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Masken, Schulen, Geschäfte: Was sich in Deutschland am 4. Mai ändert

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Werden die Ausgangssperren gelockert? Mit Spannung wird erwartet, was Merkel und die Ministerpräsidenten beschlossen haben.
Werden die Ausgangssperren gelockert? Mit Spannung wird erwartet, was Merkel und die Ministerpräsidenten beschlossen haben.   -   Copyright  AP
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Nach Beratung über das weitere Vorgehen in der Gesundheitskrise in Deutschland, hält Bundeskanzlerin Angela Merkel gemeinsam mit Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern und Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister von Hamburg, eine Pressekonferenz.

Vor den Gesprächen per Videokonferenz war durch mehrere Medien bekannt geworden, dass Merkel die in ganz Deutschland geltenden Kontaktsperren bis zum 3. Mai aufrechthalten will.

Jetzt meldet die dpa, dass der Schulbetrieb in Deutschland am 4. Mai schrittweise anfangen soll. Demnach sollen zuerst Abschlussklassen, die Klassen, die im kommenden Jahr Prüfungen ablegen und die obersten Grundschulklassen wieder mit dem Unterricht beginnen.

Dieser Artikel wird laufend aktualisiert.

Masken-Gebot kommt - teilweise

Merkel sagte, man habe sich auf eine gemeinsame Linie geeinigt. Zwischenerfolg nicht mehr und nicht weniger, es sei ein zerbrechlicher Zwischenerfolg. Es dürfe jetzt kein falsches Vorpreschen geben. So lange wie es keine Medikamente und keinen Impfstoff gebe, müsse man mit dem Virus leben.

Die Schritte Richtung mehr öffentliches Leben gelte äußerste Vorsicht, denn es geht jedes Mal um Menschenleben. Alltagsmasken werden bald in Nahverkehr und beim Einkaufen empfohlen, es werde davon immer mehr geben.

Schulen werden schrittweise ihren Betrieb aufnehmen. Es sei ein hoher logistischer Aufwand, er bedeute viel Verzicht und man sei sich dessen bewusst, so Merkel. Dafür müssten Pausenlösung und andere Konzepte entwickelt werden. Unter anderem könne in Schulen nur in kleineren Gruppen unterrichtet werden. Wie man die Abstandsregelungen durchsetzen will, möchte man jetzt erarbeiten.

Bundesregierung

Geschäfte bis 800 m2 aufmachen

Am 30. April wolle man sich neu entscheiden, was ab dem 4. Mai geändert werden kann, man will immer in 14 Tagen Schritten vorgehen, erklärte die Kanzlerin.

Für Frisöre, die ab 4. Mai wieder aufmachen sollen, müssten genaue Schutzkonzepten (Hygiene, Masken, Abstand halten, Desinfektion) gelten.

Geschäfte bis maximal 800 m2 könnten aufmachen (offenbar schon am kommenden Montag) mit entsprechenden Hygienekonzepten, damit keine Menschenansammlungen aufkommen, sich keine Schlagen bilden. Das sei für die Eindämmung der Verbreitungen nötig.

Alles hänge jetzt von den Infektionszahlen ab. Es komme darauf an, dass alle mitmachen, so Merkel.

Deutschland hat Corona "anders unter Kontrolle"

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sagte Deutschland habe Corona "zumindest anders unter Kontrolle" als andere Länder. Man habe von Anfang an auf Vorsicht gesetzt und wolle nun nicht zu viel riskieren und keine Normalität vortäuschen, um eine große Welle zu verhindern.

Im Süden werde das schrittweise Öffnen der Geschäfte etwas "anders" gehandhabt, so Söder.

Gastrononomie, Hotels, Shopping-Malls, Gasthäuser müssen weiter geschlossen bleiben.

Großveranstaltungen sind bis Ende August alle abgesagt. Après-Ski, Karneval und andere Feste hätten eine schlimme Ausbreitung ermöglicht und deswegen könne man diese nicht mit guten Gewissen stattfinden lassen.

Kitas sollen vorerst geschlossen bleiben. Kleinen Kindern sei es nicht zumutbar nach gewissen Regeln, die es jetzt braucht, zu leben.

Das Krisenmanagement bei Webasto sei optimal gewesen, hier habe man die Infektionsketten sehr erfolgreich nachverfolgt. Nach diesem Vorbild will man auch weiter vorgehen, um Krankenhäuser auch in Zukunft nicht zu überlasten. Es müsse mehr Testkapazitäten und Intensivbetten geben, forderte Söder.

Webasto als Paradebeispiel

Die erste Infektion innerhalb Deutschlands war beim dem in Bayern ansässigen Unternehmen Webasto gemeldet worden. Eine Mitarbeiterin aus China, die zu einer Fortbildung nach Deutschland gekommen war, hatte Kollegen in Deutschland angesteckt. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie keine Symptome.

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher sagte es gebe nicht viel Spielraum in dieser Krise. Die Erleichterung der Beschränkungen würden daher nur sehr dosiert gelockert. Der Gesamterfolg dürfe nicht in Gefahr gebracht werden.

"Wir werden über Monate noch mit solchen Ansteckungen leben müssen", sagte Tschentscher. Die Entscheidungen und Vorkehrungen, die getroffen werden, müssten immer wieder vor dem Hintergrund der Ansteckungssituation neu evaluiert werden.

Finanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz sagte, er sei den Bürgerinnen und Bürgern dankbar für was sie leisten. Wichtig sei, dass so viele Menschen die Maßnahmen der Regierung unterstützen.

Meldungen durch Gesundheitsämter

Die Informationen, die übermittelt werden, müssten detaillierter werden. Wenn jemand in einer Schule oder in einem Pflegeheim positiv getestet wurde, müsse das bekannt sein, weil spezielle Maßnahmen dann getroffen werden müssen. Die Infektionszahl liege derzeit etwa bei R1, das sei aber nur eine ungefähre Einschätzung.

Es sei aber eine fragile Situation, das könne sich schnell ändern und würde dann in Kürze zu einer Überbelastung der Krankenhäuser geben. Es sei eine Situation, in der Vorsicht und nicht Übermut das Gebot sei.

Bei Grundschulen habe es unterschiedliche Meinungen gegeben. Sie müsse schrittweise erfolgen, je nach Bundesland werde diese Möglichkeit auch anders durchgeführt.

Schutz vulnerabler Gruppen

Die älteren Menschen abzusondern, halte man nicht für ethisch vertretbar, erklärte Merkel auf Nachfrage. Sie sollen nicht sozial ausgeschlossen werden, sondern müssten besonders geschützt werden durch andere Konzepte.

Sportveranstaltungen

Ob sie wieder starten können, wolle man Ende des Monats beraten. Man wolle das System nicht überbelasten und daher könne nicht alles auf einmal wieder starten.

Ob in der Bundesliga Geisterspieler stattfinden könne, wurde nicht besprochen. Die Liga selbst erarbeite hierzu aber gerade Konzepte, so Söder.

Pressekonferenz mit Angela Merkel vom 15. April in voller Länge