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Europas "Patient Null" - war er tatsächlich der erste?

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Europas "Patient Null" - war er tatsächlich der erste?
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Europas "Patient Null" - Professor Yves Cohen ist sich sicher, ihn im Dezember in einem Krankenhaus bei Paris behandelt zu haben. Dort ging er im Nachhinein alle DNA-Tests von Patienten systematisch durch, die wegen einer Lungenentzündung behandelt worden waren, bei denen aber keiner der bekannten Viren festgestellt werden konnte.

Dann kam Licht ins Dunkel:

Es gab 14 Patienten, einer von ihnen wurde positiv auf Covid-19 getestet.
Yves Cohen
Avicenne Krankenhaus

Ein 53-jähriger Mann, der am 27. Dezember behandelt wurde. Bisher der erste bestätigte Fall des Coronavirus in Europa.

Daraus zieht Prof. Cohen folgende Schlüsse:

Zuerst dachten wir, der erste Fall sei am 24. Januar aufgetreten und die Gesundheitskrise sei Ende Februar, Anfang März losgegangen. Doch jetzt nehmen wir an , dass sich das Virus bereits seit Dezember verbreitete.
Daher ist die Ausbreitungszeit einen Monat länger zu berechnen. Wenn eine neue Epidemie auftritt, können wir uns viel früher vorbereiten, unter der Voraussetzung, dass die ersten Fälle von der Regierung bekannt gegeben werden.

Der Fall zeigt, wie wichtig es ist, alte Proben zu untersuchen, um die Pandemie besser zu verstehen, denn so kann man weitere andere mögliche Epidemien künftig besser bekämpfen. Alles sieht danach aus, dass sich das Virus bereits viel eher ausbreitete, als angenommen wurde.

Prof. Cohen behandelte den Patienten bereits, wenige Tage bevor China die Weltgesundheitsorganisation über das neuartige Virus informierte.

Doch damit nicht genug: Anderen Nachforschungen zufolge könnte das Coronavirus bereits Mitte November in Ostfrankreich aufgetreten sein.

Ärzte eines Krankenhauses in Colmar schickten uns diese älteren Röntgenbilder. Ihnen zufolge zeigt das Bild rechts Auffälligkeiten, die typisch für die Covid-19-Erkrankung sind, wie dieser Vergleich zeigt.

Der Osten Frankreichs war mit am schlimmsten vom Sars-CoV-2-Ausbruch betroffen.

Wissenschaftler des französischen Forschungsinstituts CNRS gehen davon aus, dass das Virus Ende Januar sich zu einer Epidemie ausbreitete. Zwei Monate, bevor in Frankreich die Ausgangssperre verhängt wurde. Es verstrich viel kostbare Zeit, in der Menschenleben hätten gerettet werden können.

Deswegen fordert Laurent Gerbaud vom Universitätskrankenhaus Grenoble:

Dem französischen Gesundheitssystem war es nicht möglich, früher Alarm zu schlagen. Meiner Meinung nach brauchen wird ein großes Warnsystem. Dieses muss genau unter die Lupe nehmen, was in den Reanimierungsabteilungen geschieht. Man kann einen Prozess in Gang setzen, der früher Alarm schägt, sodass bessere Entscheidungen getroffen werden können.