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Erinnerungen an den Mauerfall: "Ein Gefühl, als ob man schwebt"

Brandenburger Tor, 9. November 1989
Brandenburger Tor, 9. November 1989
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Es sind Bilder, die zum kollektiven deutschen Gedächtnis gehören: Menschen klettern auf die Berliner Mauer, fallen sich um die Arme und gehen über die gerade geöffnete Grenze. Auch die Ostberlinerin Dagmar Simdorn hat das miterlebt. Sie kam am 9. November '89 gerade vom Friedhof um die Ecke, wo sie das Grab ihres Mannes besuchte, als sie sah was in ihrer Nachbarschaft, an der Grenzanlage Bernauer Straße, passierte. "Das war wie Alice im Wunderland", sagt die 81-Jährige heute. "Man stand da mit offenem Mund davor."

Auf einmal war möglich, was vorher undenkbar schien: "Dass diese Mauer plötzlich durchlässig war, das war ein Gefühl, als ob man schwebt. So was Schönes. Alles Vergangene brach auf einen ein. Man fühlte sich wie beflügelt. Wunderschön."

"Es war im gewissen Sinne das Ende der Welt"

Simdorn geht in ihrer Nachbarschaft um die heutige Mauer-Gedenkstätte an der Bernauer Straße oft spazieren. Dass früher irgendwann Schluss war, schien normal: "Die Mauer hat im Alltag nur insofern eine Rolle gespielt, dass sie einfach dastand. Sie stand dann vor einem, wenn man selbst davor stand und man hat es erst mal einfach so akzeptiert. Es war irgendwo im gewissen Sinne doch das Ende der Welt."

Nur einen Steinwurf entfernt, aber auf der anderen Seite der Mauer, lebte und lebt Angelika Bondick. Wo heute Touristinnen und Touristen rumstehen, lauerte damals der Klassenfeind. "Da war ein Wachposten", so die 63-Jährige, die die heutige Gedenkstätte von ihrem Balkon aus sehen kann. "Wenn wir auf unserem Balkon waren, haben die uns mit ihren Ferngläsern erst mal begutachtet. Mein Mann hat ihnen, wenn er ein Bierchen getrunken hat, zugeprostet. Dann guckten die wieder."

Ossis: "Menschen, so wie du und ich"

Und heute, Einigkeit in Recht und Freiheit oder gibt es sie doch noch, die berühmte Mauer in den Köpfen? Früher habe man gemerkt, ob einer aus dem Ost- oder aus dem Westteil Berlins kam, so Bondick. "Die hatten eine andere Art. Aber jetzt sind alle ganz normal zusammengewachsen, denke ich."

Simdorn sagt: "Die Westler ja auch nur eingetrichtert bekommen, die Ostler sind alle dumm und faul und können nichts. Das das gar nicht so ist, hat ihnen in der jüngsten Vergangenheit ja auch die Augen geöffnet und sie haben gemerkt, dass sind ja auch Menschen, so wie du und ich."

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