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Arbeiter aus der Fleischindustrie klagt an: "Man wohnt wie im Gefängnis"

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In der Belegschaft einer Fleischfabrik in der Stadt Coesfeld im Westmünsterland sind mittlerweile mehr als 260 Coronavirus-Ansteckungsfälle festgestellt worden. Auch in anderen Bundesländern haben sich Beschäftigte von Schlachthöfen und Fleischereibetrieben infiziert. In der Kritik steht insbesondere die Unterbringung der Angestellten, die oft aus Osteuropa kommen. Da viele in ihren Unterkünften auf engem Raum zusammenleben, kann sich dort der Erreger schnell ausbreiten.

"Wasser, Essen, Salami. Schon in Ordnung"

"Man wohnt wie in einem Gefängnis, wie ein Löwe in einem Käfig", sagt in Coesfeld ein aus Rumänien stammender Lohnarbeiter. "Ob man ihnen Lebensmittel gebracht habe, fragt der Reporter. "Ja, Wasser, Essen, Salami. Das ist schon in Ordnung", so der Mann.

Das Land Nordrhein-Westfalen hatte die vorläufige Schließung des betroffenen Betriebes in Coesfeld angeordnet. Weitere Maßnahmen folgen, sagt Heinz Öhmann, der Bürgermeister des Ortes.

"Es wird Überprüfungen zukünftig geben und daraus wird man feststellen können, was notwendig ist. Das heißt also in den Schlachtbetrieben: Welche Schutzmaßnahmen sind künftig zu ergreifen, welche Wohnbedingungen sind zukünftig vielleicht zu verändern? Und auch Transportwege wird man stärker analysieren und daraus Schlussfolgerungen ziehen", so Öhmann.

Olaf Klenke von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten erläutert: "Ich gehe eine Straßenecke weiter und sehe ein Paket Fleisch für 1,99 zum Grillen am Wochenende. Dann kann man fragen: Unter welchen Blutbedingungen, sag ich mal, ist das Fleisch eigentlich produziert worden? Wir reden in der Branche oft über das Tierwohl, aber das Menschenwohl von den Menschen, die da arbeiten sollte uns doch mindestens genauso wichtig sein."

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten fordert, dass - so wörtlich - "unverzüglich und ausnahmslos alle Beschäftigten der Schlacht- und Zerlegeindustrie auf eine Corona-Infektion getestet werden". Man habe es mit beschämenden und menschenverachtenden Zuständen zu tun, heißt es in einer Stellungnahme der Gewerkschaft.