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Streit um Heinsberg Protokoll: Wissenschaft, Politik und Marketing

Langbroich, near Heinsberg. -
Langbroich, near Heinsberg. -   -   Copyright  INA FASSBENDER/AFP
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Auf Twitter wird heftig diskutiert über die Heinsberg Studie des Bonner Virologen Hendrick Streeck - vor allem weil eine Marketing-Agentur damit beauftragt war, für den Zwischenbericht zu werben.

Der Chef der Virologie am Universitätsklinikum Bonn hatte am 9. April Zwischenergebnisse seiner Coronavirus-Tests in Gangelt im Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen vorgestellt. Dort hatten sich schon im Februar besonders viele Menschen mit SARS-CoV-2 infiziert. Die Uni Bonn hat 500 Bewohner wurden Antikörper-Bluttests unterzogen. Das Zwischenergebnis der Studie zeigte offenbar bei 15 Prozent der Untersuchten Antikörper gegen das neue Coronavirus. Daraus leitete Hendrick Streeck ab, dass weitere Lockerungen der Regeln, für die er sich schon zuvor ausgesprochen hatte, möglich seien.

Streeck geht davon aus, dass sich die Menschen kaum über Türgriffe und andere Gegenstände infizieren.

Auch der CDU-Ministerpräsident von NRW, Armin Laschet, plädiert für eine weitere Aufhebung von Einschränkungen. Seine Landesregierung hatte die Studie mit finanziert. Allerdings ist es durchaus üblich, dass wissenschaftliche Studien von Regierungen finanziert werden und dass PR-Agenturen diese begleiten.

Wie die FAZ berichtet, hatte einer der Gründer der Agentur "Storymachine" Hendrick Streeck Hilfe angeboten. Es handelt sich um den Witwer von Guido Westerwelle, Michael Mronz. Die anderen Gründer des Marketing-Unternehmens sind der ehemalige BILD-Chefredakteur Kai Diekmann und Ex-Stern-Chefredakteur Philipp Jessen. Ob bei den Heinsberg-Protokollen alles richtig gekennzeichnet war, untersucht auch der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR), ein Selbstkontrollorgan der PR-Branche.

Im Fall der Heinsberg-Studie wurde die Aussagekraft der Ergebnisse zunächst aber auch von anderen Wissenschaftlern - wie dem Virologen Christian Drosten von der Charité in Berlin - in Frage gestellt.

Die medienkritische Internetplattform MEEDIA hält das Heinsberg-Protokoll - wie die Marketing-Agentur "Storymachine" ihre Kampagne für die Studie nannte - für ein "Mahnmal missglückter Wissenschaftsvermittlung".

Wir haben einige Tweets zur kontroversen Diskussion zusammengestellt.

Der Vertreter der Wirtschaft sieht das ganz anders.

Hendrick Streeck verteidigt sich ebenfalls aus Twitter.

Auch Armin Laschet twittert.

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