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Flüchtlinge in Afghanistan: Das harte Schicksal von Asylbewerbern aus dem Iran

Flüchtlinge in Afghanistan: Das harte Schicksal von Asylbewerbern aus dem Iran
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REUTERS/Omar Sobhani
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Afghanistan gehört zu den Ländern, aus denen die meisten Menschen fliehen. In Lagern auf den griechischen Inseln und in Unterkünften in Deutschland leben viele Afghanen. Während es jedes Jahr Tausende aus dem Land zieht, fliehen aber auch immer wieder Menschen nach Afghanistan. Es sind nicht viele, doch erhoffen sich tatsächlich Menschen ein besseres Leben in dem durch jahrzehntelangen Krieg zerstörten Land. Woher kommen sie?

REUTERS/Giorgos Moutafis
Migranten aus Afghanistan auf LesbosREUTERS/Giorgos Moutafis

Nach Angaben des Büros der Vereinten Nationen in Afghanistan leben derzeit 821 Asylbewerber in Afghanistan. Dem Einwanderungsministerium zufolge kommen die meisten von ihnen kommen aus Pakistan, an zweiter Stelle stehen Asylbewerber aus dem Iran.

Seyed Abdolbaset Ansari, der Pressesprecher des afghanischen Einwanderungsministeriums, sagte im Gespräch mit Euronews: "423 pakistanische Bürger haben um Asyl in Afghanistan gebeten. Die meisten Asylbewerber kommen aus Pakistan. Darüber hinaus warten mehr als 100 Iraner auf eine Antwort auf ihren Antrag. Weitere Asylbewerber kommen aus dem Irak, der Türkei, Tadschikistan, China und Jordanien."

Einer der Asylbewerber, die vor dem Büro der Vereinten Nationen in Kabul warten, ist Homayan Zaraan.

Er ist iranischer Staatsbürger und lebt seit sechs Jahren in Afghanistan. Er hat einen Bachelor-Abschluss in Musik und unterrichtet auch. Wegen seiner Verbindungen zur Opposition gegen das iranische Regime verließ er den Iran. Geboren wurde er in Isfahan und er verlor vor einigen Jahren seine Frau und seine Eltern.

Euronews-Reporterin Maryam Shahi mit Homayoun Zaraan

In Haft auf Spionage getestet

Den Iran hat Homayoun Zaraan verlassen, um ein besseres Leben in Afghanistan zu führen - vor allem ein freieres. Nach drei Jahren Haft im Iran saß Homayoun Zaraan ein Jahr lang in der westafghanischen Stadt Herat im Gefängnis.

Dort war er inhaftiert, weil die Behörden prüfen wollten, ob er ein Spion oder Saboteur sei. Als sie überzeugt waren, dass er keines davon ist, übergaben sie seinen Fall dem UN-Büro in Afghanistan. Dort bescheinigte man Homayoun Zaraan, dass er ein politischer Flüchtling ist.

Politische Flüchtlinge aus dem Iran haben es schwer

Das afghanische Arbeitsministerium gab ihm einen Brief, in dem es hieß, dass er keinen Arbeitsvertrag unterzeichnen dürfe. Darin hieß es, er könne einfach eine mündliche Vereinbarung mit seinen zukünftigen Arbeitgebern treffen.

Homayoun begann dann bei der Radio- und Fernsehstation in Herat zu arbeiten, allerdings ohne Bezahlung. Er beschloss, nach Kabul zu kommen, um das UN-Büro um Hilfe zu bitten, damit er an einen anderen Wohnort ziehen kann. Von dort kam allerdings keine Reaktion. Also organisierte er einen Sitzstreik vor deren Büro.

Ich bitte die UN um einen Platz zum Leben. Ich bin kein Psychopath, ich habe keine Rebellion angezettelt und keinen Diebstahl begangen. Ich verdiene keine körperliche Gewalt.

Am Ende des dritten Protesttages kam die Polizei. Homayoun berichtete Euronews, dass Mitarbeiter des UN-Büros die afghanische Polizei dazu aufforderten, ihn zu "schlagen". Eigentlich sollte er in ein psychiatrisches Krankenhaus gebracht werden, doch die Polizeikräfte gaben Homayoun etwas zu essen und einen Schlafplatz.

