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"Masken versteckt": Frankreichs Supermärkte wehren sich

"Masken versteckt": Frankreichs Supermärkte wehren sich
Copyright  DENIS CHARLET/AFP
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Wochenlang waren sie Mangelware, seit heute gibt es in Frankreichs Supermärkten Millionen von Masken zu kaufen. Wie ist das möglich? Die Supermärkte wehren sich gegen den Vorwurf, Bestände “versteckt und gehortet” zu haben. Wir haben nachgefragt.

Masken zurückgehalten, um später großes Geschäft zu machen?

Noch vor Kurzem waren sie knapp, ab jetzt werden sie in großen Mengen in den Regalen liegen. Masken stehen ab diesem Montag auch in französischen Supermärkten zum Verkauf, bislang gab es sie nur in Apotheken.

Das Ziel der Regierung: Alle Franzosen sollen ausgerüstet sein, denn das Ende der Ausgangssperre am 11. Mai rückt näher. Millionen von Masken – waschbar oder Einwegprodukte... Ein krasser Kontrast zum Notstand zu Beginn der Krise, der Vertreter mehrerer Gesundheitsberufe verblüfft bis verärgert.

"Wie ist es zu erklären, dass unsere Mitarbeiter noch vor Kurzem nicht mit Masken ausgestattet werden konnten, wenn jetzt in großen Tönen schwindelerregende Mengen von Masken ankündigt und an die breite Öffentlichkeit verkauft werden", fragen sich die Verbände der Ärzte, Apotheker, Hebammen, Krankenschwestern, Zahnärzte und auch der Physiotherapeuten in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

Das Gerücht, Masken seien bewusst zurückgehalten worden, um jetzt ein großes Geschäft damit zu machen, geistert durch Frankreich. "100 Millionen hier, 50 Millionen dort. Ein schamloses, gegenseitiges Überbieten” habe begonnen.

Was sagen die Supermärkte?

Bei den Supermärkten stößt die Pressemitteilung auf Unverständnis. Die Vorwürfe der Pfleger, Ärzte und Apotheker seien "empörend und verleumderisch".

Die Gruppe “Carrefour” erklärt gegenüber euronews, ab heute "zehn Millionen chirurgische Einwegmasken zum Selbstkostenpreis" anzubieten. Mit anderen Worten: Es werde keinerlei Gewinn mit dem Mund-Nase-Schutz gemacht. Ihr Verkaufspreis sei "auf weniger als 60 Cent pro Maske" festgelegt, jeder Kunde dürfe höchstens zwei Packungen à fünf bis zehn Masken kaufen.

Ab dem 11. Mai will der französische Staat dann nach und nach 175 Millionen chirurgische Einwegmasken importieren und zusätzlich mehr als 50 Millionen Masken aus waschbaren und wiederverwendbaren Stoffen in den Handel bringen. Das bedeutet aber nicht, dass alle diese Masken bereits auf Lager sind.

Wann wurde bestellt?

Wann wurden die Bestellungen aufgegeben, wenn Gesundheitsfachleute doch schon seit Wochen mehr Masken fordern? Die Supermarktketten “Intermarché” und “Netto” der Gruppe “Les Mousquetaires” beteuern, erst zwischen 13. April und 2. Mai 50 Millionen Einwegmasken geliefert bekommen zu haben.

“Carrefour” erklärt in einer Pressemitteilung, "dass die Firma bis zum 21. März ihren gesamten Maskenbestand Gesundheitspersonal zur Verfügung gestellt" habe. Daraufhin habe sie weitere Masken bestellt, "um die Sicherheit ihrer Mitarbeiter und der Franchise-Partner zu gewährleisten".

Dann, in einer dritten Phase, "am 24. April 2020", habe die Regierung alle Vertreiber von Masken in Frankreich gebeten, sich ab dem 4. Mai an der Ausrüstung der französischen Bevölkerung zu beteiligen, heißt es vonseiten der “Carrefour”-Gruppe, die sich “massiv mobilisiert” habe, um der Bitte des Elysée-Palasts nachzukommen.

Auch der CEO der Supermarktgruppe “Système U”, Dominique Schelcher, verteidigt sich gegen den Vorwurf, Lagerbestände versteckt zu haben. Auf Twitter erklärt er, Bestellungen von chirurgische Masken zum Verkauf an die breite Öffentlichkeit seien erst “nach dem 24. April”, dem Tag der Regierungserklärung erfolgt. Davor habe man lediglich die Mittel gehabt, um die eigene Belegschaft zu versorgen.

“Keine versteckten Bestände"

Michel-Edouard Leclerc, Präsident der Gruppe “E.Leclerc”, klinkte sich per Youtube-Video in die Diskussion ein. "Es gibt keine versteckten Bestände”, solche Szenarien zu verbreiten sei “dumm”.

Aber wie ist es gelungen, Millionen von Masken in Rekordzeit zu beschaffen? Laut Leclerc vor allem dank der Wiederaufnahme der Produktion in China, aber auch dank neuer Produktionsmöglichkeiten in Frankreich.

Er höre viel Unverständnis darüber, “dass wir heute Masken haben, während es vor einem Monat noch Probleme gab, Krankenhäuser auszustatten, aber das war vor einem Monat”, betont er. Seitdem sei der gesamte chinesische Sektor wieder in Gang gekommen und auch im eigenen Land werde nun in großen Mengen produziert.

Diskussionen wie diese würden nur die Mobilisierung aller behindern, um die Franzosen mit Masken auszustatten, glaubt Leclerc. Und das dürfe nicht passieren.