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Neuer Hinweis: Wie viele Covid-Tote gab es in China wirklich?

Ein provisorisches Krankenhaus in Wuhan wird desinfiziert, 10. März 2020
Ein provisorisches Krankenhaus in Wuhan wird desinfiziert, 10. März 2020   -   Copyright  AFP
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Als die Gesundheitskrise nach Europa kam, begannen die Covid-19-Fälle in China zurückzugehen, sie waren fast aus den Medien verschwunden. Nach Monaten des Notstands und der Eindämmung bestätigte das Land, in dem die SARS-CoV-2-Pandemie ihren Ursprung hatte, 82.413 Fälle und 3.322 Todesfälle.

Die hohen Zahlen, die die Pandemie in anderen Teilen der Welt hinterlässt, haben zu Misstrauen gegenüber den offiziellen Daten aus Peking geführt. Jedes Mal, wenn ein Land seine Zahlen nennt, vergleicht es sie mit denen Chinas. Aber ist die Angabe korrekt?

Nach Informationen hoher US-Sicherheitsbeamter, die sich anonym an US-Medien wandten, liegen den Vereinigten Staaten Informationen vor, nach denen "Chinas offizielle Angaben über Coronavirus-Infektionen und Todesfälle absichtlich unvollständig" ist. Der Bericht liege dem Weißen Haus seit vergangener Woche vor.

"Es gibt sicherlich eine Unterrepräsentation in den Daten", meint auch Mario Esteban, leitender Forscher am Königlichen Institut Elcano in Madrid und Professor an der Autonomen Universität Madrid, gegenüber Euronews. "In den ersten Monaten der Krise gab es keine Tests, alle Menschen, die in dieser Zeit gestorben sind, werden in den offiziellen Daten nicht gezählt".

China Gesellschaftsmodell basiert auf Repression und dem Austausch mit der Bevölkerung von wirtschaftlicher Entwicklung für Sicherheit.
Mario Esteban
Spanischer Forscher

"Aber neben den technischen Mitteln, hat sich die chinesische Regierung auch bemüht, die Auswirkungen der Krise zu minimieren, um ihr Image aufrechtzuerhalten, vor allem nach Innen", fügte der Forscher hinzu.

Für China stand bei der Bewältigung dieser Gesundheitskrise viel auf dem Spiel, die Bevölkerung sollte nicht in einen Alarmzustand versetzt werden. China Gesellschaftsmodell, so der Forscher, basiere auf einer repressiven Dimension und einer weiteren, die darin besteht, das Regime im Austausch für Sicherheit und wirtschaftliche Entwicklung zu unterstützen. "Eine ausdrückliche Anerkennung der Zahl der Fälle oder Todesfälle hätte eine Verschlechterung oder ein Infragestellen dieser beiden Faktoren und damit der Zweckmäßigkeit der Aufrechterhaltung des Regimes bedeutet".

Ein Artikel von Josep Borrell, dem Hohen Vertreter der EU für Außenpolitik, der auf die chinesische Partei wegen der "Vertuschung wichtiger Informationen" hinwies, verursachte Blasen in chinesischen Unternehmen wie Huawei.

Das Misstrauen gegenüber den Angaben wird durch Zeugenaussagen in verschiedenen internationalen Medien und sozialen Netzwerken über die Krematorien von Wuhan noch verstärkt. Die Anzahl der in den sieben Bestattungsinstituten dieser Stadt verteilten Urnen lässt Zweifel an der tatsächlichen Zahl der Todesfälle aufkommen. Radio Free Asia , das von den Vereinigten Staaten finanziert wird, sagt, dass die sieben Bestattungsunternehmen in Wuhan jeden Tag etwa 500 Urnen auslieferten, was darauf hindeutet, dass es viel mehr Tote gab als in den offiziellen Statistiken.

Aber sind die Zahlen aus den anderen Ländern zuverlässig?

Die Zweifel konzentrieren sich auf China, aber sind die Zahlen aus den anderen Ländern zuverlässig? Auch Experten beginnen, die Zahlen in Frage zu stellen, während die Medien und die öffentliche Meinung sich fragen, wie die Fälle in den einzelnen Ländern gezählt werden.

