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Missbrauchsvorwürfe im Eiskunstlauf: Staatsanwaltschaft ermittelt

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Missbrauchsvorwürfe im Eiskunstlauf: Staatsanwaltschaft ermittelt
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Nach Bekanntwerden von Missbrauchsvorwürfen im französischen Eiskunstlauf hat die Pariser Staatsanwaltschaft Vorermittlungen eingeleitet.

Untersucht würden Vorwürfe der Vergewaltigung sowie sexueller Übergriffe auf Minderjährige. Im Zentrum der vorläufigen Ermittlungen stehen die schweren Missbrauchsvorwürfe der heute 44-jährigen ehemaligen französischen Paarlauf-Weltmeisterin Sarah Abitbol in ihrer Enthüllungs-Biographie "Un si long silence" (auf Deutsch übersetzt: "Solch eine lange Stille").

Darin wirft sie ihrem damaligen Trainer Gilles Beyer vor, er habe sie zwischen 1990 und 1992 mehrfach vergewaltigt und missbraucht. Mit der Aufnahme von Vorermittlungen sollten möglicherweise noch weitere Opfer identifiziert werden, hieß es seitens der Staatsanwaltschaft.

Recherchen der Zeitung "L'Obs" hatten ergeben, dass auch andere Läuferinnen mutmaßlich Opfer des Trainers gewesen waren. Auch in der Sportzeitung "L'Équipe" berichteten ehemalige Eiskunstläuferinnen und Schwimmerinnen von Übergriffen.

Ministerin fordert Konsequenzen

In Frankreich lösten die Anschuldigungen großes Entsetzen aus. Sportministerin Roxana Maracineanu forderte am Montag den Präsidenten des Eissportverbands, Didier Gailhaguet, zum Rücktritt auf.

Er habe Fehler gemacht, sich aber nichts zu Schulden kommen lassen, verteidigte Gailhaguet sich nach der Rede der Ministerin. Zu einem möglichen Rücktritt wollte er zunächst keine Stellung beziehen und sich bei einer Pressekonferenz am Mittwoch äußern.

Verfahren 2002 eingestellt

Gegen den Trainer hatte es interne Untersuchungen gegeben, im Jahr 2000 verlor dieser einen wichtigen Sport-Posten beim Ministerium. Allerdings hat er bis heute Funktionen in der Eislaufbranche inne. Konfrontiert mit den Vorwürfen habe der Trainer nicht explizit auf die Anschuldigungen von Abitbol reagiert, so "L'Obs". Die Anschuldigungen einer anderen Eisläuferin hat er demnach bestritten und außerdem auf ein eingestelltes Verfahren im Jahr 2002 verwiesen.

Angst um die Karriere

Die ehemalige Eiskunstläuferin Abitbol beschreibt, dass sie Angst davor hatte, sich jemandem anzuvertrauen, um ihre sportliche Karriere nicht zu gefährden. Die heute 44-Jährige wurde im Jahr 2000 WM-Dritte im Eiskunstlauf und holte bei Europameisterschaften mehrfach die Silber- und Bronzemedaille.

Langsam lösen sich die Zungen im französischen Eiskunstsport. Alle hätten es gewusst, sagte der ehemalige französische Eiskunstläufer Gwendal Peizerat am Montag gegenüber dem Radiosender RTL.