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Tracing Apps: So klar der Nutzen, so umstritten der Datenschutz

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Tracing Apps: So klar der Nutzen, so umstritten der Datenschutz
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Apps sind ein Zauberwort bei der Bekämpfung der Corona – Pandemie, Infektionsketten sollen so sichtbar werden. Programmieren, testen und an den Start bringen sind ein Wettlauf gegen die Zeit. Überall in Europa wird die Entwicklung massiv vorangetrieben, um die Pandemie in den Griff zu bekommen.

Die französische Tracing-App mit dem Namen StopCovid wird eine der ersten sein, die in Europa eingeführt wird. Aber wie bei anderen Tracing-Apps gibt es ernsthafte Fragen zum Design, zur Sicherheit und zu potenziellen Überwachungsrisiken. Europäische Politiker sehen in solchen Apps grosses Potential:

Nicola Sturgeon, erste Ministerin in schottland:

"Das Aufspüren der Kontakte derjenigen, die positiv getestet sind, die Isolierung von Personen mit Symptomen, um die Übertragungskette zu unterbrechen, das wird ein zentraler Teil des Ansatzes sein, den wir verfolgen".

**So funktioniert das Tracing:

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Über ein Dutzend Apps sind europaweit in Entwicklung. Jede App ist anders aufgebaut - aber alle funktionieren nach dem gleichen Prinzip:

Über Bluetooth-Signale werden Handys anonym verfolgt, von jedem, der die App installiert hat. Kontakte, die einige Minuten dauern, werden aufgezeichnet. Für jeden Teilnehmer wird eine anonyme, nur aus Zahlen bestehende Identifikationsnummer generiert und die Daten gespeichert.

Testet jemand später positiv, wird die Nutzerkennung im System markiert. Dessen kontakte werden informiert und aufgefordeert, sich zu isolieren oder zu testen. Die App gibt aber nicht weiter, wo und wann man sich möglicherweise infiziert haben könnte.

Im Gegensatz zu Apps in China werden Ortsinformationen nicht gespeichert, die Ortungsdienste des Handys sind deaktiviert.

Jon Crowcraft entwickelt die FluPhone App:

"Die App läuft nur auf Ihrem Telefon und den anderen Telefonen. Sie protokollieren nur Zahlen, die eine Zuordnung von Kontakten ermöglichen. So können Sie später zur Benachrichtigung verwendet werden. Es wird aber keine Verbindung zwischen einem Handy und einer tatsächlichen Person hergestellt, auch nicht zu einem Google oder Facebook oder einem anderen Konto."

Apps zum erkennen von Kontakten füllen wertvolle Datenlücken, besonders wenn es um Unbekannte geht. Zwar meinen Mediziner, es sei sehr unwahrscheinlich, sich bei einem flüchtigen kontakt auf der Straße zu infizieren. Aber 20 Minuten in der U-Bahn, 2 Stunden in einem Restaurant oder nur 5 Minuten an einer Bushaltestelle könnten schon für eine Infektion reichen - ohne jemals zu wissen, wo man sich konkret infiziert hat.

Lucie Abeler-Dorner ist Senior programme manager an der Oxford University im Nuffield Department of Medicine:

"Verglichen mit der herkömmlichen Ermittlung von Infektionsketten ist es viel effizienter, sie haben eben auch die Kontakte, die ihnen gar nicht bewusst sind. Man kann es in großem Maßstab umsetzen, aber kein Land könnte die Infektionsketten mit den klassischen Mitteln so aufzeigen, wie es nötig wäre, um alle Infektionen zu verfolgen.

Die EU will die Apps gern europaweit standardisieren - aber dagegen gibt es Sicherheitsbedenken in den Mitgliedsstaaten. Eine gesamteuropäische Initiative wurde von der Schweiz und Spanien schon ob der Frage, wo die Daten gespeichert werden gekippt.

In Frankreich debattierte das Parlament über die von der Regierung vorgelegte französische App StopCovid. Allerdings wurde der Prototyp nicht rechtzeitig fertig. Datenschutz ist hier ein heißes Eisen, manche Parlamentarier sind skeptisch:

Philippe Gosselin ist französischer Abgeordneter:

"Wie sich unsere Freiheit mit dem Einsatz von Technologie verträgt, da müssen wir vorsichtig sein. Es läuft auf einen juristischen Präzedenzfall hinaus, den wir jetzt mit dieser Anwendung schaffen würden, und der könnte später auf andere Bereiche ausgeweitet werden."

auch Technologiebefürworter gestehen zu, dass so eine komplexe Hightech-Anwendung nur funktionieren kann, wenn Vorbehalte beim Datenschutz vollständig ausgeräumt werden können - ohne das Vertrauen der Nutzer in den Schutz ihrer Persönlichkeitsrechte wäre ein Scheitern wohl unausweichlich.