn die Chemikalien, die sie für die Haare verwenden, enthalten teilweise auch krebserregende Stoffe. Und nicht zu vergessen der Bausektor, denn auch bei der Instandhaltung von Gebäuden gibt es aufgrund von Asbest oder Silikatstaub ein hohes Risiko."

Euronews:"Sind große Unternehmen mit größerer Infrastruktur besser in der Lage, mit gutem Beispiel voranzugehen und Präventivmaßnahmen in Bezug auf Arbeitsmedizin und Berufskrebs vorzugeben?"

Christa Sedlatschek:"Mehrere Umfragen und auch Forschungsarbeiten zeigen eindeutig, dass größere Unternehmen einen systematischeren Ansatz für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit haben, während Kleinst- und Kleinunternehmen keinen systematischen oder ganzheitlichen Ansatz haben. Sie reagieren also eher auf Ad-hoc-Basis. Wir, die EU - OSHA, haben ein Instrument entwickelt, ein interaktives Online-Tool zur Risikobewertung namens OiRA, das Kleinst- und Kleinunternehmen hilft. Es ist webbasiert, es ist kostenlos, leicht zugänglich und man erhält mit diesem Tool eine sehr gute Risikobewertung."

Euronews:Wir hatten Sie gebeten, etwas mitzubringen, um das Thema zu veranschaulichen. Was haben Sie dabei?

Christa Sedlatschek:"Das ist das so genannte "Haus der Arbeitsfähigkeit". Wie Sie sehen, gibt es 4 Säulen oder 4 Ebenen, die sehr wichig sind, um die Arbeitsfähigkeit zu verbessern. Die Gesundheit ist die Grundlage, dann kommen Kompetenz bzw. Talente, Werte und natürlich die Arbeit."