Nach Ansicht der Experten gibt es grundlegende Variablen, die sich auf die Zahlen auswirken, wie z.B. die Einschränkungsmaßnahmen, die Kultur, die Langlebigkeit der Bevölkerung oder den Umfang der durchgeführten Tests. Aber die Wahrheit ist, dass jede Regierung bestimmte Kriterien anwendet und die zahlenmäßige Differenz zwischen den Ländern groß ist.

Diese Daten sind von wesentlicher Bedeutung, nicht nur um die epidemiologischen Modelle oder die Sterberate des Virus zu ermitteln, sondern auch, weil die Regierungen auf der Grundlage dieser Daten Entscheidungen treffen. Die Entscheidung, restriktive Eindämmungsmaßnahmen zu verhängen, die enorme Auswirkungen auf die Wirtschaft eines Landes ist von den gemeldeten Zahlen abhängig.

In den Niederlanden werden bisher nur Personen gezählt, die am Coronavirus gestorben sind - Personen mit Vorerkrankungen sind nicht in der Statistik enthalten. Inzwischen werden in einigen Regionen, wie z.B. in Katalonien, alle Todesfälle durch Atemwegsinfektionen gezählt, unabhängig davon, ob sie ein Coronavirus haben oder nicht. In Spanien zählt jede Region auf unterschiedliche Weise. In Frankreich wurden bisher nur diejenigen gezählt, die in Krankenhäusern gestorben sind. Und in Deutschland gab das RKI zuletzt bekannt, dass Todesfälle in Pflegeheimen eine Weile lang nicht mit in die Statistik eingingen.

Es ist daher unmöglich, sich eine klare Vorstellung vom Ausmaß oder der Sterberate dieses neuen Virus zu machen.

"Maskendiplomatie"

Angesichts von Vorwürfen wie dem von Reporter ohne Grenzen, dass ein Mangel an Transparenz die Pandemie auf globaler Ebene hätte verhindern können, versucht China, sein Image nach außen hin zu verbessern. Auch US-Vize Mike Pence machte diese Bemerkung zuletzt.

Sobald das Schlimmste der Gesundheitskrise in China hinter uns lag, "sind die Behörden des Landes in die Offensive gegangen, um eine Interpretation zu verbreiten, die dazu beiträgt, das internationale Image des Landes zu verbessern", sagte Professor Mario Esteban gegenüber Euronews.

Diese Offensive umfasse nicht nur die Tätigkeit der chinesischen öffentlichen Medien auf allen Kontinenten präsent sind, sondern auch die internationale Zusammenarbeit und die humanitäre Hilfe, um das Vertrauen der Länder zu gewinnen, wie es die Vereinigten Staaten und Europa seit Jahren tun. Unter anderem schickt China seit Kurzem medizinisches Fachpersonal nach Europa.

"China hat in den letzten 15 Jahren eine enorme Maschinerie der öffentlichen Diplomatie entwickelt, mit der gleichen Maxime wie in anderen Ländern: Die politische Wirkung hängt nicht von den Fakten ab, sondern davon, wie sie wahrgenommen wird".

Die Vereinigten Staaten hätten ein Vakuum hinterlassen, das China zu füllen versucht. "Die Maskendiplomatie, mit all ihren Unzulänglichkeiten, bekommt viel Raum, viel freie Hand, um dort zu helfen, wo niemand zu Hilfe kommt, vor allem angesichts eines isolationistischen Amerikas", fügt der Forscher des Real Elcano Institute hinzu.

In seinem Artikel warnte Borrell davor, dass "es eine geopolitische Komponente gibt, die den Kampf um Einfluss durch Manipulation der Interpretation von Ereignissen und durch die 'Politik der Großzügigkeit' einschliesst. Also humanitäre Hilfe?

Trotz der Verzögerungen und der zweifelhaften Qualität der Produkte sind in den letzten Wochen zahlreiche chinesische Flugzeuge mit Masken und medizinischer Ausrüstung in Europa eingetroffen. Rettungsboxen für eine EU, die nicht in der Lage ist, eine gemeinsame und koordinierte Strategie aufzustellen.

"Es ist klar, dass es ein Interesse Chinas an der Verbesserung seines Images gibt und dass dies nicht nur altruistisch ist, sondern dass die internationale Zusammenarbeit immer auch dem Interesse des Spenders entspricht", glaubt Mario Esteban.