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Corona in Schlachthöfen: Kann man noch ohne Bedenken Fleisch essen?

Ist die beliebte Grillsaison wegen des Coronavirus in Gefahr?
Ist die beliebte Grillsaison wegen des Coronavirus in Gefahr?   -   Copyright  Sebastian Holgado/Unsplash
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In mehreren deutschen Schlachthöfen und fleischverarbeitenden Betrieben sind sogenannte Cluster von Coronavirus-Infektionen aufgetreten. In manchen Unternehmen ist fast die gesamte Belegschaft betroffen. Gründe für die schnelle Ausbreitung liegen wohl in der Wohnsituation der Angestellten, die oft auf geringem Raum zusammenleben und daher keine Abstandsregelungen einhalten können.

Wer gerne Fleisch isst, fragt sich jetzt vielleicht, ob über den Verzehr der in diesen Fabriken verarbeiteten Nahrungsmittel eine Gefahr besteht. Gerade jetzt wo die Temperaturen steigen und die Kontaktbeschränkungen gelockert werden, sieht so mancher seine geplanten Grillabende mit Freunden und Familie bedroht.

Während das Ministerium für Arbeit und Soziales Druck auf die Fleischbetriebe macht, Hygienekonzepte einzuhalten und besser auszuarbeiten, teilte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mit, dass bisher keine Corona-Fälle bekannt sind, die durch den Verzehr kontaminierter Lebensmittel oder durch Kontakt zu kontaminierten Gegenständen zustande gekommen sind.

Um auf Nummer sicher zu gehen, könne es ratsam sein, das Fleisch durchzubraten. "Coronaviren können sich in Lebensmitteln nicht vermehren; sie benötigen dazu einen lebenden tierischen oder menschlichen Wirt. Da die Viren hitzeempfindlich sind, kann das Infektionsrisiko durch das Erhitzen von Lebensmitteln zusätzlich weiter verringert werden."

"Ein SARS-CoV-2 infizierter Schlachtereiarbeiter stellt gemessen an den Hauptübertragungswegen durch Tröpfchen kein nennenswertes Zustatzrisiko dar", gibt auch Volker Hingst, Arzt für Hygiene- und Umweltmedizin, Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Entwarnung.

Fleisch ist grundsätzlich ein Lebensmittel von dem mikrobiologische Gefahren ausgehen können (z.B. Salmonellen und Campylobacter) und das deshalb besondere Hygiene-Vorkehrungen erforderlich mache, so Hingst.

Wenn man sich in den Betrieben an die einschlägigen Regeln der Hygiene beim Schlachten, Zerlegen, Konfektionieren und Zubereiten hält, bestehe kaum Gefahr für den Konsumenten. "Individuelles Fehlverhalten kann man allerdings nie ausschließen."

10.000 Angestellte in Fleischbetrieben in den USA betroffen

Nicht nur in Deutschland, auch in den USA ist die fleischverarbeitende Industrie von der Coronavirus-Epidemie stark betroffen. Rund 10.000 Angestellte wurden positiv getestet oder waren dem Virus direkt ausgesetzt, 30 Menschen starben. Zahlreiche Betriebe schlossen ihre Türen und stellten ihre Arbeit ein, was zu Engpässen für Verbraucher führte.

AP
Ein Mann trägt zwei Schweinelenden durch einen Supermarkt in Utah. Die Fleischvorräte in den USA gehen aufgrund von Produktionsstilllegungen wegen des Coronavirus zurück.APRick Bowmer

Präsident Donald Trump hat in der vergangenen Woche angekündigt, 14 fleischverarbeitende Fabriken wieder zu öffnen. Eine Entscheidung, die von der größten Gewerkschaft der Industrie als "gefährlich" kritisiert wurde.

Die Regierung habe es versäumt, dringend erforderliche Maßnahmen zu ergreifen, um klare und durchsetzbare Sicherheitsstandards in diesen Fleischverpackungsbetrieben zu erlassen.

"Wir fordern das Weiße Haus auf, die Verzögerungen zu beenden und unverzüglich anzuordnen, dass allen Fleischverpackungsbetriebe Schutzausrüstungen auf höchstem Niveau bereitsgestellt werden, sicherzustellen, dass allen Fleischverpackungsarbeitern tägliche Tests zur Verfügung stehen, Abstandsregeln in allen Betrieben durchgesetzt werden und allen Arbeitern, die infiziert sind, voll bezahlten Krankenstand zu gewähren. (...)", so die United Food and Commercial Workers (UFCW) International Union in einer Stellungnahme zu den Anordungen. "Wir können nicht länger warten".