Der Protest und seine Bitten zeigte Wirkung, er bekam einen Platz in einem Flüchtlingslager. "Ich bitte die UN um einen Platz zum Leben. Ich bin kein Psychopath, ich habe keine Rebellion angezettelt und keinen Diebstahl begangen. Ich verdiene keine körperliche Gewalt. Laut UN-Papier, das sie mir gegeben haben, sollte ich einen sicheren Platz zum Leben haben, weil ich ein politischer Flüchtling bin."

Homayoun hat nicht genug Geld, um an einem anderen Ort Asyl zu beantragen. Alles was er wolle, sei eine Arbeit und ein Platz zum Leben. Mit seinen Erfahrungen habe sich sein Denken über das Leben in diesem Land verändert: "Ich dachte, sie würden die Menschenrechte respektieren, aber ich habe meine Meinung geändert."

Millionen von Afghanen sind in den letzten drei Jahrzehnten wegen des Krieges in ihrem Land aus ihrer Heimat in den Iran ausgewandert.

"Meine Region ist Kurdistan, meine Nation Afghanistan"

Saadi Khaledi hat während der Herrschaft von Hamid Karzai die afghanische Staatsbürgerschaft erhalten hat. Auch er ist ursprünglich iranischer Staatsbürger, er kommt aus der iranischen Provinz Kurdistan. Saadi Khaledi erinnert sich an dunkle Jahre, in denen Sicherheitskräfte in sein Haus eingedrungen sind, um seine Identität zu kontrollieren.

Da sich Khaledi gegen das Regime aussprach, kam er im Iran ins Gefängnis. Viele seiner Freunde wurden hingerichtet. Nach seiner Haftstrafe beschloss der Kurde, nach Afghanistan auszuwandern. Er lebt nun schon seit 21 Jahren in Afghanistan.

Zwei Attentaten entkam er nur knapp, er glaubt, dass die iranische Regierung hinter diesen Anschlägen steckt. An seinem Arbeitsplatz hat Saadi Khaledi hat zwei Flaggen aufgestellt: eine ist die der Region Kurdistan und die andere, die von Afghanistan.

Saadi khaledi in seinem Büro in Afghanistan

Ohne afghanischen Pass gibt es offiziell keine Arbeit

Khaledi erklärt gegenüber Euronews, dass er das iranische Regime ablehnt, weil ihm Kurdistan wichtig ist. Er sagt: "Wenn ich das politische System des Iran (velayat-e faghih) akzeptiere, hätte ich kein Problem damit, in diesem Land zu leben. Aber ich bevorzuge es, in der Diaspora und in Not zu leben, anstatt ein solches System zu akzeptieren."

Khaledi lebt nun mit seiner Familie in Kabul, hat einen Arbeitsplatz bei einer Firma. Er kenne viele Familien von Türken, Balouch und Fars, die den Iran verlassen haben, um in Afghanistan Asyl zu beantragen, aber sie können offiziell keine Arbeit finden, weil sie keinen afghanischen Pass haben.

Ein Gesetz soll helfen, das seit 5 Jahren vorbereitet wird

Ein Pressesprecher des afghanischen Einwanderungsministeriums erklärt, warum die Zulassung von Asylbewerbern so problematisch ist. Es gebe kein geltendes Gesetz, das es Asylbewerbern erlaubt, die afghanische Staatsangehörigkeit zu erwerben.

Vor fünf Jahren sei ein Gesetzentwurf zum Thema "Nationalität von Asylbewerbern" an das Justizministerium geschickt worden und man warte immer noch auf eine Antwort. Er bekräftigt, dass es in den Nachbarländer von Afghanistan viele Probleme gebe, daher sei die Flucht von Menschen aus den Nachbarländern vorhersehbar. Doch sein Ministerium habe keine Verpflichtung gegenüber den Asylbewerbern. Sie würden ja von der UN unterstützt werden.

Laut UNO leben derzeit afghanische Flüchtlinge in 75 verschiedenen Ländern auf der ganzen Welt. Pakistan und der Iran sind die Hauptziele dieser Geflüchteten. Die meisten werden als Migranten und nicht als Flüchtlinge angesehen.

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